Finanzen

Stanley Fischer erwartet Zins-Erhöhung, doch bei der EZB gehen die Uhren anders

Lesezeit: 2 min
20.11.2015 23:41
Der wichtigste Mann der US-Notenbank, Stanley Fischer, lässt mit einer offensiven Aussage aufhorchen: Nicht nur die Fed, auch andere Zentralbanken bereiten sich auf eine Erhöhung der Leitzinsen vor. Einzig die EZB kämpft im Euro-Raum immer noch gegen die Folgen ihrer eigenen Politik.
Stanley Fischer erwartet Zins-Erhöhung, doch bei der EZB gehen die Uhren anders

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Mehrere Zentralbanken stehen nach Einschätzung des Vizechefs der US-Notenbank Fed, Stanley Fischer, in den Startlöchern für eine Zinsanhebung. „Einige große Notenbanken werden wahrscheinlich in relativ naher Zukunft damit beginnen, sich schrittweise von Zinsraten nahe null zu entfernen“, sagte Fischer am Donnerstag in San Francisco. Was die allgemein für Dezember erwartete Zinswende in den USA angeht, so sagte er, die Fed habe noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Sie habe aber alles getan, um eine Überraschung der Märkte zu vermeiden, wenn es soweit sei. „Das ging so weit, dass mehrere Zentralbank-Vertreter aus Schwellenländern (und anderswo) seit einiger Zeit der Fed sagen, 'tut es einfach'.“ Natürlich lasse sich die Fed nichts befehlen. Aber die Tatsache, dass andere Zentralbank-Vertreter zur Erhöhung der Zinsen in den USA aufriefen, deute daraufhin, dass sie „ihre Vorbereitungen getroffen haben“.

An den Finanzmärkten wird damit gerechnet, dass die Fed im Dezember die Zinsen erstmals seit fast zehn Jahren erhöhen wird. Das am Mittwochabend veröffentlichte Protokoll der jüngsten Zinssitzung deutet zudem darauf hin, dass die Notenbank danach eher zurückhaltend agieren wird.

Nur im Euro-Raum gehen die Uhren anders: Das Bekenntnis des EZB-Chefs Mario Draghi zu möglichen weiteren Geldspritzen seines Hauses hat dem Euro am Freitag zugesetzt. Er verbilligte sich um bis zu 0,8 Prozent auf 1,0646 Dollar. Unter Europas Aktienbörsen profitierte vor allem der exportorientierte deutsche Aktienmarkt.

Nach einer starken Woche ging den meisten Handelsplätzen allerdings etwas die Puste aus: Der Dax kletterte um 0,3 Prozent auf 11.119,83 Punkte. Der EuroStoxx50 legte 0,1 Prozent zu. "Für mehr müssen den vielen Worten nun endlich Taten folgen", betonte Andreas Paciorek, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. Dennoch verhalf die Aussicht auf eine weitere Öffnung der Geldschleusen dem Dax zu einem satten Wochenplus von 3,8 Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) entscheidet Anfang Dezember über die Zukunft des sogenannten Quantitative Easing (QE). Draghi zeigte sich wegen der hartnäckig niedrigen Inflation zu noch drastischeren geldpolitischen Maßnahmen bereit. Am Freitag sagte er auf dem Bankenkongress "Euro Finance Week" in Frankfurt: "Wir werden das tun, was wir machen müssen, um die Inflation so schnell wie möglich zu erhöhen." Börsianer wetten seit längerem darauf, dass die EZB ihre Anleihekäufe von derzeit monatlich 60 Milliarden Euro aufstockt. Damit will sie die drohende Deflation, eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen, verhindern und die Teuerungsrate in Richtung ihres Zielwerts von knapp zwei Prozent treiben.

Wegen dieser Spekulationen ist der Kurs des Euro seit Mitte Oktober um rund acht US-Cent gefallen. Gleichzeitig gewannen Dax und EuroStoxx50 jeweils etwa zehn Prozent, weil die Abwertung der Gemeinschaftswährung die Waren der heimischen Firmen auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger macht.

Die QE-Hoffnung hievte den Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, am Freitag zeitweise auf 158,19 Punkte. Damit näherte er sich seinem Sechs-Monats-Hoch vom Oktober. An den US-Börsen stiegen die Indizes bis zum Handelsschluss in Europa um jeweils ein halbes Prozent. Begehrt waren die Aktien von Nike nach einem Aktienrückkauf. Sie legten um mehr als vier Prozent zu.

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