Fahrverbot für alle PKW mit Diesel in deutschen Großstädten droht

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
04.07.2016 00:52
In einigen deutschen Städten könnten Fahrverbote und Straßensperrungen für Diesel-Fahrzeuge bald Realität werden. Der Grund: In vielen Städten ist die Einhaltung der Grenzwerte auf Jahre hinaus illusorisch. München könnte die erste Stadt sein, die Diesel aus der Stadt verbannt.
Fahrverbot für alle PKW mit Diesel in deutschen Großstädten droht

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Seit Monaten werden in 29 deutschen Ballungsgebieten die EU-Grenzwerte überschritten. Teilweise können diese auch auf Jahre hin nicht eingehalten werden. Um weitere Verstöße gegen die EU-Bestimmungen zu vermeiden, bleibt offenbar nur noch der radikale Schnitt. Doch das Sperren für Dieselfahrzeuge ist lediglich eine kurzfristige Lösung. Langfristig können die Städte das Dilemma nur gemeinsam mit der Industrie beheben.

In einigen Städten hat sich die Lage bereits zugespitzt. Hier drohen schon jetzt Fahrverbote und Straßensperrungen für Diesel-Fahrzeuge. Das komme dem Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Helmut Dedy, zufolge einem lahm legen dieser gleich. München könnte nach Angaben der FAZ die erste Kommune sein, in der diese verordnet werden. Das dortige Verwaltungsgericht habe dem Freistaat Bayern in der vergangenen Woche eine Frist von einem Jahr gesetzt, um die Grenzwerte zur Luftreinhaltung in München einzuhalten.

„Der Deutsche Städtetag macht dafür die Autohersteller verantwortlich“ berichtet die Zeitung. Aus seiner Sicht bedeute der Diesel-Skandal, dass die Kalkulation der zu erwartenden Luftbelastung für die Städte angesichts falscher Angaben zur Diesel-Abgasnorm obsolet geworden seien und deshalb die Grenzwerte in vielen Gebieten dauerhaft überschritten würden. Zusätzliche Maßnahmen zur Luftreinhaltung, die über die ohnehin schon vorhandenen Verkehrsumleitungen, Fahrradwege oder zusätzlichen Angebote im öffentlichen Nahverkehr hinausgingen, könnten daran nichts ändern.

Eine Schuld der Städte sieht Derby daher nicht. Ihm zufolge seien ihre Maßnahmen zur Einhaltung der Stickoxidwerte sehr weitreichend. Anders als bei den Grenzwerten für Feinstaub hätten es die Städte gar nicht in der Hand, die Stickoxidbelastung so zu verringern, das die Grenzwerte überall in Deutschland eingehalten werden. „Dass das Ziel dennoch nicht erreicht wird, liegt daran, dass dort, wo die Emissionen entstehen, nämlich in den Motoren, nicht die Verbesserungen eingehalten worden sind, die mit Normen wie der Euro 6 vorgegeben waren“, zitiert ihn die Zeitung. Ein Ausweg könne daher nur gemeinsam mit der Industrie erreicht werden. „Die Autoindustrie muss konkrete Lösungen anbieten“, so Derby.

Neben falschen Abgaswerten wird die steigende Zahl an Fahrzeugzulassungen in den vergangenen Jahren für die Misere verantwortlich gemacht. Für den deutschen Markt verwies der VDA erst kürzlich auf eine insgesamt starke Diesel-Nachfrage in den ersten fünf Monaten dieses Jahres: Mehr als 656 000 Neuzulassungen in der Bundesrepublik bis Ende Mai markierten einen neuen Höchststand.

Der Deutsche Städtetag forderte von der Bundesregierung bereits im Februar, das Problem durch „anspruchsvolle Vorgaben zur Reduzierung der Emissionen an der Quelle“ anzugehen. Also durch strengere Abgasnormen für Autos. Denn die für Diesel-Pkw verbindlich vorgeschriebene Euro-6-Norm reiche nicht aus.

Für die Kommunen geht es jetzt nicht nur um drohendes Chaos auf ihren Straßen, sondern vor allem um viel Geld, berichtet die Zeit. „Halten sie die europäischen Grenzwerte nicht ein, könnte der Europäische Gerichtshof sie zu mehreren Hunderttausend Euro Strafe verurteilen – pro Tag.“

In Frankreich versucht man der Lage ebenfalls Herr zu werden. Motorisierte Fahrzeuge werden auf den Champs-Elysées jeden ersten Sonntag pro Monat verboten. Die Maßnahme ist ein Teil des Plans der Pariser Bürgermeisterin Hidalgo, um die Luftverschmutzung reduzieren. Dazu sollen ab 2020 auch Diesel-Autos von den Straßen der französischen Hauptstadt verschwinden.

 


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Geopolitik: Im Iran kommt die Kurden-Karte ins Spiel

In den Kurden-Gebieten des Irans könnte es bald brodeln. Mehrere Anzeichen sprechen für diese These.

DWN
Technologie
Technologie US-Verkehrsbehörde leitet Untersuchung gegen Tesla ein

Aufgrund mehrerer Unfälle, die offenbar durch ein Autopilot-System ausgelöst wurden, hat die US-Verkehrsbehörde eine Untersuchung gegen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Trotz positiver PR-News: Irritationen um den deutschen Schiffbau

Die deutschen Schiffbauer konzentrieren sich schon lange auf den Bau von Nischenprodukten wie Fähren und Luxusschiffe. Denn die Konkurrenz...

DWN
Politik
Politik Geheimdienst-Gipfel in Moskau: Kommt jetzt das Bündnis zwischen Erdogan und Assad?

In Moskau fand ein türkisch-syrischer Geheimdienst-Gipfel statt. Offenbar bahnt sich eine enge Kooperation zwischen der Türkei und Syrien...

DWN
Finanzen
Finanzen Viele Banken werden wegen Blockchain sterben

Wie einst Amazon den Einzelhandel verändert hat, so werde die Blockchain-Technologie vermutlich das Bankensystem verändern, sagt Stephen...

DWN
Politik
Politik Frankreich verlegt Flugzeugträger ins östliche Mittelmeer

Frankreichs Präsident Macron hat die Entsendung eines Flugzeugträgers in das östliche Mittelmeer verkündet. Aus einer Übersicht geht...

DWN
Politik
Politik Lebensarbeitszeit: Massive Unterschiede in Europa

Die massiven Unterschiede bei den erwarteten Lebensarbeitszeiten in der EU und angrenzenden Ländern lassen sich vor allem auf die...

DWN
Deutschland
Deutschland Die deutsche Polizei setzt auf Autos von Volkswagen

Bei der deutschen Polizei kommen vor allem Autos der Marke Volkswagen zum Einsatz. Passat und VW-Bus sind besonders beliebt.

DWN
Politik
Politik Pentagon veröffentlicht neues Strategiepapier zur Eindämmung Russlands auf Europas Energiemarkt

Aus einem Strategiepapier der Pentagon-Denkfabrik Rand geht hervor, wie Russlands Rolle auf dem europäischen Energiemarkt zurückgedrängt...

DWN
Finanzen
Finanzen Kindergeld: Über 370 Millionen Euro fließen ins Ausland

Im Jahr 2018 sind über 370 Millionen Euro an Kindergeld ins EU-Ausland geflossen. Die Kommunen beklagen zahlreiche Betrugsfälle.

DWN
Finanzen
Finanzen Deutsche misstrauen der Geldpolitik, bunkern Bargeld und Gold

Tresorhersteller und Anbieter von Schließfächern verzeichnen eine extreme Nachfrage. Denn in dem Bemühen, ihr Vermögen vor den Folgen...

DWN
Deutschland
Deutschland Wegen Großbritannien: Deutschlands EU-Beitrag steigt um 14 Milliarden Euro

Nach dem Brexit wird Deutschlands EU-Beitrag um jährlich 14 Milliarden Euro auf etwa 39 Milliarden Euro steigen.

DWN
Finanzen
Finanzen Weltgrößter Hedgefonds erwartet neue Rekorde beim Goldpreis

Vor dem aktuellen Hintergrund könnte der Goldpreis bis Ende des Jahres um 30 Prozent steigen, sagt Greg Jensen, Chief Investment Officer...

DWN
Finanzen
Finanzen USA setzen Schweiz auf Watchlist wegen Manipulation des Franken

Die USA haben die Schweiz auf eine Beobachtungsliste von Staaten gesetzt, die sie der Währungsmanipulation beschuldigen, und fordern von...

celtra_fin_Interscroller