Politik

Wagenknecht: Ein Trauerspiel, dass es keine Alternative zu Merkel gibt

Lesezeit: 2 min
31.08.2016 02:31
Die Vorsitzende der Fraktion der Linkspartei Wagenknecht kritisiert den Mangel an politischen Führungskräften in Deutschland. Es sei ein Trauerspiel, dass es keinen ernsthaften und glaubwürdigen Herausforderer für Bundeskanzlerin Merkel gäbe, deren Politik Wagenknecht für gescheitert hält. Merkel selbst zeigte sich durchaus selbstkritisch.
Wagenknecht: Ein Trauerspiel, dass es keine Alternative zu Merkel gibt

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht hat das Fehlen eines echten Herausforderers von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bedauert. «Es ist ein Trauerspiel, dass Deutschland von einer Kanzlerin regiert wird, die in vielen Bereichen großen Schaden angerichtet hat, und trotzdem, sollte sie wieder antreten, beste Chancen hat, auch nach 2017 Kanzlerin zu bleiben», sagte Wagenknecht der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Einfach, weil es keinen ernsthaften und glaubwürdigen Herausforderer gibt.» Damit spielte Wagenknecht auch auf die SPD und deren Probleme bei der Benennung eines Kanzlerkandidaten an.

Merkel habe durch Alleingänge dem europäischen Zusammenhalt schwer geschadet, kritisierte Wagenknecht. «Sie hat die soziale Spaltung im Land weiter vertieft.» Es sei ihre Verantwortung, dass die AfD, nachdem diese vor einem Jahr noch bei drei Prozent gelegen habe, nun einen Wahlerfolg nach dem nächsten feiere.

«Wir haben schon heute im Bundestag eine rot-rot-grüne Mehrheit», sagte Wagenknecht. «Aber solange die SPD die große Koalition einer sozialen Politik vorzieht und sich jetzt auch noch die Grünen Merkel andienen, ist die Lage für die Kanzlerin außerordentlich komfortabel.»

Wagenknecht kritisierte Merkels Entscheidung vom September 2015, die Flüchtlinge aus Ungarn ins Land zu lassen. «Wenn man so etwas macht, muss man ein Konzept haben, wie man die damit verbundenen Probleme löst.» Man müsse Integration gewährleisten und verhindern, dass die weniger Begüterten die Folgen und die Kosten tragen.

«Es geht nicht darum, möglichst viele Menschen nach Deutschland zu holen und dann hier zu integrieren. Das ist ein völlig falscher Ansatz», sagte Wagenknecht. Viel wichtiger sei es, etwas gegen die Ursachen von Flucht und Vertreibung zu tun und endlich die Lage in den Flüchtlingslagern nahe der Herkunftsländer, wo sich viele Millionen Flüchtlinge aufhalten, zu verbessern. «Bis heute ist nicht gewährleistet, dass die Kinder dort auch nur ein Minimum an Bildung bekommen.»

Merkel selbst hat im Umgang mit der Flüchtlingskrise Fehler Deutschlands eingeräumt und Selbstkritik geübt, ihre grundlegende Linie aber verteidigt. "Auch wir Deutschen haben das Problem zu lange ignoriert und die Notwendigkeit einer gesamteuropäischen Lösung verdrängt", sagte Merkel in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Schon 2004 und 2005 seien viele Flüchtlinge nach Europa gekommen, "und wir haben es Spanien und anderen an den Außengrenzen überlassen, damit umzugehen", räumte Merkel ein. "Und ja, auch wir haben uns damals gegen eine proportionale Verteilung der Flüchtlinge gewehrt. Das kann ich nicht leugnen."

Zudem sei der Schutz der EU-Außengrenzen über lange Zeit nicht angemessen behandelt worden, sagte Merkel. Auch Deutschland sei nicht immer Anhänger von Modellen gewesen, die - wie die Grenzschutzagentur Frontex - die Souveränität der Mitgliedstaaten eingeschränkt hätten. "Stattdessen haben wir gesagt, dass wir das schon an unseren Flughäfen regeln, weil Deutschland sonst keine EU-Außengrenzen hat, uns also das Problem schon nicht erreichen wird", räumte die Kanzlerin ein: "So geht es aber nicht."

Merkel zeigte sich zurückhaltend zu den Chancen, mit bislang unwillige EU-Staaten zu einer gemeinsamen Flüchtlingspolitik zu kommen. Man müsse einen "längeren Atem haben, um in Europa insgesamt zu einer wirksameren und fairen Lösung zu kommen", sagte die CDU-Vorsitzende.

Merkel zeigte sich zugleich zuversichtlich, dass die Integration der Hunderttausenden Flüchtlinge gelingen werde, die seit vergangenem Jahr nach Deutschland gekommen sind. "Deutschland wird Deutschland bleiben, mit allem, was uns lieb und teuer ist", versicherte sie.

In der Auseinandersetzung mit rechten und ausländerfeindlichen Gruppierungen appellierte Merkel zu Besonnenheit und kritisierte indirekt SPD-Chef Sigmar Gabriel, der von "Pack" gesprochen hatte und rechtsradikalen Demonstranten den ausgestreckten Mittelfinger gezeigt hatte: "Ich bin überzeugt, dass es gerade in solchen Zeiten auch sprachlicher Enthemmung wichtig ist, dass wenigstens Politiker sich maßvoll äußern und sich nicht an diesem Überbietungswettbewerb beteiligen, sondern verantwortlich mit der Sprache umgehen." Konkret auf Gabriel angesprochen, sagte Merkel: "Jeder hat da seinen eigenen Angang. Ich hab jetzt meine Meinung dazu gesagt."

Ihren umstrittenen Satz "Wir schaffen das" bekräftigte die Kanzlerin abermals. "Ja, selbstverständlich" bleibe es dabei, dass diese Aussage gut und richtig gewesen sei.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik EU-Kommission erwägt Sanktionen gegen staatliche Akteure wegen Verbreitung von Desinformation

Die EU erwägt erstmals die Einführung von Sanktionen gegen staatliche Akteure, die insbesondere während der Corona-Krise...

DWN
Politik
Politik Nord Stream 2: Keine US-Sanktionen gegen Merkel, sondern „nur“ gegen deutsche Firmen

Im Streit um die deutsch-russische Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 will der US-Kongress Sanktionen gegen Regierungen und Behörden...

DWN
Finanzen
Finanzen Dax schleppt sich müde in den letzten Handelstag der Woche - heute Nachmittag Arbeitsmarktdaten aus den USA

Das deutsche Leitbarometer zeigt sich derzeit eher lustlos. Heute Nachmittag präsentieren die USA ihre Arbeitslosenquote für den November.

DWN
Finanzen
Finanzen Die Rückkehr des „Bail in“: Denkfabriken erwarten eine neue Euro-Krise im kommenden Jahr

Mehrere Denkfabriken befassen sich konkret mit Vorbereitungen für eine neue europäische Schulden- und Bankenkrise. Dabei könnte die 2013...

DWN
Deutschland
Deutschland Industrie meldet sechstes Auftragsplus in Folge, Aufträge über Vorkrisenniveau

Im Oktober sind die Industrieaufträge in Deutschland überraschend deutlich weiter gewachsen. Entscheidend war das starke Auftragswachstum...

DWN
Finanzen
Finanzen Wirecard-Skandal verändert Dax dauerhaft

Die Deutsche Börse stockt den Dax auf 40 Mitglieder auf. Das ist nur eine Folge der Wirecard-Pleite. Die Zusammensetzung des Dax soll...

DWN
Finanzen
Finanzen EU-Ombudsfrau rügt Deal zwischen BlackRock und EU-Kommission, doch ohne Konsequenzen

Die Europäische Ombudsfrau hat einen Auftrags-Deal zwischen der EU-Kommission und dem US-Finanzgiganten BlackRock wegen möglicher...

DWN
Technologie
Technologie US-Virologe Fauci kritisiert „überstürzte“ Impfstoff-Zulassung in Großbritannien

Der renommierte US-Virologe Anthony Fauci sagt, dass der in Großbritannien zugelassene Corona-Impfstoff nicht ausreichend getestet wurde.

DWN
Deutschland
Deutschland Ski-Verbot im Allgäu: 20 Bürgermeister richten Brandbrief an Merkel und Söder

In einem Brandbrief haben sich die Oberallgäuer Landrätin Indra Baier-Müller und zwanzig Bürgermeister aus dem Allgäu gegen das...

DWN
Politik
Politik Trump hält seine bisher „wichtigste Rede“, wirft politischen Gegnern schweren Wahlbetrug vor

Am Mittwochabend hat US-Präsident Donald Trump eine sehr emotionale Rede gehalten. Er beharrte auf seinem Vorwurf des Wahlbetrugs....

DWN
Technologie
Technologie Schweizer Notenbank hält digitales Zentralbankgeld für machbar

In einer Studie kommt die SNB zu dem Schluss, dass digitales Zentralbankgeld technisch und rechtlich realisierbar ist. Eine Entscheidung...

DWN
Deutschland
Deutschland Krankenkassen: Corona hat bisher keine Auswirkungen auf den Krankenstand

Die Auswertung der Krankenkassen zeigt, dass nur ein verschwindend geringer Teil der diesjährigen Fehlzeiten vom Beruf direkt auf Covid-19...

DWN
Politik
Politik Studie: China soll die Welt wegen des Corona-Virus entschädigen

Das chinesische Corona-Virus hat alleine in der G7-Staatengruppe bis zum April 2020 einen Schaden von 3,62 Billionen Euro verursacht. Nun...

DWN
Politik
Politik Mannheim führt nächtliche Ausgangssperren ein

In Mannheim wird ab morgen Abend eine achttägige nächtliche Ausgangssperre gelten.