Mann bricht in Bankfiliale zusammen – keiner hilft ihm, er stirbt

Auf dem Weg zum Geldautomaten steigen vier Menschen über einen zusammengebrochenen alten Mann oder machen einen großen Bogen um ihn. Dann verlassen sie die Bankfiliale wieder - ohne ihm zu helfen.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Die Essener Polizei ermittelt gegen vier Personen, die am 3. Oktober im Vorraum einer Bankfiliale einen zusammengebrochenen Mann ignorierten. Erst nach 20 Minuten rief ein weiterer Kunde den Rettungsdienst. Der 82 Jahre alte Mann aus Essen kam nicht mehr zu Bewusstsein und starb schließlich in der vergangenen Woche, wie die Polizei am Freitag mitteilte.

«Teilweise gingen sie nah an dem Sterbenden vorbei oder stiegen hinüber, um ihre eigenen Finanzgeschäfte durchzuführen», hieß es laut dpa. Anschließend hätten die Kunden den Vorraum wieder verlassen. Dies geht aus dem Film einer Überwachungskamera hervor, den die Polizei bei ihren Ermittlungen ausgewertet hat.

Auf den Videoaufnahmen ist laut Polizei zu sehen, wie etwa fünf Minuten nach dem Zusammenbruch die erste Person den Vorraum betritt und sich nicht um den Mann kümmert. Dieser habe mitten in dem Raum gelegen und sei gut gekleidet gewesen, sagte ein Sprecher. Die vier Kunden seien auf dem Weg zum Geldautomaten über den Mann hinübergestiegen, hätten einen großen Bogen um ihn herum gemacht oder seien auch nah an ihm vorbeigegangen. Die vier hätten nacheinander den Raum betreten, zwei Kunden hätten den Vorraum fast gleichzeitig wieder verlassen. Der vierte Kunde verließ etwa 19 Minuten nach dem Zusammenbruch die Filiale. Erst der fünfte holte Hilfe.

Der Senior hatte am Nachmittag des Feiertages an einem der Kundenterminals Überweisungen tätigen wollen. Dabei sei er in eine «medizinische Notfallsituation» geraten, die später zu seinem Tod geführt habe, erklärte die Polizei. «Er fiel zu Boden und blieb mitten in dem Vorraum der Bank liegen.» Ein von der Polizei veröffentlichtes Foto zeigt den dunkel gekleideten Mann auf der Seite liegend. Ein Schriftstück liegt auf dem Boden, halb verdeckt durch seine offene Jacke.

Polizei und Rettungsdienste bitten in der Pressemitteilung: «Schauen Sie hin! Wählen Sie 110 oder 112 und retten Sie das Leben Ihrer Mitmenschen.»

Notizblock

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung. Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung! Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***