Politik

Russland Sanktionen: Deutschland verliert 97.000 Arbeitsplätze

Lesezeit: 2 min
22.01.2017 02:13
Wegen der Russland-Sanktionen haben in der EU knapp 400.000 Menschen ihren Job verloren. Das dürfte noch nicht Ende sein, die EU hat die Sanktionen verlängert.
Russland Sanktionen: Deutschland verliert 97.000 Arbeitsplätze

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Eine neue Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) zeigt, dass die negativen Auswirkungen der durch die EU verhängten Sanktionen gegen Russland bereits im Jahr 2015 sichtbar waren.

Die Sanktionen waren ursprünglich während des Konflikts in der Ostukraine und auf der Krim-Halbinsel durch die Europäische Union, die USA und andere alliierte Staaten gegen Russland verhängt worden. Zunächst handelte es sich dabei um Maßnahmen, die gegen bestimmte Personen und Institutionen gerichtet waren. Die sogenannten „Smart Sanctions“ sollten dabei vorerst nur die Reisefreiheit beschränken oder gezielt Vermögen einfrieren. Die Situation verschärfte sich weiter, als der Flug MH17 offenbar durch eine Rakete abgeschossen wurde. 298 Menschen starben. Der Vorfall selbst ist bis heute nicht geklärt. Im Zuge dessen wurden nun härtere Sanktionen gegen Russland gefordert und im Juli 2014 eingeführt.

Als Antwort darauf erließ die russische Regierung ein Importverbot von bestimmten Lebensmitteln aus den betroffenen Ländern.

Die EU hat die Sanktionen im Dezember um weitere sechs Monate verlängert. Die USA könnten die Sanktionen in absehbarer Zeit aufheben. US-Präsident Donald Trump will mit Russland über einen Deal verhandeln, wonach die Russen bei den Atomwaffen abrüsten sollen.

Obwohl im Jahr 2014 von den Auswirkungen der Sanktionen und der russischen Gegensanktionen nur wenig zu spüren war, änderte sich dieser Sachverhalt 2015 grundlegend: Während beispielsweise Österreich Exportverluste von etwa 529 Millionen Euro zu verzeichnen hatte, weiten sich die Verluste der gesamten EU auf rund 20 Milliarden Euro jährlich aus. Dies betrifft etwa 40 Prozent des gesamten Volumens. Die Verteilung der Ausfälle betrifft dabei nicht alle exportierten Waren gleichermaßen, da die Sanktionen nur bestimmte, standardisierte Warengruppen umfassen.

Im Allgemeinen ging der Exportanteil der Eurostaaten ebenfalls zurück, was auf die sich verschlechternden Rahmenbedingungen in Russland zurückgeführt werden kann: Der rapide Verfall des Ölpreises ließ auch den russischen Rubel abstürzen, was wiederum den Export nach Russland bremste. Die eingeführten Sanktionen beschleunigten diesen Effekt des Abstiegs der wirtschaftlichen Situation Russlands folglich.

Für Deutschland konkret bedeuteten die Folgen einen Verlust von etwa 6 Milliarden Euro. Bedingt ist dieses Ergebnis ebenfalls indirekt durch die Exportausfälle des wichtigsten Handelspartners. Im Vergleich dazu mussten die EU27 (ohne Kroatien) im Jahr 2015 Exportverluste von 17,6 Milliarden Euro verzeichnen.

In Bezug auf die betroffenen Arbeitsplätze bedeutet dies für Deutschland einen Wegfall von 97.000 Arbeitsplätzen – zum Vergleich: Österreich verlor 7.000, der EU27-Raum insgesamt 397.000 Jobs.

Diese Werte beruhen auf einer Schätzung der Verfasser der Studie. Der tatsächlich beobachtete Rückgang der Exporte aus den Eurostaaten nach Russland für das Jahr 2015 betrug etwa 40 Milliarden Euro und kostete ca. 900.000 Beschäftigte ihre Arbeitsstelle – also mehr als das Doppelte.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Erstes Land der Welt führt eine Digitalwährung als legales Zahlungsmittel ein

Die Bahamas haben eine digitale Zentralbankwährung zum legalen Zahlungsmittel gemacht. Der sogenannte Sand-Dollar muss nun von allen...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Dunkle Wolken am Konjunktur-Himmel: KfW-Studie deckt verheerende Folgen des Lockdowns auf

Eine aktuelle Studie der KfW zeichnet ein düsteres Bild der Lage, in der viele kleine und mittelgroße Unternehmen in Deutschland stecken....

DWN
Politik
Politik Lagebericht Syrien: Islamisten treffen sich an türkischer Grenze und werden von US-Drohnen liquidiert

Die amerikanische Armee hat im Nordwesten Syriens zahlreiche Islamisten-Söldner mithilfe von Drohnenangriffen liquidiert.

DWN
Politik
Politik Nach Mord in Dresden: „Abschiebepflichtige Gefährder und schwere Straftäter dürfen wir nicht nach Syrien abschieben“

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius beschwichtigt in der nach dem islamistischen Mord von Dresden aufgekommenen Debatte um eine...

DWN
Finanzen
Finanzen Derivate - Finanzielle Massenvernichtungswaffe oder wichtige Stütze der Wirtschaft? Teil 2

Die Politik hat versagt: Der Spekulationskreislauf an den Märkten ist aus dem Ruder gelaufen. Die eigentlich nützlichen Derivate...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Renaissance der Kernkraft in Europa: Polen steigt in die Atomenergie ein, Deutschland mit „Energiewende“ isoliert

Während die Bundesregierung aus „klimapolitischen“ Gründen massiv in die Windkraft investiert, startet unser östlicher Nachbar eine...

DWN
Finanzen
Finanzen Serie „So werde ich zum Anleger“: Das Depot

Einsteiger verzweifeln oft, wenn sie in Fonds, ETFs oder Aktien investieren wollen. Wir erklären Ihnen Schritt für Schritt, auf welche...

DWN
Deutschland
Deutschland Neueste Zahlen zeigen extrem niedrige Sterblichkeitsrate bei Corona-Infektionen

Neueste Zahlen des Robert Koch-Instituts sowie der Weltgesundheitsorganisation zeigen eine extrem niedrige Wahrscheinlichkeit, dass...

DWN
Finanzen
Finanzen Wandel durch Corona? Deutsche investieren plötzlich stark in Aktien

In Zeiten der Corona-Krise ist die Zahl der deutschen Aktienbesitzer stark angestiegen. Ist dies lediglich eine logische Reaktion auf das...

DWN
Finanzen
Finanzen Riesenboom für Krypto-Währungen: 350 Millionen PayPal-Nutzer können jetzt mit Bitcoin bezahlen

PayPal hat offiziell bestätigt, dass es Online-Händlern und ihren Kunden ab 2021 Zahlungen mit den vier Kryptowährungen Bitcoin,...

DWN
Deutschland
Deutschland Wegen Corona: Decken und Schals gehören für Schüler bald zur Grundausstattung

Das Umweltbundesamt hat einen Leitfaden zum Lüften in Schulen vorgestellt. In der kalten Jahreszeit werden sich Deutschlands Schüler warm...

DWN
Politik
Politik EILMELDUNG: Türkisches Schiff nähert sich griechischer Insel, Athen versetzt Marine in "hohe" Alarmbereitschaft

Der Streit im östlichen Mittelmeer zwischen Griechenland und der Türkei droht zu eskalieren.

DWN
Panorama
Panorama Lücke in Corona-Verordnung: Doch keine Strafe für Union Berlin wegen Fangesängen

Die Schlachtenbummer des Berliner Bundesligisten haben während eines Testspiels klar gegen die Corona-Verordnungen verstoßen und laut...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Globale Institutionen: Es droht eine weltweite Nahrungsmittel-Knappheit

Nahrungsmittel werden immer knapper und deshalb immer teurer. Knappheits-Szenarien wurden bereits vor fünf Jahren von globalen...