Der finale Kampf um die Vorherrschaft beim Saatgut hat begonnen

 

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06.03.2017 02:34
Im Agrarchemie-Bereich bahnt sich eine massive Konsolidierung an. Es zeichnet sich ein Dreikampf zwischen Deutschland, den USA und China ab. Deutschland muss um seine Position kämpfen.
Der finale Kampf um die Vorherrschaft beim Saatgut hat begonnen

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Im globalen Markt für Agrarchemie bahnt sich eine umfassende Konsolidierung an. Insgesamt laufen in der Branche derzeit Verhandlungen zu drei großen Fusionen oder Übernahmen im Gesamtumfang von etwa 250 Milliarden Dollar, schreibt die Financial Times.

Dazu zählt die geplante Fusion der US-amerikanischen Chemieunternehmen Dow Chemical und DuPont (140 Milliarden Dollar), die geplante Übernahme des Schweizer Saatgutspezialisten Syngenta durch das chinesische Unternehmen ChemChina (43 Milliarden Dollar) sowie die Übernahme des US-amerikanischen Monsanto-Konzerns durch den deutschen Rivalen Bayer (66 Milliarden Dollar).

Seien die Verhandlungen erfolgreich, würden nur drei Konzerne 65 Prozent des weltweiten Saatgutmarktes kontrollieren, bei Pestiziden hätten vier Konzern die Kontrolle über 80 Prozent des Weltmarktes, heißt es in einem offenen Brief der Grünen an die EU-Wettbewerbskommissarin Margarethe Vestager vom Herbst. Die Kartellbehörden müssten die geplante Hochzeit der Chemie-Giganten um Bayer/Monsanto, ChemChina/Syngenta und Dupont/Dow Chemical verhindern, so die Partei.

Allerdings müssen die Aufsichtsbehörden der Fusion und den Übernahmen noch ihren Segen geben, weshalb es noch zu beträchtlichen Änderungen kommen könnte. Die Paare ChemChina/Syngenta und Dow Chemical/DuPont steuern derzeit auf eine Zulassung der europäischen Wettbewerbsbehörde und damit auf einen wichtigen Meilenstein zu, schreibt die FT. Über die Übernahme von Monsanto durch Bayer wird die EU ab dem Sommer entscheiden, amerikanische Behörden haben ihre Prüfung bereits aufgenommen. Auch die Prüfungen für ChemChina und Syngenta sowie Dow Chemical und DuPont stehen in den USA noch aus.

Sollten die Vorhaben erfolgreich sein, würde der globale Markt für Agrarchemie und Saatgut zum größten Teil von nur drei Konzernen dominiert. Obwohl es sich dabei um multinationale Gesellschaften handelt, deutet sich aufgrund der Firmensitze dann ein Dreikampf zwischen den USA, China und Deutschland an.

Für Bayer könnte die Integration von Monsanto negative Folgen haben. Das liegt zum einen an der Art der Finanzierung der Großübernahme, welche durchaus riskant ist, weil sie die Schulden des Unternehmens deutlich erhöht. Ein Bankenkonsortium bestehend aus Bank of America, Credit Suisse, Goldman Sachs, HSBC und JPMorgan soll Brückenkredite im Gesamtvolumen von 57 Milliarden Dollar bereitstellen. Die Nettoverschuldung, die Ende des ersten Quartals 2016 bei etwa 16,3 Milliarden Euro lag, wird dann wahrscheinlich auf über 70 Milliarden Dollar ansteigen. Hinzu kämen noch die offenen Pensionslasten des Konzerns von derzeit 13,3 Milliarden Euro, schrieb das Finance Magazin kürzlich. Über die Höhe der zur Finanzierung des Deals notwendigen Kapitalerhöhung besteht derzeit noch keine Klarheit. In der Vergangenheit wurde berichtet, dass diese mit bis zu 19 Milliarden Euro die größte Kapitalerhöhung eines deutschen Unternehmens überhaupt werden könnte. Auch die Tatsache, dass Monsanto zwei Milliarden Dollar bekommen soll, wenn die Kartellbehörden die nötigen Freigaben für die Übernahme nicht erteilen, ist bedenklich.

Ein großes Risiko für Bayer stellt außerdem der schlechte Ruf des Übernahmeziels Monsanto dar. Die Amerikaner sind nicht nur die Entwickler des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Auch der Umgang Monsantos mit seinen Kunden wird kritisiert. Landwirte, die gentechnisch verändertes Saatgut von Monsanto kaufen, müssen eine Vereinbarung unterzeichnen, in der sie sich verpflichten, kein Saatgut aus der Ernte für die kommende Aussaat aufzuheben und zu verwenden – anders als das über Jahrhunderte in der Landwirtschaft üblich war.

„Auch wenn Bayer-Manager mit dieser Fusion etwas unternehmen, was ökonomisch durchaus Sinn hat, so ist das Problem dabei: Ist es gesellschaftlich akzeptabel? Können die Menschen das nachvollziehen? Bayer kann das Profil von Monsanto dank seiner vielen Berater sicher gut einschätzen, aber durch den Zusammenschluss entsteht eine Faktenlage, die sich nicht einschätzen lässt. Ich halte es für ein Zeichen der Zeit, dass viele Dinge ökonomisch viel Sinn haben, aber gesellschaftlich komplett aus dem Rahmen fallen. Die Gefahr ist, dass Monsanto wegen seines schlechten Images und mangelnder Akzeptanz zu einer echten Belastung für Bayer zumindest in Europa wird“, sagt der PR-Experte Uwe Kohrs im Gespräch mit der Wirtschafts Woche.

Bayer-Chef Werner Baumann will das Geschäftsmodell Monsantos dennoch nach der Übernahme weitgehend fortführen, aber den Namen voraussichtlich aufgeben. „Monsanto hat ein völlig neues Geschäftsmodell etabliert und marktfähig gemacht“, sagte er dem Wirtschaftsmagazin. Im Prinzip arbeite der Konzern ähnlich wie die Software- oder die Musikindustrie – teuer entwickeltes Saatgut im Austausch gegen Lizenzgebühren. „Natürlich gab es Bauern, die gesagt haben, wir nutzen das Monsanto-Saatgut genauso, wie wir es schon immer gemacht haben", argumentierte er weiter: „Wenn man ein solches Verhalten als Unternehmen toleriert, entzieht man dem Geschäftsmodell die Basis. Monsanto hat nur seine Rechtsposition verteidigt.“

An der Börse scheint sich die anfangs sehr kritische Stimmung derzeit abzuschwächen, mehr Investoren rechnen inzwischen mit einem Gelingen des milliardenschweren Deals, berichtet die dpa. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass sich der Großinvestor Warren Buffett mit Monsanto-Aktien eingedeckt hatte. In die Richtung zielt auch eine Studie des US-Brokerhaus Bernstein, das die Wahrscheinlichkeit für ein Gelingen des Zusammenschlusses von 50 auf 75 Prozent anhob. Doch es bleiben Unsicherheiten. So notiert die Monsanto-Aktie derzeit bei 109 US-Dollar noch weit unter dem Bayer-Gebot von 128 Dollar – ein Zeichen, dass Börsianer noch nicht recht an das Geschäft glauben.

Ein weiteres beträchtliches Risiko stellt die protektionistische Wirtschaftspolitik der US-Regierung dar. Wegen der offenbar notwendigen Zugeständnisse an US-Präsident Donald Trump dürfte der Standort Deutschland deshalb nicht in vollem Umfang von der Übernahme profitieren. Die Vorstandschefs der Konzerne hatten nach einem Treffen mit Trump im Januar eine Job- und Investitionsoffensive versprochen. Bayer bekräftigte daraufhin in einer Mitteilung Aussagen vom September, wonach man im Falle der Übernahme mit etwa 16 Milliarden Dollar (15 Millarden Euro) an Ausgaben für Forschung und Entwicklung in den nächsten sechs Jahren plane. Mindestens die Hälfte dieser Summe solle in den USA investiert werden und dort „einige Tausend“ neue Hightech-Arbeitsplätze schaffen, berichtet die dpa. Eine von Trumps Sprecher damals genannte Zahl von 3000 Arbeitsplätzen wurde nicht bestätigt.


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