US-Präsident Donald Trump sagt Merkel-Besuch in letzter Minute ab

Trumps Anruf kam überraschend – und er hatte keine guten Nachrichten für die Kanzlerin: Schlechtes Wetter in den USA, leider müsse der Besuch verschoben werden. Minuten vor dem Abflug.

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Martin Bialecki und Kristina Dunz von der dpa berichten über eine sehr kuriose politische Absage:

Berlin-Tegel, militärischer Teil. Sieben Grad, ein herrlicher Sonnenuntergang. Für 18.30 Uhr ist der Abflug der Kanzlerin an diesem Montagabend geplant. Die Maschine steht auf dem Rollfeld. Ihr Reiseziel: Washington DC. In der US-Hauptstadt will Merkel anderntags das erste Mal mit US-Präsident Donald Trump zusammentreffen. Große Spannung begleitet diese Begegnung. Es soll anders kommen.

Um kurz vor 19.00 Uhr erscheint Merkel im hinteren Teil der Kabine bei den 20 mitreisenden Journalisten. Hat sie die Maschine zu einer Reise betreten, heißt es normalerweise „Boarding completed – Guten Abend, Frau Bundeskanzlerin“. Heute bleibt das aus: „Es gibt schlechte Nachrichten“, sagt Merkel. Sie war noch im Auto, als sie Trumps Anruf erreichte.

Merkel beschreibt das Gespräch als ein sehr freundliches, sehr nettes Telefonat. Trump habe ihr erklärt, was an der US-Ostküste erwartet wird: ein größerer Schneesturm. Die Vorhersagen für Washington sind noch nicht ganz klar, weiter oben an der Küste soll es so richtig runterkommen, für New York City ist bis zu einem halben Meter Schnee vorhergesagt. In der Hauptstadt sind es vielleicht nur ein paar Zentimeter, aber es könnte auch deutlich mehr werden.

„Snow Day“ jubeln dann zehntausende Schulkinder in Washington, denn bei starkem Schneefall wird die Hauptstadt sozusagen dichtgemacht, manchmal auch nur vorsorglich. Es wirkt immer ein wenig, als würde es das allererste Mal schneien in diesem Teil der Welt. In Deutschland ist das schwer vorstellbar, aber in Washingtons Zentrum bekämpfen neben schweren Lastern mit vorgeschnallten Schaufeln vor allem eher dünnbekleidete Arbeiter mit Plastikschaufeln die weiße Pracht.

„Snow Day“ heißt aber auch, dass die Regierung zumacht.

Alle amtlichen Stellen, Behörden und Ministerien haben an einem solchen Tag frei. Ein „Snow Day“ war am Montagmittag (Ortszeit) für den Dienstag zwar noch nicht verkündet, steht aber seit Tagen im Raum. Das würde wohl auch bedeuten, dass die Mitarbeiter des Weißen Hauses nicht zur Arbeit erscheinen müssen oder erscheinen werden – und Alleinsein im Weißen Haus, das wollte man vielleicht doch lieber vermeiden.

Merkel sagt, Trump und sie hätten dann gemeinsam entschieden, dass man das Treffen besser verschieben solle. Die Chancen, sicher auf dem Washingtoner Flughafen Dulles zu landen, hätten nur bei 50:50 gelegen.

Zeitgleich verkündet in Washington im täglichen Briefing der selbst etwas überrascht wirkende Trump-Sprecher Sean Spicer, es bleibe für den Besuch beim gleichen Ablauf – nur jetzt am 17. März, an diesem Freitag. Es dürfte nicht einfach gewesen sein, in zwei so randvollen Terminkalendern einen freien Platz zu finden. Jetzt wird es der St. Patricks-Day, der irische Nationalfeiertag.

Die Kanzlerin dürfte diese Verschiebung ungern gehört haben, so wenig man gegen schlechtes Wetter auch tun kann. Raunende Interpretationen entlang von Wetteranalogien drängen sich auf: ein Sturm gleich zu Beginn und noch vor dem allerersten Treffen, schlechtes Wetter ist ein schlechtes Omen, dunkle Wolken über den Beziehungen und vieles mehr. Dabei müssen sich auch Regierungschefs und Staatenlenker höheren Gewalten beugen. Ein Schneesturm als Grund für eine Absage dürfte dazugehören.

Die Erwartungen waren hoch gesteckt für den Besuch. Vertrauen sollte aufgebaut werden, beide Seiten bemühten sich ganz ausdrücklich um Sachlichkeit und den Blick nach vorn. Der muss jetzt noch ein wenig warten. Der Sturm in den USA soll heftig werden, soll sich aber rasch wieder verziehen. Zumindest dieser.

 

Anmerkung zu Dulles Airport: Die Flugauskunft in Dulles zeigt, dass zahlreiche Flüge gestrichen wurden, einige verspätet sind, aber auch etliche planmäßig ankommen sollen. 

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