Politik

USA und Türkei suchen nach Ausweg aus dem Syrien-Krieg

Lesezeit: 2 min
31.03.2017 01:35
US-Außenminister Tillerson hat bei seinem Türkei-Besuch versucht, die Türkei in die US-Syrien-Politik einzubinden. Das dürfte schwierig werden - auch, weil die USA keinen wirklichen Plan haben, wie sie gegen den IS vorgehen sollen.
USA und Türkei suchen nach Ausweg aus dem Syrien-Krieg

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

[vzaar id="9732748" width="600" height="338"]

US-Außenminister Rex Tillerson hat sich in Ankara mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, Premier Yildirim und dem Außenminister Mevlüt Cavusoglu getroffen. Es ist unklar, welche Positionen Tillerson in den einzelnen Punkten vertrat, die beide Länder aktuell als Konflikte vor sich herschieben.

Das Misstrauen sitzt bei beiden Staaten immer noch tief. Auf türkischer Seite tappt die Regierung immer noch im Dunklen darüber, ob die USA mit dem Putschversuch wirklich nichts zu tun haben. al-Monitor berichtet, Erdogan habe in einem sehr ungewöhnlichen Schritt sowohl den US-Botschafter Bass als auch den Sondergesandten McGurk von der Begegnung mit Tillerson ausgeschlossen. Erdogan sagte nach dem Treffen laut Sabah in einem Seitenhieb auf das Treiben der Geheimdienste, es sei wichtig, dass die "legitimen Kräfte" der beiden Staaten zusammenarbeiten.

Vor allem sind beide Regierungen nur bedingt Herr der Lage: Die US-Regierung befindet sich im erbitterten Infight mit den eigenen Geheimdiensten, die in Syrien ein Eigenleben entwickelt haben. Die türkische Regierung misstraut den USA genau aus dem Grund - weil man in Ankara noch nicht wirklich abschätzen kann, ob US-Präsident Donald Trump das Heft des Handelns bereits in der Hand hat. Das Middle East Eye zitiert Barak Barfi von der New America Foundation: "Die Türkei hat das Potenzial, ein wichtiger Verbündeter der Trump-Regierung zu werden...Wie es nämlich aussieht, hat die Trump-Administration keinen kompletten Plan gegen ISIS. Sie sind noch nicht am Ende ihrer Meinungsbildung."

Die Türkei verlangte erneut die Auslieferung des Predigers Gülen aus Pennsylvania. Cavusoglu sagte, er erwarte mehr Kooperation. Er sagte, dass sich US-Justizminister Sessions mit den von der Türkei vorgetragenen Anschuldigungen befasse. Die Türkei erwarte, wenn schon nicht gleich die Auslieferung, so doch ein Zeichen, wie etwa eine vorübergehende Festnahme von Gülen.

In der Frage der Zusammenarbeit mit der kurdischen YPG hielt sich Tillerson bedeckt und sagte, es müsste schwierige Entscheidungen getroffen werden. Die Amerikaner wollen in Syrien zunächst den völlig außer Kontrolle geratenen Söldner-Krieg beenden und zu diesem Zweck den IS in Rakka besiegen. Danach soll es eine politische Lösung geben. Über das Schicksal von Präsident Baschar al-Assad habe „langfristig das syrische Volk“ zu entscheiden. Damit schwenkt die US-Regierung offiziell auf den Kurs Russlands ein. Die Russen sagen seit ihrer Intervention, dass sie es ablehnen, wenn gewählte Regierungen von außen gestürzt werden.

Zu den inneren Angelegenheiten der Türkei äußerte sich Tillerson nicht, auch nicht zum Putsch und dessen Folgen. Er lobte die Anstrengungen der Türkei, Millionen Flüchtlinge zu versorgen. Dasselbe Lob sprach auch Bundeskanzlerin Angela Merkel der Türkei aus.

Es ist unklar, ob und wie Russen und Amerikaner in Syrien kooperieren. Einen Hinweis könnte es in der Frage der Lufthoheit geben: Die Söldner und die Neocons hatten immer eine Flugverbotszone gefordert. Tillerson sprach nun nur noch von „sicheren Räumen in Syrien für Flüchtlinge, die zurückkehren wollen“. Dies deutet darauf hin, dass die US-Regierung zumindest vorläufig die russische Lufthoheit über Syrien nicht herausfordern möchte.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Weniger Administration, mehr Weiterentwicklung: Digitale bAV-Verwaltung für mehr „Human“ im HR

Was macht einen Arbeitsplatz attraktiver als andere. Sicherlich mehr als nur das monatliche Gehalt. Langfristiges Denken kann sich für...

DWN
Finanzen
Finanzen „Größter Crash der Geschichte“: Experten empfehlen Anlegern schnell zu handeln, um Vermögenswerte zu schützen

Finanzexperten empfehlen Klein- und Großanlegern, dass sie ihre Anlagestrategien überdenken, bevor es zu spät ist. Denn auf die Welt...

DWN
Technologie
Technologie Ab dem 1. November funktioniert WhatsApp nicht mehr auf insgesamt 45 Smartphones

Ab dem 1. November 2021 wird WhatsApp auf 45 Smartphones und iPhones nicht mehr funktionieren. Hier können Sie die vollständige Liste der...

DWN
Politik
Politik Gas-Streit zwischen Russland und Moldawien eskaliert

Der russische Energiekonzern Gazprom droht der Ex-Sowjetrepublik Moldau wegen nicht bezahlter Rechnungen mit einem Zudrehen des Gashahns.

DWN
Finanzen
Finanzen Wie globale Finanzkrisen entstehen – und wie man den drohenden Crash erkennt

Finanzkrisen treten immer wieder auf. Die Börsenkurse stürzen dann innerhalb kürzester Zeit ins Bodenlose. Doch was sind die Auslöser...

DWN
Panorama
Panorama Neue Studie: Wikinger ließen sich im Jahr 1021 in Nordamerika nieder

Einer neuen Studie zufolge ließen sich die Wikinger 1021 n. Chr. in Nordamerika nieder. Es ist seit langem bekannt, dass die Europäer vor...

DWN
Technologie
Technologie E-Auto-Brandgefahr: Was ist ein Thermal Runaway?

Die Brandgefahr bei E-Autos beschäftigt Fachleute und Automobil-Clubs. Was in diesem Zusammenhang ein „Thermal Runaway“ ist und wie...

DWN
Politik
Politik Corona-Knaller in Österreich: Lockdown nur für Ungeimpfte beschlossen – wenn Intensivbetten ausgelastet sind

Die österreichische Regierung hat beschlossen, dass nur Ungeimpfte in den Lockdown müssen, wenn die Intensivbetten in den Krankenhäusern...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Rente mit 70 - sonst kollabiert unser System!

DWN-Kolumnist Ronald Barazon liefert eine umfassende Analyse unseres Wirtschafts- und Sozialsystems nach Corona.