John Cryan glücklos: US-Banken hängen Deutsche Bank ab

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
04.05.2017 02:35
Die Deutsche Bank verliert im Investmentbanking gegenüber den US-Banken an Terrain.
John Cryan glücklos: US-Banken hängen Deutsche Bank ab

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Deutsche Bank ist gegenüber wichtigen Konkurrenten aus Europa und den USA mit ihrem Investmentbanking ins Hintertreffen geraten. Zwar konnte sie im ersten Quartal des laufenden Jahres in dem Geschäftsbereich – der das das Beratungs-, Emissions- und Finanzierungsgeschäft umfasst – leichte Zuwächse vermelden. Diese waren bei anderen Banken vergleichbarer Größe jedoch deutlich umfangreicher.

Nach Herausrechnung von buchhalterischen und Sondereffekten stagnierten die Einnahmen im Bereich „Corporate and Investment Banking“ im ersten Quartal. Im Bereich Global Marktes stiegen die Einnahmen um etwa 9 Prozent. Das Wachstum der Einnahmen bei den großen amerikanischen Investmentbanken lag mit durchschnittlich 21 Prozent jedoch deutlich darüber, berichtet die Financial Times.

Im Handel ging das Vorsteuerergebnis insgesamt zurück. Einem starken Anleihehandel stand hier ein weniger starker Aktienhandel gegenüber. Die Einnahmen im Aktienhandel fielen 10 Prozent geringer als im ersten Quartal 2016 aus. Auch beim Wachstum im Anleihehandel lag die Deutsche Bank hinter den fünf größten Investmentbanken aus den USA zurück.

Der Vorstandsvorsitzende John Cryan ist sich über die Renditeschwäche im Klaren und fordert weitere Anstrengungen, um die Überschüsse auszubauen. „Unsere finanziellen Ergebnisse in den ersten drei Monaten zeigen deutlich, wie wichtig es in diesem Zusammenhang ist, noch mehr zu tun. Wir generierten Vorsteuergewinne von 878 Millionen Euro. Auch wenn das rund 50 Prozent mehr ist als im schwierigen ersten Quartal 2016 müssen wir uns für die Zukunft höhere Ziele setzen.“

Über alle Bereiche hinweg betrachtet meldete die Deutsche Bank für die ersten drei Monate des Jahres einen Netto-Gewinn von 575 Millionen Euro. Die Einnahmen im Bereich des Privatkundengeschäfts stiegen im Vergleich zum ersten Quartal 2016 um 11 Prozent, während der Vermögensverwaltung im ersten Quartal des laufenden Jahres rund 5 Milliarden Euro zuflossen.

Insgesamt betrachtet sind europäische Banken in den vergangenen Jahren gegenüber ihren Konkurrenten aus den USA aber ins Hintertreffen geraten. Beim Handel mit Anleihen und Aktien war ihr Marktanteil gegen Ende des Jahres auf den geringsten Umfang seit der Finanzkrise gefallen. Während zahlreiche europäische Banken wie die Deutsche Bank, die Credit Suisse, die UBS oder die britische Barclays Bank von Strafen oder Strafandrohungen der US-Behörden behindert wurden, konnten die Konkurrenten aus den USA von einem Anziehen der Handels-Aktivitäten profitieren.

Der härteste Konkurrent der Amerikaner war bislang die Deutsche Bank, bis diese aufgrund einer drohenden Strafe des US-amerikanischen Finanzministeriums in schweres Fahrwasser geriet. Der Aktienkurs der Bank sackte daraufhin drastisch ab. Erst nachdem Deutschlands größte Bank im Dezember einer Strafe von insgesamt über 7 Milliarden Dollar zugestimmt hatte, kehrte Ruhe ein.

Das Vorsteuerergebnis von fast 900 Millionen Euro viel nun zwar stärker als erwartet aus. Die Erträge im Konzern sind allerdings weiter rückläufig. Die Bank führt das dieses Mal maßgeblich auf Bewertungseffekte zurück. Investoren sorgen sich aber schon länger, dass die Deutsche Bank im Tagesgeschäft von der Konkurrenz abgehängt wird, weil sie sich zu lange mit sich selbst beschäftigt hat.

Um die Debatte um die Kapitalausstattung zu beenden, hatte Cryan im März zusammen mit der neuen Strategie eine acht Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung auf den Weg gebracht – und diese Anfang April erfolgreich abgeschlossen. Die Kernkapitalquote stieg daraufhin auf über 14 Prozent und damit im Vergleich zu anderen Finanzinstituten auf einen hohen Wert. Nach der Kapitalerhöhung betonte Cryan, dass der Schrumpfkurs nun vorbei sei. Jetzt gehe es darum, wieder anzugreifen und zu wachsen.

Cryan war es auch gelungen, die Kosten zu senken – zum Nachteil tausender Mitarbeiter, welche entlassen wurden. Noch im ersten Quartal 2016 betrug die Anzahl der Mitarbeiter auf der ganzen Welt etwa 101.500. Heute liegt diese Kennzahl knapp über der Marke von 98.000.

Trotz der vergleichsweise mageren Rendite haben sich die langfristigen Aussichten für die Deutsche Bank inzwischen wieder deutlich aufgehellt. „Sie hat einige wichtige Klagen und juristischen Prozesse beigelegt. Sie hat außerdem die Kosten gesenkt. Die Absenkung der Finanzierungskosten wird sich zudem positiv bemerkbar machen und die Loyalität der Kunden stärken. Analysten der HSBC schätzen, dass die Deutsche Bank rund eine Milliarde Euro an zusätzlichen Einnahmen verzeichnen wird, schlichtweg weil sich die Lage wieder beruhigt hat“, schreibt Bloomberg.

Die Deutsche Bank wollte sich auf Nachfrage der Deutschen Wirtschafts Nachrichten nicht zu dem Thema äußern.


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Die Inflation: Ein deutsches Trauma wird zum machtpolitischen Instrument der Eliten

Das Verhältnis der Deutschen zur Geldwert-Stabilität ist neurotischer Natur. Das nutzen die wirtschaftlichen und politischen Eliten zu...

DWN
Politik
Politik Brexit - wen kümmert´s? Impressionen aus einem unaufgeregten Land

DWN-Korrespondent Ronald Barazon ist nach Großbritannien gereist, sieht sich im Land um und sucht nach Vorbereitungen der Briten auf den...

DWN
Finanzen
Finanzen Geldgeber geraten in Panik: Argentinien kann und will seine Schuldzinsen nicht mehr zahlen

In Argentinien bahnt sich keine zwei Jahre nach einer Milliarden-Schuldenspritze durch den IWF die nächste Krise an. Die Regierung will...

DWN
Politik
Politik Irakischer Premier klagt an: Trumps Söldner haben unsere Polizisten ermordet

Der irakische Präsident Adel Abdul-Mahdi behauptet, US-Präsident Donald Trump habe Söldner oder US-Soldaten irakische Sicherheitskräfte...

DWN
Finanzen
Finanzen Das Sterben der internationalen Banker geht weiter

In den vergangenen Jahren sind mindestens 85 international hochrangige Banker unter seltsamen Umständen ums Leben gekommen.

DWN
Finanzen
Finanzen Das Zeitalter der entfesselten Spekulation in der Altersvorsorge hat begonnen

Weil die privaten Altersvorsorge-Systeme keine Rendite mehr erwirtschaften können, erwägt die EU eine komplette Öffnung – auch und...

DWN
Finanzen
Finanzen Der Abschwung auf dem wichtigsten Automarkt der Welt wird sich 2020 fortsetzen

China ist der wichtigste Automobilmarkt der Welt – insbesondere auch für die deutschen Hersteller. Nun kündigt der zuständige...

DWN
Finanzen
Finanzen Neue wirtschaftspolitische Agenda: Russland setzt auf Erhöhung von Sozialleistungen und Investitionen

Russlands Präsident Putin hat versprochen, im aktuellen Jahr auf eine expansive Fiskalpolitik umzusatteln. Der Lebensstandard der Russen...

DWN
Politik
Politik Spaniens linke Regierung meint es gut - doch gute Absichten allein können das Land nicht aus der Krise führen

Seit November 2019 hat Spanien endlich ein neues Parlament. Doch die Koalition zwischen Sozialisten und Linksradikalen ist fragil - und...

DWN
Finanzen
Finanzen Christine Lagarde: Eine Frau will nach oben

Über Christine Lagarde wird ausschließlich im Zusammenhang mit finanzpolitischen Themen berichtet. Die EZB-Chefin steht vor allem in...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldman Sachs beendet Zusammenarbeit mit rein „weißen und männlichen“ Vorständen

Um die Vielfalt zu fördern, will die US-Investmentbank Goldman Sachs keine Börsengänge von Unternehmen mehr begleiten, deren...

DWN
Politik
Politik „Würdiger Lebensstandard“: Asylzentren dürfen Gewalttäter nicht rausschmeißen

Einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes zufolge dürfen Asylzentren gewalttätige Bewohner nicht ausschließen.

DWN
Deutschland
Deutschland Polnische LOT rettet den bankrottreifen Ferienflieger Condor

Der finanziell angeschlagene Ferienflieger Condor hatte noch bis Ende März Zeit, einen neuen Investor zu finden - ansonsten hätte ein...

DWN
Politik
Politik Mit der Geduld am Ende: Zehntausende Griechen protestieren gegen Migrationskrise auf den Inseln

Offenbar geht den Griechen auf den von der Migrationskrise betroffenen Insel langsam die Geduld aus. Es kam erstmals zu einem koordinierten...

celtra_fin_Interscroller