John Cryan glücklos: US-Banken hängen Deutsche Bank ab

Die Deutsche Bank verliert im Investmentbanking gegenüber den US-Banken an Terrain.

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Deutsche Bank-CEO John Cryan. (Foto: dpa)

Deutsche Bank-CEO John Cryan. (Foto: dpa)

Die Deutsche Bank ist gegenüber wichtigen Konkurrenten aus Europa und den USA mit ihrem Investmentbanking ins Hintertreffen geraten. Zwar konnte sie im ersten Quartal des laufenden Jahres in dem Geschäftsbereich – der das das Beratungs-, Emissions- und Finanzierungsgeschäft umfasst – leichte Zuwächse vermelden. Diese waren bei anderen Banken vergleichbarer Größe jedoch deutlich umfangreicher.

Nach Herausrechnung von buchhalterischen und Sondereffekten stagnierten die Einnahmen im Bereich „Corporate and Investment Banking“ im ersten Quartal. Im Bereich Global Marktes stiegen die Einnahmen um etwa 9 Prozent. Das Wachstum der Einnahmen bei den großen amerikanischen Investmentbanken lag mit durchschnittlich 21 Prozent jedoch deutlich darüber, berichtet die Financial Times.

Im Handel ging das Vorsteuerergebnis insgesamt zurück. Einem starken Anleihehandel stand hier ein weniger starker Aktienhandel gegenüber. Die Einnahmen im Aktienhandel fielen 10 Prozent geringer als im ersten Quartal 2016 aus. Auch beim Wachstum im Anleihehandel lag die Deutsche Bank hinter den fünf größten Investmentbanken aus den USA zurück.

Der Vorstandsvorsitzende John Cryan ist sich über die Renditeschwäche im Klaren und fordert weitere Anstrengungen, um die Überschüsse auszubauen. „Unsere finanziellen Ergebnisse in den ersten drei Monaten zeigen deutlich, wie wichtig es in diesem Zusammenhang ist, noch mehr zu tun. Wir generierten Vorsteuergewinne von 878 Millionen Euro. Auch wenn das rund 50 Prozent mehr ist als im schwierigen ersten Quartal 2016 müssen wir uns für die Zukunft höhere Ziele setzen.“

Über alle Bereiche hinweg betrachtet meldete die Deutsche Bank für die ersten drei Monate des Jahres einen Netto-Gewinn von 575 Millionen Euro. Die Einnahmen im Bereich des Privatkundengeschäfts stiegen im Vergleich zum ersten Quartal 2016 um 11 Prozent, während der Vermögensverwaltung im ersten Quartal des laufenden Jahres rund 5 Milliarden Euro zuflossen.

Insgesamt betrachtet sind europäische Banken in den vergangenen Jahren gegenüber ihren Konkurrenten aus den USA aber ins Hintertreffen geraten. Beim Handel mit Anleihen und Aktien war ihr Marktanteil gegen Ende des Jahres auf den geringsten Umfang seit der Finanzkrise gefallen. Während zahlreiche europäische Banken wie die Deutsche Bank, die Credit Suisse, die UBS oder die britische Barclays Bank von Strafen oder Strafandrohungen der US-Behörden behindert wurden, konnten die Konkurrenten aus den USA von einem Anziehen der Handels-Aktivitäten profitieren.

Der härteste Konkurrent der Amerikaner war bislang die Deutsche Bank, bis diese aufgrund einer drohenden Strafe des US-amerikanischen Finanzministeriums in schweres Fahrwasser geriet. Der Aktienkurs der Bank sackte daraufhin drastisch ab. Erst nachdem Deutschlands größte Bank im Dezember einer Strafe von insgesamt über 7 Milliarden Dollar zugestimmt hatte, kehrte Ruhe ein.

Das Vorsteuerergebnis von fast 900 Millionen Euro viel nun zwar stärker als erwartet aus. Die Erträge im Konzern sind allerdings weiter rückläufig. Die Bank führt das dieses Mal maßgeblich auf Bewertungseffekte zurück. Investoren sorgen sich aber schon länger, dass die Deutsche Bank im Tagesgeschäft von der Konkurrenz abgehängt wird, weil sie sich zu lange mit sich selbst beschäftigt hat.

Um die Debatte um die Kapitalausstattung zu beenden, hatte Cryan im März zusammen mit der neuen Strategie eine acht Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung auf den Weg gebracht – und diese Anfang April erfolgreich abgeschlossen. Die Kernkapitalquote stieg daraufhin auf über 14 Prozent und damit im Vergleich zu anderen Finanzinstituten auf einen hohen Wert. Nach der Kapitalerhöhung betonte Cryan, dass der Schrumpfkurs nun vorbei sei. Jetzt gehe es darum, wieder anzugreifen und zu wachsen.

Cryan war es auch gelungen, die Kosten zu senken – zum Nachteil tausender Mitarbeiter, welche entlassen wurden. Noch im ersten Quartal 2016 betrug die Anzahl der Mitarbeiter auf der ganzen Welt etwa 101.500. Heute liegt diese Kennzahl knapp über der Marke von 98.000.

Trotz der vergleichsweise mageren Rendite haben sich die langfristigen Aussichten für die Deutsche Bank inzwischen wieder deutlich aufgehellt. „Sie hat einige wichtige Klagen und juristischen Prozesse beigelegt. Sie hat außerdem die Kosten gesenkt. Die Absenkung der Finanzierungskosten wird sich zudem positiv bemerkbar machen und die Loyalität der Kunden stärken. Analysten der HSBC schätzen, dass die Deutsche Bank rund eine Milliarde Euro an zusätzlichen Einnahmen verzeichnen wird, schlichtweg weil sich die Lage wieder beruhigt hat“, schreibt Bloomberg.

Die Deutsche Bank wollte sich auf Nachfrage der Deutschen Wirtschafts Nachrichten nicht zu dem Thema äußern.

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