Deutsche Bank stimmt Milliarden-Strafe in den USA zu

Die Deutsche Bank hat sich mit der US-Justiz auf eine Milliarden-Strafe geeinigt. Die Strafe ist geringer als befürchtet - ob die Deutsche Bank sie ohne Kapitalerhöhung stemmen kann ist unklar.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic
Die Fassade der Hauptniederlassung der Deutschen Bank in Frankfurt. (Foto: dpa)

Die Fassade der Hauptniederlassung der Deutschen Bank in Frankfurt. (Foto: dpa)

Mit einer Strafzahlung und Entschädigungen von insgesamt 7,2 Milliarden Dollar (6,8 Milliarden Euro) legt die Deutsche Bank in den USA einen Rechtsstreit um faule Hypothekenpapiere bei. Nach der Grundsatzeinigung mit dem US-Justizministerium muss sie mindestens 3,1 Milliarden Dollar an Strafe zahlen, wie sie in der Nacht zum Freitag einräumte. Dazu kommen finanzielle Zugeständnisse an Kunden in den USA, die sich in den nächsten fünf Jahren auf weitere 4,1 Milliarden Dollar summieren. Deutschlands größtes Geldhaus dürfte diese Summen nach Berechnungen von Analysten ohne Kapitalerhöhung stemmen können. Doch rote Zahlen sind 2016 damit wohl unausweichlich. Die US-Behörden waren mit einer Forderung von 14 Milliarden Dollar in die Verhandlungen gegangen und hatten die Anleger der Deutschen Bank damit erschreckt.

Am Markt überwog deshalb die Erleichterung. Die Deutsche-Bank-Aktie stieg um bis zu fünf Prozent. „Vorstandschef John Cryan hat mit dem Vergleich sich selbst und der Deutschen Bank ein Weihnachtsgeschenk gemacht“, erklärte LBBW-Analyst Ingo Frommen. Cryan hatte sich persönlich eingeschaltet, um das Schlimmste abzuwenden. Der deutsche Branchenprimus hatte für den Fall bereits 1,8 Milliarden Euro reserviert, 1,1 Milliarden Euro vor Steuern muss er im vierten Quartal noch zurückstellen. „Ein Riesen-Befreiungsschlag ist das nicht, aber der Vergleich reduziert die Unsicherheit“, sagte Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment der Nachrichtenagentur Reuters. Die Deutsche Bank sei härter rangenommen worden als US-Konkurrenten. „Aber letztlich ist es wohl doch ein Kompromiss, mit dem beide Seiten leben können.“ Das Bundesfinanzministerium begrüßte die Einigung, wollte sich aber zu Einzelheiten nicht äußern.

Auch die Credit Suisse hat sich auf einen Vergleich mit den US-Behörden grundsätzlich geeinigt. Die zweitgrößte Bank der Schweiz nach der UBS zahlt ein Bußgeld von knapp 2,5 Milliarden Dollar an die Staatskasse und Entschädigungen von 2,8 Milliarden Dollar an die Verbraucher. Dagegen geht die britische Barclays Bank überraschend auf Konfrontationskurs mit den USA. Das US-Justizministerium reichte am Donnerstagabend (Ortszeit) Klage gegen das Institut vor einem Bezirksgericht in New York ein. Die Bank wies die Anschuldigungen zurück. Sie hätten „nichts mit der Realität zu tun“. Die Bank werde sich vehement verteidigen. Ihr drohten ebenfalls Milliardenforderungen der Behörden. Einem Insider zufolge wollte Barclays maximal zwei Milliarden Dollar zahlen.

Beobachter hatten mit einer Einigung mit allen drei Instituten gerechnet. Nach dem Platzen der Verhandlungen mit Barclays gingen Deutsche Bank und Credit Suisse mit ihren Vergleichen in der Nacht zum Freitag an die Öffentlichkeit, um die Märkte nicht zu verunsichern. Das US-Justizministerium wollte sich bisher nicht dazu äußern. Die Verträge müssen noch ausgearbeitet werden. Die Unterschriften, die über den Jahreswechsel erwartet werden, sind aber nur noch Formsache. Die Vergleichsverhandlungen liefen seit September auf Hochtouren. Beide Seiten wollten die Angelegenheit vor dem Regierungswechsel in den USA am 20. Januar abschließen. Denn wie Präsident Donald Trump – als Immobilien-Mogul ein großer Kunde der Deutschen Bank – mit den Altlasten aus der Finanzkrise umgeht, ist ungewiss.

Der Hypothekenstreit schwebte wie ein Damoklesschwert über der Deutschen Bank. Die Aufsichtsbehörden sehen es als erwiesen an, dass das Institut vor der Finanzkrise auf dem amerikanischen Immobilienmarkt unsaubere Geschäfte machte: Es bündelte faule Hypotheken in hochkomplexe Wertpapiere, die mit dem Einbruch auf dem US-Häusermarkt 2007 auf einen Schlag wertlos wurden und bei vielen Anlegern zu hohen Verlusten führten. Während die Bank die Papiere als sicheres Investment verkaufte, wettete sie intern längst auf den großen Crash, wie 2011 aus einem vernichtenden Untersuchungsbericht des US-Senats hervorging. Die US-Behörden hatten zunächst die Geschäftspraktiken der heimischen Geldhäuser verfolgt, die bereits hohe Strafen abdrücken mussten. Nun sind die europäischen Investmentbanken an der Reihe.

Auch die Credit Suisse wird bei der Bewältigung der Strafen nach Ansicht der Analysten ohne Kapitalerhöhung auskommen, 2016 aber in die roten Zahlen rutschen. Das Institut hat nur einen Bruchteil der Vergleichssumme zur Seite gelegt. Rund zwei Milliarden Franken kostet sie die Einigung im vierten Quartal. Das Zürcher Institut hatte schon 2014 wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung von US-Kunden 2,8 Milliarden Dollar bezahlt – die bis dahin höchste Geldstrafe in der Schweizer Bankengeschichte. Die Aktie der Credit Suisse notierte ins Minus, Barclays fielen 1,5 Prozent.

Wie sich die milliardenschweren Erleichterungen für die US-Verbraucher in der Bilanzen der nächsten fünf Jahre niederschlagen, ist offen. Erfahrungen von US-Investmentbanken wie Goldman Sachs lassen freilich darauf schließen, dass nur ein kleiner Teil der Zugeständnisse wirklich die Gewinne schmälert. „Ob die Erleichterungen für Verbraucher finanzielle Auswirkungen haben, hängt von den endgültigen Bedingungen des Vergleichs ab“, erklärte die Bank.

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung: Unsere Prinzipien: Kritische Distanz zu allen und klare Worte. Das gefällt natürlich vielen nicht: Der Bundesregierung, den EU-Behörden, den Netzwerken der Parteien, den Lobbyisten, Medien unter staatlicher Aufsicht, verschiedenen Agitatoren aus dem In- und Ausland. Diese Player behindern uns nach Kräften und attackieren unser Geschäftsmodell.

Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung: Sichern Sie die Existenz der DWN!

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***

media-fastclick media-fastclick