Politik

Erstmals seit 1989: Moodys senkt Chinas Kreditwürdigkeit

Lesezeit: 1 min
24.05.2017 13:14
Moody's hat erstmals seit 1989 Chinas Kreditwürdigkeit gesenkt.
Erstmals seit 1989: Moodys senkt Chinas Kreditwürdigkeit

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Laurent Thomet von der AFP berichtet:

Steigende Schulden bei sinkendem Wirtschaftswachstum: Die Ratingagentur Moody's hat erstmals seit fast drei Jahrzehnten die Kreditwürdigkeit Chinas herabgesetzt. Das US-Unternehmen stufte die Bonität der Volksrepublik am Mittwoch von Aa3 auf A1 herab, das ist die fünftbeste Stufe. Die Aussichten dagegen wurden von negativ auf stabil geändert. China reagierte empört und sprach von einem "unangemessenen" Vorgehen.

Die Herabstufung, die erste seit 1989, spiegele die Erwartung der Ratingagentur wider, dass Chinas Finanzstärke in den kommenden Jahren "erodieren" werde, erklärte Moody's zur Begründung. Die Schulden stiegen immer weiter an, das Wachstumspotenzial nehme aber ab. China war zum Ende des vergangenen Jahres mit 260 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) verschuldet. Der Internationale Währungsfonds warnte bereits, dass eine Schuldenkrise der riesigen Volkswirtschaft "die globale Finanzstabilität gefährden" könnte.

Im vergangenen Jahr war die chinesische Wirtschaft um 6,7 Prozent gewachsen, das war der geringste BIP-Zuwachs seit 1990. Für das laufende Jahr erwartet die Regierung in Peking ein Wachstum von 6,5 Prozent, in den kommenden Jahren soll es im Durchschnitt ebenfalls so hoch sein. Moody's geht allerdings eher von fünf Prozent Wachstum in den kommenden Jahren aus und begründet das mit geringeren Investitionen, der alternden Gesellschaft und einer sinkenden Produktivität.

Die Herabstufung kommt nun zu einem Zeitpunkt, zu dem die Führung in Peking Anstrengungen unternimmt, um die unregulierte und riskante Verschuldung zu stoppen. Die Schulden hatten jahrelang die Wirtschaft der Volksrepublik angetrieben. Analysten sind aber skeptisch, ob Peking wirklich dazu bereit ist, die Verschuldung zu drosseln. Durch die Herabstufung der Bonität dürfte es nun schwieriger für den Staat werden, an günstige Kredite zu kommen.

Das Finanzministerium in Peking erklärte, Moody's habe eine "unangemessene" Methode benutzt, um die Risiken für China zu bewerten. Die Ratingagentur habe "die Schwierigkeiten, mit denen die chinesische Wirtschaft konfrontiert ist, überschätzt". Die Entwicklung der Staatsschulden werde "effektiv kontrolliert".

Nach der Herabstufung durch Moody's gingen die Börsenwerte in China zurück. Im Laufe des Handelstages erholten sie sich aber wieder und trotzten letztlich der Herabstufung: Sowohl die Börse in Hongkong als auch die Finanzplätze in Shanghai und Shenzhen schlossen am Mittwoch im Plus.

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