Kurse der Rüstungs-Industrie profitieren von Kriegen in der Welt

 

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28.05.2017 00:40
Die Kurse der Rüstungs-Industrie profitieren von Kriegen in der Welt
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Den größten Rüstungskonzernen der Welt geht es blendend. Krieg belebt das Geschäft. Frieden würde tatsächlich Geld und Arbeitsplätze kosten – besonders in diesem Sektor. Eine genauere Betrachtung der Aktienkurse lässt durchaus Rückschlüsse auf die geopolitische Lage zu.

Den Anfang macht der Konzern mit dem meisten Umsatz in der Branche: Lockheed Martin. 2015 machte das Unternehmen 40,5 Milliarden US-Dollar Umsatz und 4,7 Milliarden US-Dollar Gewinn. 2016 ist der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um fast 7 Milliarden US-Dollar gestiegen und der Gewinn um rund 700 Millionen US-Dollar. 1995 ging das Unternehmen übrigens aus der Fusion zwischen Martin Marietta und Lockheed Corp hervor.

Der Aufstieg der Aktie in der folgenden Grafik beginnt mit dem Amtsantritt Obamas. Dem folgen einige ungewisse Jahre mit einer langen Seitwärtsphase um 75 US-Dollar pro Aktie. Erst als vier Jahre später die Wiederwahl feststeht, ziehen die Kurse steil an. Was war passiert?

Im März 2013 wird die Rakete gezündet. Seit diesem Zeitpunkt schnellen die Kurse nach oben. Die Vorbereitungen auf etwa Großes laufen offenbar. Betrachtet man passend dazu den Hauptkriegsschauplatz Syrien zur selben Zeit, fällt auf, dass im März 2013 Ghassan Hitto als Premierminister gewählt wurde. Das ist kaum ein Grund, die Kriegsmaschine derart hochzufahren.

Vielleicht ist die nahe Zukunft aufschlussreicher: Im Mai besucht US-Senator John McCain die Rebellen in Syrien. Erst im Juni verkündet Obama, dass die Regierung in Syrien die rote Linie überschritten habe. Der Grund: Einsatz von chemischen Waffen.

Im August nimmt das Thema erst Fahrt auf. Es werden zehn Experten entsandt, um den möglichen Einsatz von Chemiewaffen zu untersuchen. US-Staatssekretär John Kerry verurteilt im selben Monat die damals noch nicht bewiesene Verwendung dieser Waffen. US-Verteidigungsminister Chuck Hagel sagte, falls Obama das Zeichen gäbe, seien seine Truppen einsatzbereit. Im September 2013 einigen sich dann die USA und Russland auf die Zerstörung des Giftgasmaterials in Syrien.

Spulen wir drei Jahre vorwärts. Zwischen dem 23. und 25. September 2016 wird Aleppo von 200 Luftangriffen getroffen. Ein trauriger, neuer Rekord. Und 2017 geht es ähnlich weiter. Trump lässt in Afghanistan die Mutter aller Bomben (MOAB) abwerfen und 59 Tomahawk Cruise-Missiles zerstören Ziele einer syrischen Flugbasis.

Begann die Planung bereits 2013? In kürzester Zeit verdoppelt sich danach der Kurs von Lockheed Martin. Inzwischen kostet die Aktie mehr als Dreifache des damaligen Preises. Und der Sturmlauf scheint ungebrochen. Wenn auch nicht mehr so steil, so laufen die Kurse doch extrem stabil nach oben. Warum sollte es auch anderes sein? Lockheed hat für dieses Jahr einen Umsatz von rund 50 Milliarden US-Dollar anvisiert und einen Gewinn von rund 5,7 Milliarden US-Dollar – ein profitables Geschäftsmodell.

Einer der Kassenschlager ist hierbei der F-22 Raptor Stealth Fighter. Er gilt als der beste Kampfjet der Welt. Dieser trägt auch ein entsprechendes Preisschild: 412 Millionen US-Dollar kostet das Wunder moderner Kampfkunst – pro Stück. Zur Relation: So viel Umsatz macht etwa Borussia Dortmund im Jahr.

Lockheed Martin ist allerdings kein Einzelfall. Wer einen Rüstungskonzern kennt, kennt alle. Zumindest wenn es um die Börsencharts geht. Neben Lockheed sind unter anderen noch General Dynamics und Raytheon ganz oben beim Thema Sicherheit mit dabei. Raytheon betitelt so auch seinen aktuellsten Bericht für seine Aktionäre: „Eine sichere Welt entwickeln“.

Unter dem Deckmantel der Sicherheit lassen sich prächtige Gewinne einfahren. So wurden im vergangenen Jahr bei Raytheon knapp 24 Milliarden US-Dollar Umsatz generiert – bei einem Profit von 3,2 Milliarden US-Dollar. Erwähnenswert ist in dem Zusammenhang auch, dass ihre Investments in Software um 37 Prozent gestiegen sind. Der digitale Krieg scheint sich zu lohnen.

Im Schlusswort der Begrüßung des Investmentberichts betont der Vorsitzende Thomas Kennedy, wie erfolgreich die globale Wachstumsstrategie sei. Außerdem habe sich das Raytheon Team weltweit für weiteres Wachstum gut positioniert. Das scheint sich auszuzahlen. Erst am 26. April 2017 gab das Rüstungsunternehmen bekannt, einen weiteren Auftrag der US-amerikanischen Luftwaffe in Höhe von 375 Millionen US-Dollar für die nächsten sechs Jahre erhalten zu haben. Das ist einer von vielen.

Raytheon hat aktuell übrigens 63.000 Mitarbeiter – so viel Einwohner wie Lugano in der Schweiz – und Kunden in über 80 Ländern.

Die folgende Grafik veranschaulicht, wie synchron die größten Rüstungskonzerne der Welt laufen. Hier eingezeichnet sind die Kurse ab 2010 von Lockheed Martin, Raytheon und General Dynamics.

Die Branche marschiert geschlossen in dieselbe Richtung. Wenn am Geldhahn für Krieg bzw. Sicherheit gedreht wird, profitieren diese Firmen immer. Lediglich General Dynamics hat 2015 eine kleine Verschnaufpause eingelegt. Seitdem laufen die Kurse aber wieder wie bei der Konkurrenz. Das mag auch an einer Finanzspritze aus Saudi-Arabien liegen.

Mitte April 2016 gab General Dynamics bekannt, einen Auftrag von Saudi-Arabien über 153 Panzerstrukturen der Klasse M1A1/A2 angenommen zu haben. Passend dazu gab es 6.650 Stück Munition für das 7.62mm Maschinengewehr – pro Panzer versteht sich. Letztlich flossen 1.15 Milliarden US-Dollar von Saudi-Arabien an General Dynamics. Das schafft beim Anleger auch wieder vertrauen und die Aktie klettert wieder.

Doch Obama steht nicht allein auf weiter Flur: Seit Trump hat sich das Bild in keinster Weise gewandelt. Die Kurse der Rüstungskonzerne steigen weiterhin. Ein plötzlich ausbrechender Weltfrieden scheint uns nicht bevorzustehen. Schließlich müssen die von der US-Regierung gekauften Produkte auch alle erst einmal verbraucht werden. Einziger Wermutstropfen: Die Aktien der Rüstungsunternehmen steigen momentan nicht so extrem steil wie 2013 bis 2015 an.


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