Katar-Krise kann zum Problem für Russland und Großbritannien werden

Mögliche internationale Sanktionen gegen Katar gefährden die Geschäftsbeziehungen des Emirats mit Russland und Großbritannien. Betroffen sind Direktinvestitionen und die Energieversorgung.

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Russlands Präsident Wladimir Putin mit Emir Sheikh Tamim bin Hamad Al-Thani in Moskau im Januar 2016. (Foto: dpa)

Russlands Präsident Wladimir Putin mit Emir Sheikh Tamim bin Hamad Al-Thani in Moskau im Januar 2016. (Foto: dpa)

Der Konflikt der Golfstaaten mit Katar könnte zum Problem für Russland und Großbritannien werden.

Iran und Katar fördern Gas aus ein und demselben Gasfeld im Persischen Golf und wollen Gas nach Europa transportieren. Das betroffene South Pars/North Dome-Gasfeld ist das weltgrößte Gasfeld. Zweidrittel des Gasfelds gehört Katar und ein Drittel dem Iran, berichtet Journal of Petroleum Science and Engineering. Nach Angaben von Offshore Technology befinden sich dort 30 Prozent der weltweiten Gas-Reserven. Naturalgaseurope berichtet, dass der Iran über 18,2 Prozent und Katar 13,1 Prozent der weltweiten Gasreserven verfügen.

Oilprice.com weist in einer aktuellen Analyse auf die energiepolitischen Verbindungen zwischen dem Iran und Katar hin: „Von allen Golfstaaten hat Katar vielleicht die engste Beziehung zum Iran, einem Land, das Saudi-Arabien als seinen wichtigsten regionalen Antagonisten betrachtet und den der Großteil der Golf-Staaten als eine Bedrohung für die regionale Sicherheit einstuft. Katar und Iran kooperieren beim Teil des massiven South Pars/North Dome-Gasfelds, aus dem Katar den größten Teil seiner Erdgasexporte und damit seinen immensen Reichtum zieht.“

CNN berichtet ebenfalls, dass Katar und der Iran enge Beziehungen hätten, die jedoch über die Gas-Kooperation hinausgehen würden. Nach den jüngsten Berichten vom Golf gehe das Verhältnis über das Ressourcen-Management hinaus, weil sich kürzlich hochrangige katarische Beamte mit dem Chef der iranischen Revolutionsgarde (PASDARAN) getroffen hätten, so der Vorwurf des US-Senders.

Germany Trade & Invest (GTAI) berichtet, dass Katar der größte Exporteur von Flüssiggas (LNG) weltweit ist.  Die Wirtschaft ist in hohem Maße vom LNG-Export abhängig. Öl wird nur in geringem Umfang exportiert. Zusammen haben Öl und Gas einen Anteil am realen BIP von etwa der Hälfte (2015: 51Prozent ; 2014: 52 Prozent).

Die britische Regierung ist darüber besorgt, dass es angesichts des Konflikts zwischen Saudi-Arabien und Katar zu LNG-Lieferungsstopps von Katar nach Großbritannien kommen könnte. Im Jahr 2015 deckte Großbritannien etwa ein Drittel seiner Gasnachfrage aus Katar. Das geht nach Angaben von The Telegraph aus den aktuellsten verfügbaren Daten hervor. Etwa 30 Prozent des weltweiten LNG-Angebots stellte im Jahr 2016 das Emirat Katar.

Im September 2016 hatte die in Großbritannien ansässige Centrica einen fünfjährigen Liefervertrag mit Qatargas unterzeichnet, um ab Januar 2019 bis zu zwei Millionen Tonnen pro Jahr (mta) an LNG-Gas zu erhalten. „Wir freuen uns, unsere enge Beziehung zu Centrica und Großbritannien zu erweitern. Diese Vereinbarung unterstreicht Qatargas Ruf als sicherer und zuverlässiger Lieferant von LNG-Gas. Darüber hinaus hat diese Vereinbarung das Potenzial, in den kommenden Jahren positiv zur Energiesicherheit Großbritanniens beizutragen“, zitiert LNG World Shipping den Qatargas-Chef Saad Sherida al-Kaabi.

Die britische Premierministerin Theresa May hatte sich mit ihrem katarischen Amtskollegen Sheikh Abdullah bin Nasser bin Khalifa Al Thani im März 2017 darauf geeinigt, dass das Emirat nach dem Brexit über etwa 6,5 Milliarden Dollar an Investitionen in Großbritannien tätigen werde. „Unsere Investitionen in Großbritannien werden sich auf den Energiesektor, die Infrastruktur, in den Immobiliensektor und weitere Bereiche fokussieren“, zitiert der Guardian Al Thani.

Der energiepolitische Bereich von LNG-Gas spielt auch bei den Beziehungen zwischen Katar und Russland eine wichtige Rolle.

Der russische Energieminister Alexander Nowak sagte Ende April 2017, dass Russland und Katar gemeinsame Joint Ventures im Wert von 12 Milliarden Dollar planen. „Die Kooperation zwischen dem russischen Direktfonds und der Investitionsbehörde Katars wächst. Schon 1,2 Milliarden Dollar wurden in spezifische Projekte gesteckt. Wir hatten im vergangenen Jahr eine doppelte Zunahme. Wenn wir diese Geschwindigkeit beibehalten, werden wir in etwa drei Jahren 500 Millionen Dollar erreichen“, zitiert die Tass Nowak.

Die geplanten Kooperationen umfassen unter anderem die gemeinsame Produktion von Service-Ausrüstungen für die Förderung von Öl. Nailja Tschernikowa, stellvertretende Abteilungsleiterin beim russischen Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung, sagte dass bereits vier russische Ölfelddienstleister Interesse an einer Zusammenarbeit mit Katar gezeigt hätten.

Dazu zählen Rosgeo, Stroineftegaz, die Erial-Gruppe und Rosgeoservice, die an gemeinsamen Bohrungsprojekten teilnehmen wollen, so Tschernikowa.

Bei der bisher größten Privatisierung in Russland hatte Moskau überraschend knapp ein Fünftel der Anteil am Ölriesen Rosneft an den Schweizer Rohstoffkonzern Glencore und das Emirat Katar verkauft. Die Investoren zahlten im vergangenen Jahr für 19,5 Prozent der Papiere rund 10,5 Milliarden Euro.

Trotz der Kooperationen zwischen Katar und Russland gelten beide Länder auf dem LNG-Gasmarkt als Kontrahenten. Katar stellt mit seinen LNG-Gaslieferungen nach einem Bericht von Al-Monitor eine Gefahr für die Monopolstellung Russlands auf dem weltweiten Gasmarkt dar. Obwohl der weltweite Gasmarkt nur zu 20 Prozent von LNG-Lieferungen abhänge, kann der LNG-Anteil dennoch einen erheblichen Einfluss auf die Preisgestaltung und andere Vertragsbedingungen haben, wie es in Europa der Fall sei, so Al-Monitor.

Insbesondere im Kampf um den europäischen Gasmarkt sind Doha und Moskau Konkurrenten. Nach Wunsch der Russen soll eine Gas-Pipeline vom Iran durch den Irak nach Syrien verlaufen („Islamic Pipeline“), um dann über das Mittelmeer Europa zu versorgen. Diese Pipeline würde unter der Kontrolle Moskaus stehen. Russland würde mit der Verwirklichung dieses Projekts die Möglichkeit erhalten, alle Gasexporte nach Europa aus dem Iran, dem Kaspischen Meer und auch Zentralasien zu kontrollieren, berichtet Foreign Affairs. Nach Wunsch der ehemaligen Obama-Regierung sollte eine Gaspipeline von Katar, über Saudi-Arabien, Jordanien, Syrien bis in die Türkei verlaufen, um von da aus Europa mit Gas zu versorgen. Dieses Projekt droht der Abbruch, wenn der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Katar eskalieren sollte.

Im aktuellen Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Katar hat der neue US-Präsident Donald Trump bereits Partei für Saudi-Arabien und gegen Katar ergriffen. „Gut zu sehen, dass der Saudi-Arabien-Besuch beim König und bei weiteren 50 Ländern sich bereits auszahlt. Sie sagten, dass sie gegen die Bekämpfung der Finanzierung des Extremismus eine harte Linie einnehmen würden und alles deutete auf Katar hin. Vielleicht ist dies der Anfang vom Ende des Schreckens des Terrorismus!“, schrieb Trump am 6. Juni 2017 auf Twitter.

Mit diesem Bekenntnis bringt Trump die Stellung von Katar auf dem weltweiten LNG-Gasmarkt in Gefahr. Wer als „Terrorstaat“ eingestuft wird, müsste früher oder später mit Wirtschaftssanktionen belegt werden. Mitte Mai 2017 hatte der Vorsitzende des Komitees für Auswärtige Angelegenheiten des US-Senats, Ed Royce, offen Sanktionen gegen Katar gefordert. Er wirft dem Emirat ebenfalls Unterstützung und Finanzierung von Terrororganisationen vor, berichtet Gulf News.

Die Financial Times berichtet, dass Katar vor einiger Zeit ein Milliarden-Lösegeld an vom Iran und von al-Kaida unterstützte Söldner gezahlt haben soll. Mitglieder der Familie des Emirs waren bei einem Jagdausflug im Irak von den Söldnern als Geiseln genommen worden. Im April hatte der Irak mehrere Koffer mit Bargeld aus Doha abgefangen. Es ist unklar, ob das Geld Teil des Lösegelds war. Die FT schreibt, dass die Zahlung formal als Terror-Finanzierung eingestuft werden könnte.

 

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