Finanz-Krise: Katar gehen die Dollar-Reserven aus

In Katar gehen die Reserven an US-Dollar zur Neige. Die Regierung kauft trotzdem US-Kampfjets für 12 Milliarden Dollar.

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Ein Dollar-Schein. Die Reserven an US-Dollar schwinden in Katar schnell. (Foto: dpa)

Ein Dollar-Schein. (Foto: dpa)

Um ihre Dollar-Reserven zu erhöhen, bieten katarische Banken den regionalen Banken einen Effektivzinssatz von 100 Basispunkten über den LIBOR an. Das sind 80 Basispunkte mehr als zu Beginn der Katar-Krise. Ein ähnliches Bild lässt sich auf dem 3-Monats-QIBOR – Qatar Interbank Rate – beobachten, der ab Dienstag auf 2,3 Prozent gestiegen ist berichtet Bloomberg.

Nach Angaben der Notenbank in Doha hielten katarische Banken Ende April 2017 21,4 Prozent ihrer Kundeneinlagen in Fremdwährungen. Einlagen von Personen und Organisationen mit Sitz im Ausland machten 24 Prozent der gesamten Einlagen von 781 Milliarden Katar-Riyal (213 Milliarden Dollar) aus. Nach einer anderen Schätzung von SICO Bahrain, verfügen katarische Banken etwa 60 Milliarden Katar-Riyal (16,5 Milliarden Dollar) in der Finanzierung in Form von Kunden-und Interbank-Einlagen aus anderen Golfstaaten. Die meisten davon könnten schließlich zurückgezogen werden, wenn die Krise weitergeht. Aufgrund der Gefahr einer monetären Blockade bei einer weiteren Eskalation des Katar-Konflikts könnten regionale Banken ihre Beteiligungen in Katar auch zurückziehen.

Trotz der misslichen Lage für viele Kataris kauft die Regierung von den USA F-15-Kampfflugzeuge zum Preis von zwölf Milliarden Dollar. Das Land habe einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet, teilte das katarische Verteidigungsministerium am Mittwoch mit. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge handelt es sich um insgesamt 36 Maschinen. Hersteller Boeing lehnte eine Stellungnahme ab. Das Geschäft kommt ungeachtet der jüngsten Spannungen zwischen Katar und den USA zustande.

Jason Tuvey von Capital Economics hält es für unwahrscheinlich, dass die Banken in die Krise gezogen werden könnten. Allerdings könnten sie ihre Bilanzen verkürzen und die Kreditbedingungen verschärfen. Die Notenbank in Doha hat gemeldet, dass das Bankensystem von Katar ohne Unterbrechung funktioniert, obwohl die Marktindikatoren darauf hindeuten, dass es einen hohen Liquiditätsdruck gibt. Die katarische Notenbank ist der größte Gläubiger im Nahen Osten. Auf Pro-Kopf-Basis ist Katar das reichste Land der Welt.

Finanzminister Ali Shareef Al Emadi ist der Ansicht, dass das Land längere finanzielle Belastungen durchstehen könne. Doch Anleger haben bereits damit begonnen, katarische Assets zu verkaufen und gegen den Katar-Riyal zu spekulieren. Unklar bleibt, wie lange Katar die Krise noch durchstehen kann, ohne den Katar-Riyal abzuwerten und gleichzeitig globale Beteiligungen zu verkaufen. Beispielsweise hält Katar an Volkswagen einen 17-prozentigen Anteil im Wert von elf Milliarden Dollar. Weitere Anteile hält das Emirat auch an Barclays, an der Deutschen Bank, an Glencore oder an der Agricultural Bank of China. Katar ist einer der Top-Investoren in Europa.

Trotz des Anstiegs der Interbank-Zinsen ist die Ratingagentur S&P zuversichtlich, dass Katar robust genug sei, um einen Abfluss des gesamten Kapitals der Golf-Staaten durchzustehen. Im Rahmen von zwei durchgespielten Szenarien stellte S&P fest, dass Katar auch einen zusätzlichen Kapitalabfluss von ein Viertel des weiteren ausländischen Kapitals durchstehen würde. Das hat die Ratingagentur nicht davon abgehalten, in der vergangenen Woche die langfristige Kreditwürdigkeit von Katar auf AA- zu reduzieren.

Nach Angaben des englischsprachigen Diensts von Reuters gingen am vergangenen Sonntag die Dollar-Reserven an den Wechselstuben in Katar zur Neige. Insbesondere Gastarbeiter waren davon betroffen, weil sie nicht imstande waren, Geld in ihre Heimatländer zu schicken. „Wir haben keine Dollars, weil es keine Sendungen oder Transport von den Vereinigten Arabischen Emiraten gibt. Der Versand wurde von den Vereinigten Arabischen Emiraten gesperrt. Wir haben keinen Vorrat“, so ein Händler im Qatar-UAE Exchange House in Dohas City Center Mall.

Der philippinische Gastarbeiter John Vincent sagt, dass seine Frau von ihm gefordert habe, schnell Geld zu überweisen. „Ich schickte 2.000 Riyals (550 Dollar) nach Hause, aber ich habe noch mehr Einsparungen hier in Katar. Ich werde sehen, was die Situation in den kommenden Tagen bringen wird, bevor ich entscheide, was zu tun ist“, so Vincent.

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