Abschaffung von Bargeld trifft Arme stärker als Reiche

Die Abschaffung von Bargeld würden vor allem auf die Armen in der Welt negativ zu spüren bekommen.

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Die weitgehende Abschaffung von Münzen und Scheinen würden vor allem die Armen in der Welt negativ zu spüren bekommen, berichtet Bloomberg. Profitieren dürften dagegen nur wenig Unternehmen und Individuen.

Zu den Gewinnern einer vollständigen Abschaffung des Bargelds würden Bloomberg zufolge die Besitzer und Aktionäre bestimmter Unternehmen und Institutionen gehören. Dazu zählt das Wirtschaftsmagazin auch Regierungen, weil diese jede finanzielle Transaktion überwachen und gegebenenfalls besteuern können.

Zu den Profiteuren würden auch Zentralbanken gehören, weil die allumfassende Kontrolle und Auswertung von Finanzströmen die Effizienz geldpolitischer Maßnahmen beträchtlich erhöht.

Gewinner wären auch Unternehmen, die keine Gebühren mehr für die Lagerung und den Transport von Bargeld bezahlen müssten und für die es keine Engpässe bei der Zahlungsabwicklung mehr gäbe.

Die Anbieter digitaler Bezahlmethoden und Kreditkartenfirmen wären ebenfalls positiv von der Abschaffung von Bargeld betroffen, weil sich die Nachfrage nach ihren Produkten immens erhöhen würde. Der Kreditkarten-Konzern Visa betreibt beispielsweise aktiv die Zurückdrängung von Bargeld und scheut dabei auch nicht vor ausgefallenen Aktionen zurück – etwa der Bezahlung von Restaurants, damit diese kein Bargeld mehr annehmen.

Zu den Verlierern der Bargeldabschaffung gehören insbesondere die Ärmsten in der Gesellschaft, schreibt Bloomberg. Weil sie gerade in armen und Entwicklungsländern oft nur kleine Ausgaben tätigen, würden sich für sie digitale Konten – deren Nutzung Gebühren erfordert – finanziell nicht lohnen.

„In Indien bleiben Millionen der neu eröffneten Konten nach der weitgehenden Bargeld-Abschaffung vom November 2016 inaktiv, weil die Banken Wege gefunden haben, kostenlose Transaktionen zu verhindern und den Armen Gebühren für die Nutzung abzuknöpfen. Selbst in den USA wird Bargeld weiterhin in über 60 Prozent der Fälle zur Begleichung von Rechnungen unter 10 Dollar verwendet, wie die Zentralbank berichtet“, schreibt Bloomberg.

Nachdem es im Zuge der Bargeld-Abschaffung zu schweren Verwerfungen in der indischen Wirtschaft kam, begann die Regierung zurück zu rudern. Sie spricht nun offiziell nicht mehr vom Ziel einer „bargeldlosen Gesellschaft“ sondern von einer „Gesellschaft, die weniger Bargeld verwendet.“ Steve Forbes, der Herausgeber des Forbes-Magazins, nannte die Bargeld-Reform in Indien „massiven Diebstahl der Menschen“ und „atemberaubend hinsichtlich seiner Immoralität.“

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