Barcelona: Lastwagen rast in Menschenmenge, mindestens 13 Tote

Ein Mann hat mit einem Lastwagen auf der Flaniermeile Las Ramblas mindestens 13 Menschen getötet. Hundert Menschen wurden teilweise schwer verletzt. Die Polizei spricht von Terror.

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Bei einem Anschlag mit einem Lastwagen sind auf Barcelonas Flaniermeile Las Ramblas mindestens 13 Menschen getötet worden. Mehr als 100 Menschen wurden verletzt, darunter auch 13 Deutsche. Ein Verdächtiger wurde nach Polizeiangaben noch am Abend verhaftet. Laut einer Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin gibt es noch keine Erkenntnisse dazu, ob Deutsche unter den Opfern sind.

Ein Video einer Überwachungskamera, das von El Pais veröffentlicht wurde, zeigt, wie der Lastwagen in die Straße rast (Video am Anfang des Artikels).

Die Behörden bezeichneten den Anschlag als Terroranschlag. Demnach war ein Lieferwagen im Zentrum der Stadt bewusst in eine Menschenmenge gesteuert worden. Innenminister Forn sagte, zu dem Anschlag habe sich zunächst niemand bekannt.

Bereits kurze Zeit nach dem Anschlag hatte die US-Aktivistin Rita Katz auf Twitter geschrieben:

Der Telegraph berichtet, dass die CIA die spanischen Behörden vor zwei Monaten gewarnt habe, dass Las Rambles eines der Ziele von Terroristen sei:

Katz betreibt die Website SITE, die bei vielen Terror-Anschlägen als erste eine Urheberschaft des IS gemeldet hatte. Woher Katz ihre Informationen bezieht, ist unbekannt. Die dpa bezeichnet die Website als die „auf dschihadistische Propaganda spezialisierte Site Intelligence Group“. Am späteren Abend gab Katz auf SITE an, das die „IS-Agentur Amaq“ berichtet haben soll, der IS habe sich zu dem Anschlag bekannt. Er sei von einem „IS-Soldaten“ verübt worden. Außerdem berichtet SITE, dass „IS-Gruppen“ darüber diskutieren, weitere Anschläge „im Westen“ auszuführen.

Ministerpräsident Mariano Rajoy bezeichnete den Anschlag als Resultat eines „dschihadistischen Terrorismus“. Dies erfordere eine globale Antwort. „Das ist eine globale Bedrohung und die Antwort muss global sein.“

Nach Auskunft eines Polizeivertreters wurde in Barcelona ein Mann von der Polizei erschossen, der sich einer Polizeikontrolle entzog. Es deute aber nichts darauf hin, dass der Getötete mit dem Anschlag in Verbindung stehe. Es gebe allerdings wohl eine Verbindung des Attentats mit einer Explosion in einem Haus in der katalonischen Stadt Alcanar am frühen Donnerstagmorgen. Dabei sei eine Person getötet und eine andere verletzt worden.

Nach den Worten eines Polizeivertreters gibt es keine Hinweise darauf, dass ein weiterer Anschlag droht.

Zwei Personen wurden festgenommen. Nach Auskunft eines Polizeivertreters handelt es sich bei keiner der beiden festgenommen Personen um den Fahrer des Kleintransporters. Einer der beiden Männer sei Marokkaner, der andere stamme aus der spanischen Exklave Melilla.

Fotos aus Barcelona zeigten Leichen am Straßenrand. Augenzeugen berichteten, das Fahrzeug sei mit hohem Tempo auf die Promenade im Zentrum der Stadt gefahren. Ein Tourist sagte, das Fahrzeug sei Zickzack gefahren, „um ein Maximum an Fußgängern zu erwischen“. Berichten zufolge liefen Menschen panisch über die Straßen.

Viele Menschen hätten geschrien und sich in Hauseingängen wie Geschäften in Sicherheit gebracht, berichteten Augenzeugen. Ein deutscher Tourist sagte der dpa, es sei wie in einer „Kriegszone“ gewesen. „Polizisten mit Maschinengewehren und Gewehren im Anschlag kamen in der Straße auf mich zugerannt.“ Der Verkehr im Zentrum der Stadt sei zusammengebrochen. Die Geschäfte auf der Flaniermeile hätten geschlossen und ihre Fensterläden heruntergelassen.

Augenzeugen sprachen im staatlichen spanischen Fernsehen von einem Einzeltäter, der Anfang 20 gewesen sein soll. Der weiße Lastwagen sei ungebremst mit etwa 80 Stundenkilometern in die Menge gerast. Der Fahrer des Lieferwagens soll ein Mann von etwa 1,70 Meter Größe gewesen sein und ein weißes Hemd mit blauen Streifen getragen haben, wie die Zeitung El Periódico de Catalunya berichtete. Ob es sich bei dem von der Polizei festgenommenen Mann um den Fahrer des Lieferwagens gehandelt habe, blieb zunächst offen.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort und forderte die Bevölkerung auf, die Region zu meiden. Die betroffene Gegend wurde weiträumig abgesperrt. Zahlreiche Krankenwagen waren im Einsatz. Naheliegende U-Bahn-Stationen und andere öffentliche Verkehrsmittel seien geschlossen worden, hieß es.

Das Auswärtige Amt aktualisierte seine Sicherheitshinweise für Spanien: „Reisenden wird geraten, den Bereich weiträumig zu meiden, den Anweisungen der Sicherheitskräfte Folge zu leisten und sich über die lokalen Medien zu informieren“.

Der bisher blutigste Terroranschlag in Spanien ereignete sich am 11. März 2004. Damals hatten islamistische Attentäter in Madrid Bomben in Pendlerzügen gezündet und 191 Menschen getötet. Rund 1500 weitere wurden verletzt.