„In vielen Fällen vernichten die Banken Wohlstand statt ihn zu schaffen“

In ihrem Film „The Spider´s Web“ beleuchten die Banken-Kritiker Michael Oswald und John Christensen die Rolle der City als Spinne im Netz der Weltfinanz und ihren Einfluss auf die Politik in der ganzen Welt.

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Deutsche Wirtschafts Nachrichten: In Ihrem Dokumentarfilm „The Spider´s Web“ geht es um die City of London. Warum haben Sie dieses Thema gewählt und worauf spielt der Titel an?

Michael Oswald: Die Idee kam mir, als ich das Buch „Treasure Islands“ von Nicholas Shaxon las. Shaxon schreibt, dass die Stellung Londons als Weltfinanzzentrum ein Erbe des Britischen Weltreiches ist. Das hat mich interessiert: Was hat sich, was die Finanzen anbelangt, seitdem verändert? Wie funktioniert die City of London heute?

Der Titel „The Spider´s Web“ stammt ebenfalls von Nicholas Shaxson. Er bezieht sich damit auf die City of London, die spinnengleich mitten im Geflecht der Weltfinanz sitzt. Sie ist die Drehscheibe für viele kleine Finanzzentren auf der ganzen Welt.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Welche filmischen Mittel haben Sie genutzt, um sich mit dem – für viele langweiligen – Thema Geld und Finanzen auseinanderzusetzen?

Michael Oswald: Wir haben mit einer BMPC Kamera gedreht. Wir hatten keinen privilegierten Zugang zu bestimmten Orten oder Veranstaltungen, aber über die Jahre doch Gelegenheit, das eine oder andere Ereignis in London und der City aufzuzeichnen. Ziel war es, einen roten Faden zu finden, sodass die Zuschauer der Erzählung folgen und Anteil nehmen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Welche Quellen haben Sie für Ihren Film verwendet?

Michael Oswald: Neben „Treasure Islands“ von Nicholas Shaxon habe ich auch „British Imperialism“ von Cain und Hopkins und „The Great Tax Robbery“ des ehemaligen Steuerprüfers Richard Brooks gelesen. Dann stieß ich im Internet auf einen Vortrag, den John Christensen an der London School of Economics gehalten hatte. Der passte zu dem, was mir für „The Spider´s Web“ vorschwebte. Also kontaktierte ich John und fragte ihn, ob er an dem Film mitarbeiten würde.

John Christensen: Ich beschäftige mich mit dem Thema seit 1978. Fast vierzehn Jahre habe ich auf der Britischen Kanalinsel Jersey, einem finanziellen Offshore-Zentrum, gearbeitet. In der Materie kenne ich mich also gut aus. Während meiner Recherchen habe ich mit zahlreichen hochrangigen Beamten und Politikern auf der ganzen Welt gesprochen. Sie alle sind der Ansicht, dass London bei der Schaffung des Euromarktes und von Steueroasen eine zentrale Rolle gespielt hat. Die nachfolgenden britischen Regierungen haben dann seit den 50er Jahren die Rolle der City of London als Steueroase weiter gestärkt. Ihr fiel eine Schlüsselrolle in den Planungen zur weiteren wirtschaftlichen Entwicklung zu.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sind Sie während der Dreharbeiten auf Widerstände gestoßen?

Michael Oswald: Nein. Allerdings haben wir auch niemanden aus der City um seine Einschätzung gebeten. Andere Filmemacher haben die Erfahrung gemacht, dass die Türen in der City of London schnell zugehen, sobald man deren Rolle kritisch hinterfragen will.

John Christensen: Einen Film über dieses Thema zu machen, kann durchaus eine frustrierende Erfahrung sein. In vertraulichen Gesprächen geben viele, die im internationalen Finanzsektor tätig sind, durchaus zu, dass Steueroasen einen gewaltigen Schaden anrichten. Aber sie haben nicht den Mut, das vor einer Kamera zu wiederholen. In London heißt es: „Wer etwas weiß, sagt nichts. Und wer etwas sagt, weiß nichts.“ Leute wie ich, die aus eigener Erfahrung berichten, gelten als Verräter!

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: In Ihrer Dokumentation kommen Sie immer wieder auf das Britische Weltreich zu sprechen, das wohl in Form der City of London nach wie vor besteht. Können Sie uns das näher erläutern?

Michael Oswald: Schon das Britische Weltreich hatte eine Wirtschaftsstruktur, die weniger auf die industrielle Fertigung als vielmehr auf den Finanzsektor ausgerichtet war. Die Banken der City of London versorgten das gesamte Imperium mit Krediten und die Kolonien zahlten die Zinsen an die City zurück. Zu diesem Zweck wurden Handelsverträge geschlossen, die es den Kolonien gestatteten, eine gewisse Menge an Gütern nach Großbritannien zu exportieren und damit ihre Zinsen abzustottern. So erlangte der Finanzsektor in Großbritannien eine Wichtigkeit, die er in anderen Ländern nicht hatte.

Als dann das Britische Weltreich an Bedeutung verlor, wurden auch die Möglichkeiten der Institute der City of London beschränkt, Profite zu machen. Sie brauchten also ein neues Geschäftsmodell. Hierfür griffen sie auf die Expertise zurück, die sie sich in den Zeiten des Imperiums angeeignet hatten, und nutzten dessen territoriale Überbleibsel, um neue Netzwerke zu etablieren und über diese vom internationalen Finanzsystem zu profitieren.

Und das ist ihnen gelungen. Den Verfall des Empires haben sie – anders als vielleicht zu erwarten gewesen wäre – bestens weggesteckt. Die City ist, auch dank des Bankgeheimnisses, ist nach wie vor das wichtigste Finanzzentrum der Welt.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Bei uns heißt es: „Amerikanische Muskeln, aber britisches Köpfchen.“ Hält das britische Establishment noch immer wichtige Fäden in der Hand, um auf das Weltgeschehen Einfluss zu nehmen?

Michael Oswald: Dank ihrer der Geheimhaltung unterliegenden Steuergebiete dürfte die Möglichkeit dazu gegeben sein.

John Christensen: Auf alle Fälle. Großbritannien hat sich immer gegen eine weltweit anerkannte Einrichtung gestemmt, deren Ziel die Ausarbeitung von Normen zwecks einer internationalen Zusammenarbeit in Steuerfragen sein sollte. Großbritannien hat auch dem internationalen Druck erfolgreich standgehalten, gegen die Steuerparadiese auf den Kanalinseln, den Cayman-Inseln, den Britischen Jungferninseln und andere ihrer Schutzgebiete vorzugehen.

Ich habe britische Beamte erlebt, die jeden Versuch blockiert haben, in Steuerfragen international zusammenzuarbeiten, indem sie jedwede Diskussion über Offshore-Treuhandgesellschaften von der Agenda strichen. Noch im Jahr 2015 hat Premierminister David Cameron durchgesetzt, dass Treuhandgesellschaften vom Informationsaustausch ausgespart bleiben. Das ist ein entscheidender Punkt, da die Offshore-Treuhandgesellschaften für die britischen Steueroasen unerlässlich sind. Zudem hat Großbritannien über all die Jahre jeden Fortschritt bei den Bemühungen der EU, eine gemeinsame Linie bei der Besteuerung multinationaler Konzerne zu finden – die Common Consolidated Corporate Tax Base – verhindert.

Nach dem Brexit dürfte es den 27 EU-Staaten leichter fallen, gegen Steuerparadiese vorzugehen. Das erklärt, warum Beamte aus Guernsey und Jersey einem Rückzug Großbritanniens vom Brüsseler Verhandlungstisch mit Unbehagen entgegensehen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Läuft London als globales Finanzzentrum New York den Rang ab?

John Christensen: Gemessen an den Marktanteilen an Offshore-Finanzdienstleistungen nimmt London den ersten Platz ein, besonders dann, wenn man seine Offshore-Satelliten – also das gesamte Spinnennetz – in diese Rechnung mit einbezieht.

Die USA treffen aber offensichtlich Anstalten, ihre Rolle als weltweit größtes Steuerparadies zurückzuerobern. Das wird unter anderem daran deutlich, dass sie den neuen Common Reporting Standard – dabei geht es um einen automatischen Informationsaustausch – der OECD nicht unterschreiben wollen. Auch weigern sie sich, öffentlich einsehbare Listen anzulegen, über welche die wahren Eigentümer von Firmen, die in Staaten wie Wyoming, Nevada, Florida oder Delaware registriert sind, recherchiert werden könnten.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wie wichtig ist die City für die britische Wirtschaft heute?

John Christensen: Die britische Wirtschaft hängt stark vom Dienstleistungssektor ab. Der wiederum wird von den Finanzdienstleistungen dominiert. Sollte denen beispielsweise der freie Zugang zum EU-Markt verweigert werden, wäre dies ein Schock für die gesamte britische Wirtschaft.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sie meinen als eine Folge des Brexit?

John Christensen: Nach dem Brexit ist das Pfund Sterling um etwa zwanzig Prozent gefallen. Das könnte dazu führen, dass sich die britische Wirtschaft neu ausrichtet. Hierfür aber bräuchte es eine Regierung, welche gegen die strukturellen Defizite vorgeht, die zu ihrer geringen Produktivität beitragen. Damit meine ich unsere Infrastruktur und die nunmehr seit Jahrzehnten zu geringen Investitionen in Forschung und die Entwicklung neuer Produkte.

Durch den Brexit ist es denkbar, dass eine ganze Reihe von Schlüsselsektoren von einer Schockwelle erfasst wird – darunter derjenige der Finanzdienstleistungen. Viele Banken und andere Finanzdienstleister werden Teile ihrer Aktivitäten von London in andere EU-Länder verlegen müssen, um den dortigen finanzaufsichtsrechtlichen Bestimmungen zu genügen. Es ist abzusehen, dass andere Zentren wie Amsterdam, Frankfurt, Luxemburg oder Paris sich ein Stück vom Kuchen abschneiden werden. Die Bedeutung von London wird abnehmen, wenn global agierende Banken Umstrukturierungen vornehmen, um sich den Zugang zum EU-Markt zu bewahren.

Die Auswirkungen des Brexit werden für Großbritannien immens sein. Wir brauchen nun eine langfristige Entwicklungsstrategie. Es wäre an der Zeit, Londons Rolle als globale Steueroase zurückzufahren und sich einem ausgeglichenen Wirtschaftsmodell zuzuwenden.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wer steckt denn Ihrer Meinung nach hinter dem Brexit?

John Christensen: Der Brexit spiegelt eine weit verbreitete Verärgerung über die soziale Ungleichheit in Großbritannien wider. Die von Westminster aufgelegten Austeritätsprogramme haben zu fallenden Löhnen bei den Arbeitern geführt, während die Wohnkosten für fast alle jungen Leute unbezahlbar geworden sind. Premierminister Cameron hatte das Referendum anberaumt, um den fremdenfeindlichen rechten Flügel seiner Partei ruhig zu stellen, aber er hatte das Ergebnis nicht vorhergesehen. So kommt es, dass niemand einen Plan hat, wie es nun nach dem Brexit weitergehen soll.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Hatte denn die City of London keinen Einfluss auf Camerons Enscheidung für das Brexit-Referendum?

John Christensen: Bezüglich des Brexit war man sich in der City of London uneins. Als Premierminister Cameron das Referendum ins Spiel brachte, hätte niemand erwartet, dass die britischen Wähler – wenn auch äußerst knapp – für den Brexit stimmen würden. Für die City war das Referendum eine willkommene Gelegenheit, von den Debatten um die Austeritätsprogramme abzulenken, die im Zuge der Bankenkrise aufgelegt worden waren. UKIPs Nigel Farage und viele seiner Förderer kommen aus der City und ich vermute, dass ihnen der Fokus der Brexit-Diskussion auf die Einwanderung gelegen kam.  Das Ziel war offenbar, die britische Regierung zu nötigen, die Versuche der Europäischen Kommission, eine stärkere Finanzmarktregulierung und Harmonisierung der Fiskalpolitik zu blockieren – was möglicherweise auch eine gemeinsame konsolidierte Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage zur Folge gehabt hätte. Schritte in diese Richtung hätten viele der Geschäfte der City beschnitten, die auf Steuervermeidung gründen.

Durch die Zustimmung zum Brexit haben die Dinge allerdings eine dramatische Wende erfahren. Die City muss sich nun den Herausforderungen stellen, die Möglichkeiten und Rechte bei Finanzdienstleistungen sicherzustellen, die sich aus der Zugehörigkeit zu einem gemeinsamen Markt ergeben. Viele der Banken und Anwaltskanzleien, mit denen ich in den letzten Monaten gesprochen habe, erkennen nun, dass sie – wenn sie weiter in der EU tätig sein wollen – Niederlassungen in Amsterdam, Frankfurt oder Paris gründen müssen. Viele Schlüsselpositionen werden aus London ausgelagert werden müssen. Leute von den britischen Steueroasen sagen mir, dass sie wegen des britischen Rückzugs aus der EU sehr besorgt sind. Es überwiegt das Gefühl, dass der Brexit die Rolle der City als herausragendes Offshore-Finanzzentrum schwächen wird.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Glauben Sie, dass der Brexit zu noch mehr Deregulierung und Intransparenz im Britischen Bankensektor führt?

John Christensen: Premierministerin May und ihr Finanzminister haben ja schon angedeutet, dass sie eine Stärkung von Großbritanniens Rolle als Steuerparadies für eine Option halten. Für mich ist das ein Zeichen von Schwäche. Ein Unterbietungswettlauf in den Disziplinen Regulierung, Bankgeheimnis und Körperschaftssteuern würde Großbritanniens finanzielle Stabilität und Tragfähigkeit aufs Spiel setzen. Die EU-27 sollten in ihren britischen Gesprächspartnern klar machen, dass der Handel mit Finanzprodukten nur bei Einhaltung verstärkter Regulierungsnormen möglich sein wird und dass die Intransparenz ihrer kolonialen Steueroasen beendet werden muss. Sie sollten auch dagegen vorgehen müssen, dass Firmengewinne hin- und hergebucht werden. Im Idealfall, indem sie einer Besteuerung auf Basis ihrer (gesamten) Bilanzgewinne zustimmen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Möglicherweise glaubt das Britische Establishment ja, dass die EU früher oder später zerfallen wird und dass es billiger sei, jetzt auszusteigen als später?

John Christensen: Seit der Finanzkrise der Jahre 2008/09 zeigte sich das Britische Establishment eher wegen der Versuche besorgt, auf internationaler Ebene eine stärkere Finanzmarktregulierung durchzusetzen, die Fiskalpolitiken zu harmonisieren und gegen Steueroasen vorzugehen. All das hätte die Stellung der Banken und Finanzinstitute in London untergraben. Ich denke nicht, dass das Britische Establishment ein ernsthaftes Interesse daran haben könnte, dass die EU auseinanderfällt – das wäre für den Handel eine Katastrophe.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Welches sind denn die zur Zeit dringlichsten Probleme der EU?

John Christensen: Der unerbittliche Anstieg der Ungleichheit überall in der EU stellt eine existentielle Bedrohung für unsere Demokratien dar. Rechtsextreme Parteien haben in den letzten 18 Monaten unter jungen Wählern starken Zuspruch erhalten und die Parteien der Mitte haben in den letzten Jahren in den meisten Ländern an Rückhalt verloren. Ungleichheit und das weit verbreitete Gefühl, dass es in der Wirtschaft nicht fair zugeht und dass sie nur den Interessen einer kleinen Elite dienen, haben das Vertrauen in die öffentlichen Institutionen stark erschüttert.

Der Umgang mit der Bankenkrise 2008/09 hat das Misstrauen gegenüber den europäischen Eliten dann noch verschärft. Während die Austeritätsprogramme den Wohlfahrtsstaat in den meisten Ländern stark eingeschränkt haben, sind die Eliten noch sehr viel reicher geworden – und sie tun wenig bis gar nichts, um zu einem allgemeinen Aufschwung beizutragen. Investiert wird wenig, als Rentner zu leben ist hingegen inzwischen normal.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Könnte denn eine moderne Volkswirtschaft gänzlich auf eine industrielle Fertigung verzichten und nur von Finanzprodukten leben?

Michael Oswald: Diese Frage untersuchen wir in unserem Dokumentarfilm. Was die USA und das Vereinigte Königreich anbelangt, kann der Dienstleistungssektor allein die verringerte Industriekapazität nicht ausgleichen. Michael Hudson erläutert uns, dass es nur funktioniert, weil die USA und das Vereinigte Königreich Kapital aus der ganzen Welt anziehen – das allerdings auch durchaus kriminellen Ursprungs sein kann.

John Christensen: Der Film beschäftigt sich mit einem politisch-wirtschaftlichen Phänomen, das wir den „Fluch der Finanzen“ nennen können. Länder wie Großbritannien, deren Finanzindustrie derart übergewichtet ist, neigen zu geringeren Wachstumsraten, industriellen Abhängigkeiten, Unterwanderung des Staates und Korruption. Da gibt es klare Parallelen zwischen dem „Fluch der Finanzen“ und dem „Fluch der Rohstoffe“, der in der Regel Länder trifft, die große Mengen an Öl und Gas exportieren. Es können Maßnahmen ergriffen werden, welche die schädlichen Folgen eines zu großen Finanzsektors abmildern. Und Großbritannien sollte anderen Ländern eine Warnung sein, wozu es führen kann, sollten derartige Schritte nicht unternommen werden.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Glauben Sie, dass ein unregulierter Finanzsektor zu einer Schwächung der Demokratie führen kann?

Michael Oswald: Ich denke, eine funktionierende Demokratie setzt Rechenschaftspflichten und Transparenz voraus – besonders dort, wo Macht ausgeübt wird.

John Christensen: Ohne Zweifel ist das so. Die Finanzkrise, und dann die Lux-Leaks und Panama Papers haben deutlich gemacht, was für eine giftige Mischung eine lockere Regulierung und finanzielle Verschwiegenheit für die Demokratie sind.

Dies hat dazu geführt, das aus Banken, die „too big to fail“ waren – also solchen, die zu groß waren, um pleite gehen zu können – Banken wurden, die nun „too big to jail“ sind – also solche, die keinerlei Strafen fürchten müssen und deswegen im rechtsfreien Raum operieren können. Politiker scheinen ratlos zu sein, wie sie mit diesen Frankenstein-Schöpfungen umgehen sollen. Ich denke, dass der einzige Ausweg der sein kann, die Rolle der Banken und Schattenbanken innerhalb der Volkswirtschaften massiv zu beschneiden. In zu vielen Fällen vernichten sie Wohlstand anstatt welchen zu schaffen.

Um nationale Souveränität in Steuerfragen wieder herzustellen, brauchen wir mehr Transparenz: Öffentliche Registrierung der Eigentümerverhältnisse in multinationalen Firmen und einen automatischen Informationsaustausch zwischen den Behörden der einzelnen Länder. Zudem sollte ein besserer Schutz für Whistleblower gewährleistet werden, um zu verhindern, dass Firmen ihre Angestellten einschüchtern können.

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John Christensen ist Direktor der Vereinigung „Tax Justice Network“ mit Sitz in London. Der ausgebildete forensische Wirtschaftsprüfer und Ökonom hat umfassend im Offshore-Finanzbereich gearbeitet und war für über ein Jahrzehnt Wirtschaftsberater der Regierung von Jersey.

Michael Oswald ist Regisseur und Produzent von Dokumentarfilmen und lebt in London. „The Spider´s Web“ ist sein neuestes Projekt. Sein letzter Film war „Princes of the Yen“, nach dem gleichnamigen Buch von Richard Werner.