Politik

Geopolitische Zeitenwende: Von der Leyen fordert radikalen Kurswechsel der EU

Die alte Weltordnung ist Geschichte: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen drängt angesichts der globalen Instabilität auf eine fundamentale Neuausrichtung der europäischen Außenpolitik. Bei einem Treffen mit EU-Botschaftern in Brüssel betonte sie, dass Europa seine Interessen künftig deutlich machtvoller und pragmatischer verteidigen müsse.
09.03.2026 13:30
Lesezeit: 1 min

Abschied von der alten Weltordnung

Ursula von der Leyen stellte klar, dass die bisherige Weltordnung der Vergangenheit angehört und nicht zurückkehren wird. Zwar werde Europa die regelbasierte Ordnung weiterhin verteidigen, man könne sich jedoch nicht mehr ausschließlich darauf verlassen, um die eigenen Interessen zu schützen. Die Kommissionspräsidentin forderte stattdessen eine stärker interessengeleitete Außenpolitik.

Machteinsatz gegen äußere Einflussnahme

Um Aggressionen und Einflussnahmen aus dem Ausland effektiv zu begegnen, müsse die EU bereit sein, ihre Macht selbstbewusster einzusetzen. Von der Leyen nannte hierfür ein breites Spektrum an Instrumenten:

  • Wirtschaft und Diplomatie
  • Technologie und Militär
  • Pragmatismus bei internationalen Geschäften

Ziel: Souveränität und Widerstandsfähigkeit

Das übergeordnete Ziel sei es, die EU in strategischen Bereichen wie Verteidigung, Energie, kritischen Rohstoffen und Technologien leistungsfähiger zu machen. Konkret bedeute dies, einseitige Abhängigkeiten zu beenden – etwa bei der Energieversorgung oder bei Schlüsselgütern wie Halbleitern und Impfstoffen.

Reform der Entscheidungsprozesse

Kritik äußerte von der Leyen an den internen Abläufen der EU. Sie stellte infrage, ob das aktuelle System, das stark auf Konsens und Kompromiss ausgelegt ist, die Glaubwürdigkeit Europas als geopolitischer Akteur eher behindert als fördert. Hier sei eine dringende Debatte über Reformen der Entscheidungsfindung notwendig.

Realismus im Angesicht globaler Krisen

In Bezug auf die Diskussionen um die Rechtmäßigkeit des von den USA und Israel begonnenen Iran-Kriegs mahnte von der Leyen zu Realismus. Die Debatte, ob es sich um einen gewählten oder notwendigen Krieg handle, gehe teils am Kern vorbei. Europa müsse der Realität einer chaotischen Welt Rechnung tragen; ein Rückzug aus dem Weltgeschehen sei laut der Kommissionspräsidentin ein Trugschluss.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Entstehung eines Mega-Reeders stockt: Israel hat ZIM-Übernahme noch nicht genehmigt
08.10.2026

Hapag-Lloyd will mit der Übernahme von ZIM einen der größten Deals seiner Geschichte abschließen. Doch Israel hat dem 4,2 Milliarden...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Renditen von US-Staatsanleihen belasten die Wall Street
07.10.2026

Steigende Renditen und neue Zinsängste bringen die US-Märkte ins Wanken – erfahren Sie, welche Schwergewichte es besonders hart trifft.

DWN
Finanzen
Finanzen Beitragsbemessungsgrenzen 2027: Millionen Bürger müssen mehr vom Lohn abgeben
07.10.2026

Für Gutverdiener steigen kommendes Jahr die maßgeblichen Beitragsgrenzen in der Kranken- und Rentenversicherung. Besonders deutlich...

DWN
Finanzen
Finanzen Fiskalischer Spitzenreiter: Wie Deutschland seinen Bürgern am meisten abknöpft
07.10.2026

Eine Analyse zur Steuerbelastung in Europa zeigt für das Jahr 2026 eine bittere Wahrheit für deutsche Steuerzahler: Die Bundesrepublik...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wang Fengying von XPeng im Porträt: Eine Chinesin mit amerikanischer Erfolgsgeschichte
07.10.2026

Wang Fengying gehört zu den einflussreichsten Managerinnen der chinesischen Autoindustrie. Bei Great Wall Motor prägte sie Vertrieb,...

DWN
Immobilien
Immobilien Superreiche fliehen aus London: Luxusimmobilien stürzen ab
07.10.2026

Londons Luxusimmobilien verlieren dramatisch an Wert, in manchen Nobelvierteln beträgt das Minus mehr als 25 Prozent. Während die...

DWN
Politik
Politik Nach Landtagswahlen: Mehrheit hält Merz' Kanzlerschaft für gescheitert
07.10.2026

Bundeskanzler Friedrich Merz kommt aus dem Umfragetief nicht heraus, die Mehrheit der Deutschen sieht keine Zukunft für ihn als Kanzler....