Unbekannter Investor wettet auf Crash an US-Börsen

Eine Mehrheit der Spekulanten wettet trotz hoher Bewertungen auf weiter anziehende Kurse.

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Eine Investor-Debatte an der Chicago Board Options Exchange. (Foto: dpa)

Händler an der Chicago Board Options Exchange.
(Foto: dpa)

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In den Mark für Wetten auf die künftige Entwicklung der US-Aktienmärkte ist Bewegung gekommen. Am Montag wurden Bloomberg zufolge mit 2,61 Millionen Optionen so viele Wetten auf den künftigen Verlauf des VIX-Index gesetzt, wie seit mehreren Jahren nicht mehr. Der VIX-Index (CBOE Volatility Index) drückt die von Anlegern erwartete Schwankungsbreite des Aktienindex S&P 500 und damit dessen Volatilität und die „gefühlte“ Unsicherheit von Investoren aus.

Das überdurchschnittlich hohe Volumen scheint auf die Aktivität eines Großinvestors zurückzuführen zu sein, der eine Wette auf ein Ansteigen des VIX im Umfang von 486.000 Optionen und damit auf die Rückkehr der Unsicherheit im amerikanischen Aktienmarkt Ende Oktober platzierte.

Die große Mehrheit der Spekulanten jedoch glaubt weiterhin, dass sich die Rally an den Aktienmärkten, die im vergangenen November nach der Wahl von US-Präsident Donald Trump einsetzte, fortsetzen wird. Der Kurs des VIX-Index befindet sich seit Ende 2015, als er einen Wert von über 40 Prunkten erreicht hatte, im Sinkflug. Inzwischen steht er bei etwa 9,85 Punkten und zeigt damit an, dass eine große Mehrheit der Investoren auf eine weiterhin abnehmende Volatilität bei Aktien setzt.

Der S&P hat im laufenden Jahr inzwischen 37 Höchststände erreicht. So oft war dies seit 1997 noch nie am Ende eines dritten Quartals der Fall.

Der Finanzmanager Dana Lyons sieht angesichts im historischen Vergleich sehr hoher Bewertungen jedoch eine gestiegene Wahrscheinlichkeit, dass zehntausende kleinere Privatinvestoren von einem plötzlichen Umschwung kalt erwischt werden: „Einmal mehr muss man viele der Termin-Anleger als ‚dumb money‘ bezeichnen. Nicht, weil sie immer falsch positioniert sind – das gar nicht – sondern weil sie im Falle eines Umschwunges oder einer Verschiebung der Fundamentalkräfte typischerweise falsch positioniert sind. (…) Was wir sagen können ist, dass die Spekulanten derzeit nach historischem Maßstab eine extreme Position für weiter abnehmende Volatilität einnehmen. Nun können Extreme natürlich immer noch extremer werden. Aber die Geschichte lehrt uns, dass wenn alle auf eine Seite des Bootes springen – wie die Herden in den Märkten – dass sie dann unweigerlich im Wasser landen werden.“

Unterstützt wird die vorherrschende Einschätzung, dass die Aktienmärkte weiter steigen werden, von Signalen der US-Zentralbank Fed, die Normalisierung ihrer Geldpolitik auch bei weiterhin niedriger Inflation weiterzuführen.

Die unerwünscht niedrige Inflation in den USA steht laut Notenbankchefin Janet Yellen weiteren Zinserhöhungen nicht im Weg. Sie nannte es am Dienstag in Cleveland „unklug“ damit zu warten, bis das Zwei-Prozent-Ziel der Zentralbank (Fed) bei der Teuerung erreicht sei. Sie räumte zugleich ein, dass der Fed bei ihren Inflationsmodellen womöglich Fehleinschätzungen unterlaufen seien. Die Teuerung dürfte sich gleichwohl in den kommenden Monaten etwas in Richtung der angestrebten Marke bewegen, sagte sie. Die Inflationsdaten blieben zwar im Fokus, „aber es gibt Störgeräusche und keine Patentlösung.“ Die Fed hält den Zins in einer Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent.

Zuletzt signalisierte sie eine weitere Erhöhung noch in diesem Jahr. Auch der neue Chef des Fed-Ablegers Atlanta, Raphael Bostic, ist offen für einen solchen Schritt im Dezember. Zuvor müsse es „klare Hinweise“ darauf geben, dass die Teuerung anziehe. Grundsätzlich fühle er sich „ziemlich wohl“ mit der Annahme, dass es gegen Jahresende zu einer Straffung kommen werde.

Yellen hatte nach dem jüngsten Zinsentscheid offen eingeräumt, dass es ihr ein „Rätsel“ sei, warum die Preise trotz der guten Arbeitsmarktlage nicht stärker anziehen. In den USA herrscht offiziell praktisch Vollbeschäftigung. Tatsächlich dürfte die Zahl der Arbeitslosen weitaus höher sein, als von der Regierung dargestellt. So sollen Kritikern zufolge über 90 Millionen Menschen im arbeitsfähigen Alter überhaupt nicht mehr in den Statistiken vorkommen. Das alternative Datenportal Shadow Government Statistics spricht von einer wahren Arbeitslosenrate von etwa 23 Prozent in den USA.

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