Im Osten werden Facharbeiter gesucht, im Westen entstehen prekäre Jobs

Die Auswertung eines Stellenvermittlers zeigt, dass insbesondere in westdeutschen Bundesländern befristete und geringbezahlte Arbeitsplätze angeboten werden.

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Zwei Männer reinigen eine Fassade auf dem Hannoveraner Messegelände. (Foto: dpa)

Zwei Männer reinigen eine Fassade auf dem Hannoveraner Messegelände. (Foto: dpa)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Wachstum von Stellenanzeigen in Deutschland. (Grafik: Joblift)

Das Wachstum von Stellenanzeigen in Deutschland. (Grafik: Joblift)

 

Aus einer aktuellen Untersuchung des Stellensuchdienstes Joblift geht hervor, dass sich die Arbeitsmärkte in west- und ostdeutschen Bundesländern deutlich unterscheiden. In einigen Fällen sind die Bedingungen in Ostdeutschland weitaus besser als im Westen. Dies betrifft insbesondere gering bezahlte und befristete Arbeitsstellen.

„Auch wenn ostdeutsche Bundesländer aktuell deutlich weniger Jobs als westdeutsche hervorbringen, scheinen diese stabilere Verhältnisse mit sich zu bringen. Zwar geben nicht alle Ausschreibungen Auskunft über die Art des Vertrags und der Beschäftigung, jedoch stellen 47,1 Prozent der westdeutschen Inserate ausdrücklich eine Vollzeitposition in Aussicht, bei den ostdeutschen betrifft dies 58,0 Prozent der Anzeigen. Auf ähnliche Weise sind 29,3 Prozent der Anstellungen in Westdeutschland eindeutig unbefristet, wohingegen es in den neuen Bundesländern 45,4 Prozent sind. Auch geringfügige Beschäftigungen liegen im Westen vorne: 3,6 Prozent der Ausschreibungen beziehen sich explizit auf einen Minijob, im Osten beträgt diese Quote 2,6 Prozent“, heißt es in der Studie.

Obwohl in einem westdeutschen Bundesland im Schnitt dreimal so viele Stellen entstünden wie in einem ostdeutschen, nähmen die Vakanzen in den neuen Bundesländern rund 43 Prozent stärker zu, schreiben die Autoren. Ein weiteres positives Signal für den ostdeutschen

Arbeitsmarkt sei die Tatsache, dass dortige Beschäftigungsverhältnisse in der Regel weniger prekär sind als westdeutsche, berichtet Joblift. Während in westdeutschen Ländern jedoch vor allem hoch qualifizierte Fachkräfte wie Softwareentwickler begehrt seien, sind es in Ostdeutschland vorrangig Ausbildungsjobs, etwa in der Pflege, die auf hohe Nachfrage stoßen.

Insgesamt werden in den westdeutschen Bundesländern durchschnittlich mehr Arbeitsmöglichkeiten angeboten, als im Osten. Insgesamt wurden in westdeutschen Bundesländern in den letzten 24 Monaten 12.551.199 Stellen ausgeschrieben, wohingegen in ostdeutschen Bundesländern 2.115.495 Jobanzeigen geschaltet wurden. Pro Bundesland wurden in Ostdeutschland im beobachteten Zeitraum durchschnittlich 423.099 Jobanzeigen veröffentlicht, in Westdeutschland waren es 1.255.120, also dreimal so viele Ausschreibungen.

„Nichtsdestotrotz weist der ostdeutsche Arbeitsmarkt eine überraschende Dynamik auf: Eine Untersuchung der Wachstumsraten hat ergeben, dass ostdeutsche Vakanzen in den letzten beiden Jahren um durchschnittlich 2,0 Prozent jeden Monat anstiegen. In westdeutschen Ländern betrug die Zunahme indes lediglich 1,4 Prozent. Die größte positive Stellenentwicklung fand im Saarland (3,3 Prozent), in Sachsen-Anhalt (2,9 Prozent) sowie in Brandenburg (2,7 Prozent) statt, wohingegen der Zuwachs in Berlin und Hamburg mit je 0,4 Prozent sowie in Bremen mit 0,3 Prozent am geringsten ausfiel“, heißt es in der Studie.

Große Unterschiede existieren bezüglich der Branchen, in denen besonderer Fachkräftemangel herrscht. Während in den neuen Bundesländern vor allem Ausbildungsberufe gefragt sind, stehen in den alten Ländern gut ausgebildete Fachkräfte hoch im Kurs. Mechaniker (5,0 Prozent), Pflege- (3,6 Prozent) sowie Verkaufskräfte (3,0 Prozent) bildeten in Ostdeutschland dementsprechend die beliebtesten Berufsgruppen. Im Westen erfahren Softwareentwickler (4,0 Prozent), Mechaniker (3,8 Prozent) und Ingenieure (3,5 Prozent) die größte Nachfrage. Diese Verteilung spiegelt sich auch in den geforderten Ausbildungsgraden wider. So setzen 25,6 Prozent der ostdeutschen Stellenanzeigen ein Studium voraus und 54,6 Prozent alternativ oder stattdessen eine Berufsausbildung. In den alten Bundesländern beträgt dieses Verhältnis 30,6 Prozent zu 51,6 Prozent.

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