Unternehmen treiben Aktienkurs mit Rückkäufen nach oben

In den USA, aber auch in Deutschland, kaufen Unternehmen vermehrt eigene Aktien am Markt auf. Das Geld fehlt für Investitionen in die Zukunft.

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Bulle und Bär an der Frankfurter Börse. Rückkäufe der Unternehmen treiben den eigenen Kurs in die Höhe. (Foto: dpa)

Bulle und Bär an der Frankfurter Börse. (Foto: dpa)

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Die Nullzinspolitik der vergangenen Jahre hat erst den Nährboden dafür geschaffen: Große US-Unternehmen wie Microsoft oder Pfizer kaufen für viele Milliarden Dollar eigene Aktien zurück. Damit haben sie den Kurs ihrer Wertpapiere deutlich steigern können. Finanzexperten betrachten die Praxis mit Skepsis, manche bezeichnen Aktienrückkäufe als zweischneidiges Schwert.

Was die Konzerne damit erreichen wollen: Auf diese Weise sollen in erster Linie die Aktienkurse nach oben getrieben werden, da die Anteilscheine durch den Rückkauf aus dem freien Börsenhandel verschwinden. Das Angebot verringert sich, die Nachfrage steigt und der Kurs klettert. Anders ausgedrückt: Der Gewinn pro Aktie steigt allein dadurch ganz automatisch, dass am Markt weniger Papiere vorhanden sind.

Das bereitet Aktionären und Vorständen natürlich viel Vergnügen. Allerdings haben die Aktien-Rückkäufe in den USA in den zurückliegenden Jahren ein Ausmaß erreicht, dass Anlass bietet, sich berechtigte Sorgen zu machen. Denn viele Gesellschaften in den USA haben im Zuge ihrer Aktienrückkaufprogramme nicht nur die einst üppig sprudelnden Gewinne, sondern auch für schlechtere Zeiten benötigte Bargeldreserven eingesetzt. Und das könnte sich irgendwann rächen.

Ganz grob gibt es drei verschiedene Möglichkeiten, den Gewinn eines Unternehmens zu verwenden. Erstens für Investitionen, die den Fortbestand der Gesellschaft sichern und ihre Wettbewerbsfähigkeit sicherstellen. Zweitens für die Zahlung von Dividenden und drittens für Aktien-Rückkäufe, wobei die letzten beiden Möglichkeiten unmittelbar der Kurspflege dienen. Über die Verwendung der Gewinne entscheidet die jährlich stattfindende Hauptversammlung der jeweiligen Aktiengesellschaft.

Finanzexperten gehen davon aus, dass zahlreiche US-Unternehmen dem Druck beteiligter Hedgefonds nachgekommen sind und immer mehr Kapital in Aktien-Rückkäufe gesteckt haben. Teilweise geschah dies sogar auf Pump, da die Konzerne in der Niedrigzinsphase nahezu endlos billiges Geld aufnehmen konnten. Beispiel Apple: Der Technologie-Gigant mit einer aktuellen Markkapitalisierung von 827 Milliarden US-Dollar hat zwischen 2010 und 2015 Aktienrückkäufe in Höhe von knapp 105 Milliarden US-Dollar getätigt. Zum Vergleich: Seit seiner Gründung hat Apple gerade einmal 32 Milliarden US-Dollar in Entwicklung und Forschung investiert.

Bei den Aktienrückkäufen ist Apple beileibe nicht das einzige US-Unternehmen, das Anteilsscheine in großem Stil zurückgekauft hat. Auch Microsoft, Qualcomm, Oracle, Pfizer und Boeing haben ihre Kurse in ähnlicher Weise gepusht. Was kurz- bzwiehungsweise mittelfristig positive Effekte hat, könnte sich auf lange Sicht als schädlich erweisen. Denn fehlende Investitionen in die Zukunft des eigenen Unternehmens machen sich eben erst dann bemerkbar, wenn es zu spät ist und wenn neue innovative Gesellschaften den etablierten den Rang ablaufen.

Nachdem die US-amerikanische Notenbank Fed die Leitzinsen nach vielen Jahren angehoben und damit einen neuen Zyklus eingeleitet hat, ist das gesamte Volumen der Aktienrückkäufe in den Vereinigten Staaten wieder zurückgegangen. Ganz anders in Deutschland: Nach einer Studie des „Flossbach von Storch Research Institute“ liegt das derzeitige Volumen der Aktienrückkäufe pro Jahr durch deutsche Gesellschaften so hoch wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2017 beläuft sich das Volumen von Aktienrückkäufen mit 4,2 Milliarden Euro bereits jetzt schon höher als in den letzten neun Jahren zusammen.

Für die Zurückhaltung in Puncto Aktienrückkauf gibt es eine Erklärung: In Deutschland haben die Unternehmen im Zuge der Finanzkrise mit derartigen Maßnahmen schlechte Erfahrungen gemacht.  Gesellschaften, die 2008 eigene Aktien zu Höchstpreisen gekauft hatten, mussten anschließend fallende Kurse verkraften. Die Aktienrückkäufe aus den zurückliegenden Monaten des Jahres 2017 verteilen sich auf sechs Gesellschaften: Dies sind adidas, Allianz, GEA, Munich Re, Siemens und Osram. Darüber hinaus hat der Softwarekonzern SAP ebenfalls einen Aktienrückkauf für das Ende des Jahres angekündigt.

Ob und wie erfolgreich sich die aktuellen Aktienrückkäufe herausstellen werden, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantwortet werden. Denn ob eine solche Kapitalmaßnahme als „gut“ oder „schlecht“ beurteilt wird, hängt davon ab, wie sich der Kurs des jeweiligen Wertpapiers in den folgenden beiden Jahren entwickelt.

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