China steigt zum wichtigsten Markt des Mittelstandes auf

Die Volksrepublik China ist drei Jahrzehnte nach Beginn ihrer Öffnungspolitik zum wichtigsten Markt des Mittelstandes aufgestiegen.

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Ein Containerschiff der China Shipping Company im Hamburger Hafen. Der chinesische Markt ist der wichtigste Markt des Mittelstandes geworden. (Foto: dpa)

Ein Containerschiff der China Shipping Company im Hamburger Hafen. (Foto: dpa)

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China ist in den vergangenen Jahren zum wichtigsten (Zukunfts-)Markt für den deutschen Mittelstand aufgestiegen. Die Bestrebungen der Regierung, die Infrastruktur massiv auszubauen, eröffnen deutschen Produzenten große Absatzmärkte und Kooperationsmöglichkeiten. 540 Milliarden US-Dollar sollen allein in die Erweiterung des Schienennetzes fließen, Flug- und Seehäfen aus- oder neu gebaut werden. Die chinesische Regierung plant zwar massive Investitionen in die bereits existierenden Wirtschafts- und Industriezentren in küstennahen Regionen. Sie verfolgt aber weiterhin auch das Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung im noch vergleichsweise unentwickelten Landesinneren voranzutreiben.

„Gerade mittelständische Unternehmen sollten sich auf einige wenige Regionen konzentrieren. An den drei Wirtschaftszentren an der Küste – der Bohai Region, dem Jangtse- sowie dem Perlflussdelta führt nach wie vor kein Weg vorbei. Dort, wo knapp die Hälfte des chinesischen Bruttoinlandsprodukts entsteht, schlägt das Herz der Wirtschaft des Landes“, erklärt Corinne Abele von der deutschen Außenhandelsgesellschaft Germany Trade & Invest. „Nachfragepotenzial, Wertschöpfungsketten, Industriecluster sowie Innovationsstrukturen kommen hier zusammen. Nicht umsonst sitzen mehr als 60 Prozent der deutschen Firmen in den Kernbranchen Maschinenbau, Kfz und Chemie im Jangtse-Delta bei Schanghai“, sagt sie.

Gerade in den Kleinstädten im Umland rund um die großen Metropolen an der Küste entstehen interessante neue Industriecluster. Bei richtigem Infrastrukturausbau werden sie künftig gegenüber den alten Metropolen im Osten, den noch weniger entwickelten Standorten im Inneren sowie im Westen des Landes an Attraktivität gewinnen. Auch vom Ausbau der Urbanitätszentren dürften sie stark profitieren.

Bis 2020 sollen landesweit 19 Städtecluster entstehen – viele davon im Osten des Landes. Doch auch der Westen holt auf. Vor allem die Regionen um Chengdu und Chongqing in Westchina gewinnen wirtschaftlich an Bedeutung. Befeuert durch Urbanisierung und E-Commerce steigt dort der Konsum besonders stark.

„Die ehemalige Peripherie rückt durch den Infrastrukturausbau immer näher an die traditionellen Wirtschaftszentren heran. Bereits jetzt verfügt China über das weltweit größte Hochgeschwindigkeitsbahnnetz, das bis 2020 rund 30.000 km umfassen soll. Auch wird das Projekt der „Neuen Seidenstraße“ mit ihren grenzüberschreitenden Transportkorridoren Westchina künftig stärker mit Europa verbinden. Dennoch gilt vor allem für den Mittelstand, ein dortiges Engagement sorgfältig abzuwägen“, erklärt eine andere Expertin von Germany Trade & Invest.

Mit dem vielversprechenden Engagement sind allerdings auch massive Arbeitsplatzverlagerungen nach China verbunden. „Das Modell, in Asien für Asien zu produzieren, hat sich bewährt. Wir werden diese Markterfahrungen als deutscher Mittelständler auch für das Reich der Mitte nutzen“, sagt Dr. Nicholas Matten, Geschäftsführer der Stiebel-Eltron-Gruppe, einem Hersteller von Haus- und Wärmetechnik. „Wir sehen China beispielsweise als interessanten Markt für Warmwasser und Lüftung. Die Bevölkerung und die Städte des Landes wachsen und sind zunehmend auf Lösungen zur Warmwasserbereitung und Lüftung angewiesen, die grüne Umweltstandards erfüllen. In China sind wir ohnehin mit einem Produktionsstandort vertreten. Vorrangig ist nun für uns, Produktion und Vertrieb vor Ort enger zu verzahnen. Mit diesem Ziel treiben wir die Strategie ‚Enginered in Germany – Made in China for China‘ konsequent voran. Dabei stützen wir uns auf die Erfahrungen, die wir in den inzwischen rund 20 Jahren unserer Präsenz in Asien gemacht haben.“

Die Öffnung Chinas in den vergangenen drei Jahrzehnten und die Intensivierung der Handelsbeziehungen hat zudem dazu geführt, dass Chinesen in Deutschland vermehrt Unternehmen kaufen. Nach dem Roboterhersteller Kuka könnte nun ein weiterer deutscher Anlagenbauer nach China verkauft werden. Für die FFT Produktionssysteme aus Fulda interessierten sich der Industrie-Ausrüster Jiangsi Hagong Intelligent Robot, Shanghai Electric und der deutsch-chinesische Investor AGIC Capital, sagten zwei mit dem Verkaufsprozess vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Als Hersteller von Industrie-Robotern und Automatisierungstechnik könnte Jiangsu Hagong der aussichtsreichste Bieter sein.

Der Maschinenbau gehört zu den Branchen, in denen China strategisch zukaufen will. Insbesondere der Verkauf des Augsburger Roboter-Herstellers Kuka an den chinesischen Hausgerätekonzern Midea hatte für große Diskussionen um einen Ausverkauf deutscher Technologie nach Fernost gesorgt.

China war 2016 zum wichtigsten Handelspartner Deutschlands aufgestiegen und löste die USA in dieser Position ab. Importe und Exporte summierten sich auf rund 170 Milliarden Euro. Weil rund 45 Prozent aller deutschen Exporte auf Mittelständler entfallen, hat China auch eine große Bedeutung für den deutschen Arbeitsmarkt. Die Umsätze der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) stiegen 2016 um 3,9 Prozent und damit um den höchsten Wert seit fünf Jahren, die durchschnittliche Umsatzrendite lag wie im Vorjahr bei guten 7,3 Prozent. Als Arbeitgeber sind die mittelständischen Unternehmen so bedeutend wie nie zuvor. Im Jahr 2016 ist die Zahl der Erwerbstätigen im Mittelstand um 1,46 Millionen noch einmal stark gewachsen (+4,6 Prozent). Derzeit ist insgesamt die Rekordsumme von 30,9 Millionen erwerbstätigen Personen in kleinen und mittleren Unternehmen beschäftigt. Erstmals überschreitet der Anteil von KMU an der Erwerbstätigkeit die Marke von 70 % (70,4 Prozent). Demgegenüber haben Großunternehmen und der öffentliche Sektor im Jahresvergleich zum wiederholten Mal Beschäftigung abgebaut, und zwar um 432.000 Personen. Das geht aus dem repräsentativen KfW-Mittelstandspanel 2017 hervor.

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