Fusion geplatzt: Telekom-Aktie bleibt unter Druck

Die Aktie der Telekom dürfte in den kommenden Tagen unter Druck bleiben.

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Das Logo der Deutschen Telekom. (Foto: dpa)

Das Logo der Deutschen Telekom. (Foto: dpa)

Der von vielen Experten erwartete milliardenschwere Zusammenschluss der Mobilfunkanbieter T-Mobile US, der amerikanischen Tochter der Deutschen Telekom, mit dem Konkurrenten Sprint ist gescheitert. Als Reaktion darauf fand sich die Telekom-Aktie zum Wochenstart mit einem Minus von 3 Prozent am Ende des DAX-Kurszettels wieder.

Nach komplizierten Verhandlungen hatten beide Gesellschaften am Samstag mitgeteilt, dass keine Einigung über die Rahmenbedingungen für eine solche Fusion erzielt worden sei. Aus diesem Grund seien die Gespräche nun beendet. Medienberichten war zu entnehmen, dass es Uneinigkeit über die Besitzverhältnisse in einem gemeinsamen Unternehmen gegeben habe und der Sprint-Großaktionär, die japanische Softbank, gegen eine Kontrollmehrheit der Deutschen Telekom votiert habe.

Während die Aktionäre der T-Aktie zu Beginn der neuen Börsenwoche aus ihrer Enttäuschung keinen Hehl gemacht hatten, rutschte der Kurs der Anteilscheine der T-Mobile US zum gleichen Zeitpunkt mit etwa 5 Prozent ebenfalls in die roten Zahlen. Und auch beim Gegenüber Sprint waren Abschläge in ähnlicher Größenordnung zu beobachten. Bei aller Enttäuschung hatten es verschiedene Analysten im Hinblick auf die Aktie der Deutschen Telekom jedoch als positiv gewertet, dass der deutsche Telekommunikationskonzern hart geblieben sei und sich nicht auf einen schlechten Handel eingelassen habe. Und obwohl die Telekom auf Synergien im US-Geschäft verzichten müsse, verdiene das Management Anerkennung.

Nach den Angaben des deutschen Mutterkonzerns seien keine Bedingungen zu erreichen gewesen, die Kunden weitere Vorteile und den Aktionären neue Perspektiven im Hinblick auf Wertsteigerungen bieten könnten. T-Mobile US hatte in den zurückliegenden Jahren den US-amerikanischen Wettbewerber Sprint beim Umsatz, den Kundenzahlen sowie dem Börsenwert deutlich abgehängt. Der neue Konzern wäre mit einem Umsatz von geschätzt über 70 Milliarden US-Dollar und etwa 130 Millionen Kunden eine der große Anbieter auf dem nordamerikanischen Markt geworden. T-Mobile US und Sprint stehen auf Platz drei und vier des Mobilfunkmarktes der USA und weisen eine gemeinsame Marktkapitalisierung rund 80 Milliarden US-Dollar aus. Eine fusionierte Gesellschaft hätte in den Vereinigten Staaten zu den nahezu übermächtigen Konkurrenten AT&T und Verizon aufschließen können.

Bereits im Jahr 2014 hatte es einen ersten Versuch eines solchen Zusammenschlusses gegeben, der jedoch an dem Veto der dortigen Kartellbehörden gescheitert war. Auch in den vergangenen Monaten hatten Spekulationen über eine Fusion der beiden US-Mobilfunkanbieter die Fantasie der Marktteilnehmer beflügelt. Dass nun daraus nichts geworden ist, erklärt den Abschwung der Kurse aller beteiligten Unternehmen.

Die Telekom-Tochter T-Mobile US weist derzeit eine Marktkapitalisierung von 43,91 Milliarden Euro aus. Das Geschäft beziehungsweise der Chart des Unternehmens befindet sich schon seit einiger Zeit auf einem guten Kurs. Auf Sicht von drei Jahren können sich die Aktionäre der Gesellschaft über ein sattes Plus von 114,5 Prozent freuen. Allerdings legte die T-Mobile US-Aktie in den zurückliegenden zwölf Monaten nur noch um gut fünf Prozent zu.

Jedoch ist auch bei den Geschäften von T-Mobile US nicht alles Gold, was glänzt. Nach den Vorstellungen von Konzernchef Tim Höttges entspricht die Rendite der US-Tochtergesellschaft, nachdem die Telekom eine Menge Geld in den USA investiert hat, unter diesen Voraussetzungen noch lange nicht den Erwartungen. Diese sollte sich eben durch Zusammenschluss mit dem Wettbewerber und durch Kostensenkungen weiter verbessern.

Nach der gescheiterten Fusion mit Sprint befürchtet Analyst Ulrich Rathe vom Investmenthaus Jefferies, dass „das Problem der unzureichenden Kapitalrendite bei T-Mobile US“ wieder stärker in den Fokus rücke. Da die Gesellschaft nun vermutlich auf ein erhebliches Sparpotenzial verzichten müsse, dürfte der Kurs des Titels auf kurze Sicht unter Druck geraten. An diesem Umstand können wohl auch die ansonsten erfreulichen Aussichten des Mobilfunkanbieters nichts ändern.

Für Analysten und Marktexperten wie Robert Grindle von der Deutschen Bank bedeutet eine kurzfristige deutliche Schwächeperiode des Kurses der Deutschen Telekom eine gute Gelegenheit, die eigene Position an T-Aktien aufzustocken. Denn die anstehenden Zahlen für das dritte Quartal, die in wenigen Tagen erwartet werden, dürften unterstreichen, dass die Papiere der Deutschen Telekom auch abgesehen von T-Mobile US ihre Attraktivität für Investoren nicht verloren hat.

Die Aktie der Telekom lag am Dienstag in Frankfurt leicht im Minus. Die Aktie von T Mobile lag In New York ebenfalls leicht mit rund 0,3 Prozent im Minus.

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