Siemens Gamesa streicht bis zu 6000 Stellen

Beim Windanlagenbauer Siemens Gamesa muss jeder fünfte Mitarbeiter gehen.

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Eine Siemens-Windkraftanlage von Siemens Gamesa, aufgenommen im dänischen Aalbort am 15.08.2007. (Foto: dpa)

Eine Siemens-Windkraftanlage, aufgenommen im dänischen Aalbort am 15.08.2007. (Foto: dpa)

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Der Windkraftanlagenbauer Siemens Gamesa streicht nach der Fusion bis zu 6000 Arbeitsplätze. Der spanisch-deutsche Konzern will sich angesichts eines erwarteten Umsatz- und Gewinneinbruchs innerhalb von drei Jahren von mehr als einem Fünftel der rund 26.000 Mitarbeiter trennen. „Unser Geschäftsergebnis ist noch nicht auf dem Niveau, das wir anstreben“, sagte der neue Vorstandschef Markus Tacke am Montag. Mit den Entscheidungen reagiere die Siemens-Tochter auf sich verändernde Marktbedingungen. Von dem Abbau betroffen sind vor allem sechs Länder, darunter auch Deutschland. Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern haben noch nicht begonnen.

Bisher war nur von einem Abbau von 700 Stellen die Rede. Für das Geschäftsjahr 2017/18 (per 30. September) kalkuliert Siemens Gamesa aber mit einem Umsatzrückgang auf 9,0 bis 9,6 Milliarden Euro, das wären bis zu zwei Milliarden weniger als zuletzt.

Siemens gab Tacke, der kurz nach dem Zusammenschluss mit der spanischen Gamesa aus der Siemens-Windkraft-Sparte an die Spitze des fusionierten Unternehmens gerückt war, Rückendeckung: „Wir sind der Ansicht, dass die geplanten Restrukturierungsmaßnahmen bei Siemens Gamesa notwendig sind, da sich sowohl das Markt- als auch das regulatorische Umfeld strukturell verändert“, sagte ein Sprecher. Zusammen mit dem Wechsel im Vorstand sei das „ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, um eine führende und wettbewerbsfähige Position in der Branche zu erhalten“. Tacke will im Februar 2018 die neue Strategie vorstellen.

Nach der zweiten Korrektur der Prognosen innerhalb von drei Monaten war vor zwei Wochen unter anderem der Finanzchef gegen einen Siemens-Mann ausgetauscht worden. Siemens hält 59 Prozent an Gamesa, zweitgrößter Aktionär ist der spanische Versorger Iberdrola.

In den zwölf Monaten bis Ende September stieg der Umsatz um fünf Prozent auf knapp elf Milliarden Euro, seit der Fusion im April ist er aber um zwölf Prozent eingebrochen. Das lag neben dem Kostendruck auch daran, dass Indien alle Windkraft-Projekte vorübergehend gestoppt hatte. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) schrumpfte in den sechs Monaten seit der Fusion um fast zwei Drittel auf 192 Millionen Euro zusammen. Für das Geschäftsjahr 2016/17 stand ein operatives Minus von 18 Prozent auf 774 Millionen Euro zu Buche, vor allem weil Siemens Gamesa Lagerbestände in Südafrika und in den USA abschreiben musste.

Auch im neuen Geschäftsjahr ist keine Besserung in Sicht. Siemens Gamesa kalkuliert dann mit einer Umsatzrendite von operativ sieben bis acht (2016/17: sieben) Prozent. Das wären 630 Millionen bis 770 Millionen Euro Ebit. Die Firmenwert-Abschreibungen von 321 Millionen Euro und die Kosten für die Integration, die auf 160 Millionen veranschlagt werden, sind darin allerdings noch nicht enthalten.

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