S&P stuft Anleihen Venezuelas als Ausfall ein

Die Ratingagentur S&P hat zwei Anleihen Venezuelas als Ausfall eingestuft. Eine Staatspleite ist das noch nicht.

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Venezuelas Präsident Nicolas Maduro vor Anhängern. (Foto: dpa)

Venezuelas Präsident Nicolas Maduro vor Anhängern. (Foto: dpa)

Die US-Ratingagentur Standard & Poor’s hat zwei Anleihen Venezuelas als  Zahlungsausfall eingestuft. Das US-Unternehmen erklärte am Montag, es habe diese Entscheidung getroffen, nachdem eine Gnadenfrist zur Rückzahlung mehrerer Gläubiger-Forderungen in Millionenhöhe abgelaufen war. Derzeit beliefen sich die nicht gezahlten Obligationen auf 420 Millionen Dollar (360 Millionen Euro), betonte S&P.

Die Einschätzung von S&P ist keine Feststellung einer Zahlungsunfähigkeit des ganzen Landes. Eine solche müsste von der International Swaps and Derivatives Association festgestellt werden.

Venezuela habe Kuponzahlungen für zwei Anleihen, lautend auf US-Dollar, nicht innerhalb des ausschlaggebenden 30-Tage-Zeitraums gezahlt, teilte S&P mit. Deswegen werde die Bewertung der beiden Anleihen auf „D“ für Zahlungsausfall gesenkt.

Zudem werde die Bewertung für langlaufende Anleihen in Fremdwährung auf „SD“ für „Selected Default“ (begrenzter Zahlungsausfall) verringert. Die Note für Anleihen in heimischer Währung stehe weiterhin unter verschärfter Beobachtung (Creditwatch). S&P geht zu 50 Prozent davon aus, dass Venezuela in den kommenden drei Monaten einen weiteren Zahlungsausfall verzeichne.

Standard & Poor’s äußerte sich nach einer Konferenz mit internationalen Gläubigern des Landes in Venezuela, bei der am Montag über eine Umschuldung beraten werden sollte. Das Treffen in Caracas endete aber nach nur 25 Minuten ohne eine Einigung oder einen neuen Termin. Ein in New York tagender Gläubigerausschuss vertagte sich auf Dienstag.

Teilnehmer äußerten sich nach dem Treffen irritiert, berichtet Reuters. Es sei nicht zu erkennen, wie das Land einen Zahlungsausfall vermeiden wolle. „Es ist nichts Substanzielles geschehen“, sagte Anlagestratege Raymond Zucaro vom Vermögensverwalter RVX Asset Management aus Miami. „Der Patient wird immer noch künstlich am Leben gehalten.“

Als große Hürde für die angestrebte Umschuldung gelten die von den USA verhängten Sanktionen gegen Venezuela. Sie laufen darauf hinaus, dass das Land keine neuen Anleihen begeben kann. Außerdem gibt es Strafmaßnahmen gegen die beiden venezolanischen Chefverhandler bei den Schuldengesprächen, Vizepräsident Tareck El Aissami und Wirtschaftsminister Simon Zerpa. Ihnen werden von den USA Drogen- und Korruptionsvergehen vorgeworfen.

Chefanalyst Jan Dehn von der Fondsgesellschaft Ashmore Investment Management äußerte die Einschätzung, dass Maduro einen Zahlungsausfall in Kauf nehmen und diesen dann US-Präsident Donald Trump und der heimischen Opposition in die Schuhe schieben werde. „Er lädt alle Anleihegläubiger ein, und dann wird klar, dass sie nicht in der Lage sein werden, eine Umschuldung auszuarbeiten“, sagte er.

Maduro selbst bekräftigte nach dem Treffen die Absicht, alle Verbindlichkeiten verlässlich zu erfüllen. In den vergangenen drei Jahren habe die Regierung mehr als 73 Milliarden Dollar an Auslandsschulden beglichen. Den Ratingagenturen warf Maduro vor, das Land zu hart zu behandeln und sich damit zu Erfüllungsgehilfen von Trumps Politik zu machen.

Venezuela ist insgesamt mit geschätzten 155 Milliarden Dollar bei ausländischen Gläubigern verschuldet, obwohl es über die größten Erdölreserven der Welt verfügt. Die Devisenreserven sind auf weniger als zehn Milliarden Dollar zusammengeschmolzen. Mit Russland konnte das Land vor Kurzem eine Umstrukturierung der ausstehenden Schulden erreichen.

Im Gegensatz zu Russland haben die USA und auch die EU in den vergangenen Monaten Sanktionen gegen die linksnationale Regierung von Präsident Nicolas Maduro erlassen. Die russische Regierung hat die strategische Möglichkeit erkannt und verstärkt ebenso wie China seine Zusammenarbeit mit dem Land.

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