Japans Banken wegen Nullzinsen unter Druck

Die seit Jahren betriebene Nullzinspolitik der japanischen Zentralbank zermürbt die Großbanken des Landes.

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EZB-Präsident Mario Draghi mit dem Gouverneur der japanischen Zentralbank, Haruhiko Kuroda. (Foto: dpa)

EZB-Präsident Mario Draghi mit dem Gouverneur der japanischen Zentralbank, Haruhiko Kuroda. (Foto: dpa)

Die japanischen Großbanken verschärfen wegen der niedrigen Zinsen und strikter Kapitalvorschriften ihren Sparkurs. „Wir müssen bei den Kosten wettbewerbsfähiger werden und unsere Produktivität steigern“, sagte Mizuho-Financial-Chef Yasuhiro Sato nach Vorlage der Quartalszahlen. Die drittgrößte japanische Bank will weniger Mitarbeiter einstellen und so binnen zehn Jahren rund 19.000 Arbeitsplätze abbauen, berichtet Reuters. Damit fällt etwa ein Viertel der Stellen weg. Zudem will das Institut bis Ende 2025 100 von 500 Filialen schließen.

Auch die größte japanische Bank Mitsubishi UFJ Financial Group (MUFG) plant massive Einschnitte. Bis 2024 will das Institut in der Kernbank 30 Prozent der Prozesse automatisieren – der Papierkram würde sonst 9.500 Mitarbeiter beschäftigen. „Wir müssen unsere Kostenstruktur verändern“, sagte MUFG-Chef Nobuyuki Hirano. Das zweitgrößte japanische Kreditinstitut Sumitomo Mitsui Financial Group (SMFG) will ebenfalls Prozesse straffen. 4.000 Mitarbeiter sollen sich künftig nicht mehr mit der Bürokratie beschäftigen, sondern in andere Geschäftsbereiche wechseln, wie SMFG-Chef Takeshi Kunibe sagte.

Vor Entlassungen schrecken die Großbanken allerdings aus Sorge vor ihrem Ruf zurück. Bei ihnen ist die lebenslange Beschäftigung die Norm. Auch Vorruhestandsregelungen schloss Mizuho-Chef Sato aus.

Japans Geldhäuser leiden unter den seit Jahren niedrigen Leitzinsen der japanischen Zentralbank – und ein Ende der lockeren Geldpolitik der ist nicht in Sicht. SMFG und Mizuho erwarten im laufenden Geschäftsjahr 2017/18 einen Gewinnrückgang, MUFG ein Ergebnisplus von 2,5 Prozent. Japan gilt als potentieller Vorläufer der Entwicklung in Europa, weil die Politik der Nullzinsen und Niedrigzinsen dort schon deutlich länger betrieben wird als in der EU, wo die EZB erst im Jahr 2008 mit ihren Interventionen an den Märkten begann.

In der verzweifelten Suche nach Rendite im Null- und Niedrigzinsumfeld appellieren Japans Banken und Versicherungen inzwischen an die Bürger, mehr am Finanzmarkt zu investieren. Denn aufgrund der starken Überalterung werden in den kommenden Jahren Rentenansprüche in großem Umfang abgerufen, die die finanzielle Situation des Staates und der Finanzdienstleister verschlechtern werden.

„Wenn etwas die Japaner zum investieren veranlassen kann, dann ist es eher die Furcht als die Gier. Die extrem hohen Staatsschulden – mehr als doppelt so groß wie die jährliche Wirtschaftsleistung – haben Befürchtungen genährt, dass die versprochenen Pensionen nicht ausgezahlt werden. Mehr als 50 Prozent des Vermögens der Japaner steckt auf Konten oder bar unter der Matratze fest, verglichen mit nur 14 Prozent in den USA“, schreibt das Wall Street Journal. „Wir müssen unsere Assets ausweiten. Anders können wir in einer super-gealterten Gesellschaft nicht überleben“, wird ein Manager des Fidelity Retirement Institute zitiert.

Japans Finanzbranche warnt inzwischen offiziell vor den Folgen einer zu langen Zeit der ultra-lockeren Geldpolitik. Er sehe den Kurs der Notenbank mit Negativzinsen zwar durchaus positiv als Mittel, die japanische Wirtschaft anzuschieben, sagte der Vorsitzende des nationalen Bankenverbands, Nobuyuki Hirano, am Donnerstag. Aber es sei nicht wünschenswert, dass es zu einem Dauerzustand werde. Denn es bestünde die Gefahr, dass den Banken das Kreditgeschäft wegen hoher Kosten und kaum mehr lukrativer Bedingungen wegbreche und ihre Rolle als Geldgeber für die Unternehmen beeinträchtigt werde. „Er wäre nicht überrascht, wenn dieses Risiko in naher Zukunft zutage tritt“, sagte Hirano, der auch Chef des größten japanischen Geldhauses MUFG ist.