Bitcoin steht vor Einzug in den Derivate-Handel

Mehrere Börsen und Derivatehändler interessieren sich für Spekulationen mit Bitcoin.

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Blockchain schafft Arbeit: Livedaten-Erfassung des Ethereum-Netzwerks bei einem Berliner Unternehmen. (Foto: dpa)

Blockchain schafft Arbeit: Livedaten-Erfassung des Ethereum-Netzwerks bei einem Berliner Unternehmen. (Foto: dpa)

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Der Aufstieg der Krypto-Währung Bitcoin scheint keine Schranken zu kennen. Nachdem das Internet-Geld Anfang der Woche die Marke von 10.000 US-Dollar geknackt hatte, geht der Höhenflug nahezu ungebremst weiter. Allein am Mittwoch verbesserte sich der Bitcoin-Kurs um mehr als neun Prozent auf knapp 11.000 US-Dollar – seit Jahresbeginn hat sich der Preis damit etwa verelffacht. Finanzexperten fällt es immer schwerer, die Ursachen für den Hype klar zu benennen.

Dabei gibt es zumindest einen Grund für den jüngsten Kurssprung: Renommierte Handelsplattformen wollen offenbar Terminkontrakte (Futures) auf die Krypto-Währung anbieten. Das im Jahr 2008 gestartete digitale Geld hat erheblichen Rückenwind durch die Ankündigung der Chicago Mercantile Exchange (CME), der weltweit größten Börse für Futures, erhalten, die Zulassung für Bitcoin-Terminkontrakte zu beantragen. Mit derartigen Finanzprodukten können Anleger auf steigende oder fallende Kurse setzen. Ein Nebeneffekt: Die Digitalwährung wird auch in ihrer Bedeutung aufgewertet und genau das könnte private Anleger derzeit dazu bewegen, bei Bitcoin einzusteigen.

Nach Angaben von CME ist der Start des Futures noch in den verbleibenden Wochen dieses Jahres vorgesehen. Der Referenzkurs für Bitcoin wird bereits seit einiger Zeit von der britischen Derivate-Börse Crypto Facilities berechnet. Der Future werde auf die gleiche Weise funktionieren wie andere Terminkontrakte: Anleger würden sich dazu verpflichten, eine bestimmte Anzahl Bitcoin zu einem festgelegten Preis und zu einem fixen Zeitpunkt zu kaufen oder zu liefern. Vor dem Hintergrund, dass institutionellen Investoren Geschäfte mit der Krypto-Währung wegen bestehender Vorschriften der Aufsichtsbehörden oft untersagt ist, würden diese so einen einfacheren Zugang erhalten. Im Bereich des Möglichen ist auch, dass andere Finanzprodukte wie Indexfonds (ETFs) recht bald folgen könnten.

CME ist nicht der einzige Finanzdienstleister, der von der Entwicklung von Bitcoin noch so einiges erwartet: Der US-amerikanische CME-Konkurrent CBOE hat ebenfalls bei der US-Finanzaufsicht ein Bitcoin-Future beantragt. Auch die Schweizer Bank Vontobel hat zwei Terminkontrakte aufgelegt, mit denen Anleger eine Wette auf fallende Kurse der Digitalwährung eingehen können. Und die französische Kapitalanlagegesellschaft Tobam hat einen Investmentfonds herausgegeben, mit dessen Hilfe sich institutionelle Anleger in Bitcoin engagieren können. Insidern zufolge will auch Nasdaq einen Future auf die Cyber-Devise auflegen. Die Einführung sei für 2018 geplant.

Manches spricht für das digitale Geld, vieles aber auch dagegen. Die US-Finanzaufsicht (SEC) muss die Terminkontrakte noch genehmigen. Die SEC hatte erst im Frühjahr dieses Jahres die Projektierung für einen Bitcoin-ETF abgeschmettert, sie erkannte in den Kursausschläge der Krypto-Währung als Hindernis. Nach wie vor wird die große Volatilität immer wieder hervorgehoben – auch heute noch sind 20 Prozent Plus oder Minus an einem einzigen Tag keine Seltenheit.  So äußerte sich Ulrich Stephan, Chefanlage-Stratege bei der Deutschen Bank: „Ich würde Bitcoin dem normalen Anleger schlichtweg nicht empfehlen. Es ist eine unglaublich spekulative Anlage.“

Im vergangenen Monat hat die britische Finanzaufsicht Anleger vor dem Kauf so genannter CFDs gewarnt. CFDs (englisch für: contract for differences – zu Deutsch: Differenzkontrakte) zählen wie die Futures zu den Derivaten und können spekulativ eingesetzt werden. Dabei besteht auch für Privatanleger das Risiko des Totalverlusts des eingesetzten Kapitals. Wie die Financial Times berichtet, sind die CFDs auf hochvolatile Bitcoin in den Fokus der britischen Finanzaufsicht FCA geraten. Demnach habe die Behörde erklärt: „Wir sind besorgt über das Wachstum des CFD-Handels durch Anleger, insbesondere bei jenen, die als Asset eine Krypto-Währung abbilden.“ Die Preisvolatilität des Assets bringe ein signifikantes Risiko für Privatanleger mit sich.

In einem offenen Brief hat Thomas Peterffy vom US-Derivate-Händler Interactive Brokers die dortige Aufsichtsbehörde vor Bitcoin-Futures gewarnt: Krypto-Währungen wie Bitcoin seien jung und völlig unreguliert. Wenn durch große Schwankungen bei den Terminkontrakten für das digitale Geld Derivate-Häuser in Schwierigkeiten geraten sollten, könnte das im Extremfall die ganze Realwirtschaft destabilisieren.

Falls die US-Finanzsaufsicht den Plänen im Hinblick auf die Futures die Zustimmung verweigert, könnte der rasante Anstieg des Bitcoin-Kurses jäh gestoppt werden. In diesem Punkt sind sich Marktbeobachter einer Meinung. Allerdings dürfte sich der Hype bei einem positiven Entscheid weiter fortsetzen. Hierzu meinte etwa Analyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader: „Der Preis kann auch noch bis auf 50.000 US-Dollar steigen, bevor es zu einer ernsthaften Korrektur kommt.“