Türkei und Griechenland: Konflikt um Erdgas-Bohrungen

Die Türkei steht im östlichen Mittelmeer vor einer Konfrontation mit einer Allianz aus Griechenland, Israel, Zypern und Ägypten.

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Die Beziehungen zwischen der Türkei und einer Allianz bestehend Griechen, Israelis, griechischen Zyprioten und Ägyptern haben sich erheblich verschlechtert. Grund dafür sind die beträchtlichen Erdgas- sowie Kohlenwasserstoff-Vorkommen im östlichen Mittelmeer beziehungsweise die Frage nach deren Aufteilung. Der Marktwert der Öl- und Gasreserven, die bereits 2011 im Mittelmeer südlich von Zypern entdeckt worden waren, beläuft sich nach vorsichtigen Schätzungen aus dem Jahr 2013 auf etwa 600 Milliarden US-Dollar.

In der Region werden weitere neu entdeckte Gasfelder bereits genutzt oder stehen kurz vor ihrer Erschließung, wie etwa Tamar und Leviathan vor der israelischen Küste. Ein Konsortium bestehend aus dem US-amerikanischen Konzern Noble Energy und der israelischen Delek-Gruppe fördert schon seit dem Jahr 2013 Erdgas aus dem Tamar-Feld. Diese Arbeitsgemeinschaft will nun bis zum Jahr 2019 auch das wesentlich größere Leviathan-Vorkommen erschließen.

Es gibt jedoch einen Konflikt, der sich auf der Insel Zypern wie in einem Brennglas fokussiert. Nach einer Invasion türkischer Truppen im Jahr 1974 ist die Insel in einen türkischen Nordteil und in einen griechischen Südteil gespalten. Noch vor wenigen Jahren bestand Hoffnung, dass die enormen Reserven an Kohlenwasserstoffen eine echte Chance ermöglichten, den Konflikt auf friedliche Art und Weise beizulegen. Aber der Optimismus war bald verflogen, weil beide Parteien, sowohl Türken als auch Griechen, in unterschiedlichem Tempo mit der Exploration und den Bohrungen begannen.

Die griechischen Zyprioten hatten erwartet, von der EU als ein Exklusiv-Mandat zu bekommen und in Erwartung einer solchen EU-Entscheidung die Rechte auf die Ausbeutung der Vorkommen an Bodenschätzen in der so genannten Exclusive Economic Zone (EEZ) rund um Zypern beansprucht. Dagegen pochte die Türkei darauf, dass die Administration der griechischen Zyprioten nicht einseitig die Rechte auf Exploration der Ressourcen der gesamten Insel vereinnahmen dürfe.

Damit ist der Streit um die EEZ und die Ausbeutung der Bodenschätze im Meer ein zentraler Punkt in diesem Konflikt. Die Reaktion Ankaras auf die Bemühungen der zypriotischen Griechen im Sommer dieses Jahres, die Erdgas-Bohrungen vorangetrieben hatten, war heftig. Wie Associated Press berichtete, hatte die türkische Armee eine Fregatte entsandt, um ein Bohrschiff zu beobachten, von dem sie vernuteten, dass dieses damit begonnen hatte, trotz der türkischen Einwände nach Öl und Gas zu suchen.

Erst Ende November hatte der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi die griechischen Zyprioten besucht, um mit ihnen in Nikosia über die Vorkommen an Kohlenwasserstoffen in der Region zu sprechen. Neben dem Präsident Ägyptens nahmen auch der griechische Premierminister Alexis Tsipras sowie der griechisch-zypriotische Präsident Nicos Anastasiades an dem Treffen teil. Demgegenüber wurden die Ergebnisse der Dreierrunde vom türkischen Außenministerium für „null und nichtig“ erklärt.

Trotz des türkischen Widerstands hat das Bohrschiff Saipem 12000 zwischen März und Dezember 2017 in Übereinstimmung mit bestehenden Abkommen die Exploration im Auftrag der französischen TOTAL und der italienischen Eni in der Region unternommen. Darüber hinaus haben sich Italien, Griechenland, Israel und die griechischen Zyprioten über den Bau einer Pipeline zu den neu entdeckten Abbaustätten verständigt. Die Kosten des Pipeline-Projekts mit dem Namen „East-Med“ mit einer Länge von über 2.000 Kilometern werden auf 6 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Als Antwort darauf hat die Türkei – zur selben Zeit als die Saipem 12000 im Einsatz war – erklärt, einen Teil des Gebiets für militärische Übungen zu beanspruchen. Ankara hat inzwischen auch mehrere Kriegsschiffe und U-Boote vor Ort. Zudem stellen die Türken ab Januar 2018 ein neues Bohrschiff in Dienst. Nun stellt sich die drängende Frage, ob die Armee dem Fahrzeug Geleitschutz gewähren wird, was die Situation weiter zu verschärfen droht. Eine mögliche Krise rund um die Kohlenwasserstoffe wäre ein hervorragender politischer Grund für alle beteiligten Regierungen, um sich der Unterstützung ihrer nationalistischen Basis zu versichern.

Unter dem Strich und auch unter dem Eindruck der Erfahrungen aus dem Jahr 2017 könnte es im östlichen Mittelmeer im Jahr 2018 zu vermehrten und stärkeren Konflikten kommen. Die Regierung, welche wahrscheinlich noch am ehesten in der Lage wäre, zwischen Ankara und Nikosia zu vermitteln, ist die russische, die im Mittleren Osten seit der Intervention im syrischen Stellvertreterkrieg über den größten Einfluss verfügt.