Finanzen

Spekulanten wetten gegen US-Staatsanleihen

Lesezeit: 3 min
10.01.2018 17:17
Die Renditen von US-Staatsanleihen sind in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen. Spekulanten hoffen einen Trend.
Spekulanten wetten gegen US-Staatsanleihen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

+++Werbung+++

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen sind in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen. Wie die Financial Times berichtet, erkennen einige Marktbeobachter inzwischen eine Trendwende.

„Der Bärenmarkt bei Anleihen ist bestätigt. Ein 25-jähriger langfristiger Trend wurden bei Papieren mit Laufzeiten von 5 und 10 Jahren gebrochen“, schrieb der Anleihenexperte Bill Gross am Dienstag auf Twitter, nachdem die Renditen von US-Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit um 7 Basispunkte gestiegen waren und die Marke von 2,5 Prozent überschritten hatten. Auch am Mittwoch hielten sich die Papiere mit etwa 2,59 Prozent deutlich über dieser Marke und rentierten so hoch wie zuletzt im März 2017.

Unter Druck gerieten die Kurse am Mittwoch auch aufgrund von Nachrichten aus China. Wie Bloomberg berichtet, sollen hochrangige Beamte dort der Regierung empfohlen haben, die Käufe von US-Staatsanleihen zu verlangsamen oder sogar zu stoppen. China gehört zu den wichtigsten Käufern der Papiere und ist der größte Gläubiger der USA.

Allerdings ist von einem Abverkauf aus China noch nichts zu bemerken. Wie der Finanzblog Zerohedge analysiert hat, hat China im Jahr 2017 seine Bestände an Treasuries stabil gehalten und trotz verschiedener Ankündigungen nicht damit begonnen, die Papiere abzustoßen.

Hegdefonds könnten die Spekulationen lanciert haben, um die Renditen in die Höhe zu treiben. Tatsächlich ist der Spread zwischen Treasuries und Bunds weiter geworden.

Der Börsenhandel an der Wall Street war am Mittwoch erstmals in diesem Jahr mit Kursverlusten in den Handel gestartet. Anleger fürchten, dass der US-Staatsanleihenmarkt ins Taumeln geraten könnte, sagte Analyst Peter Cardillo vom Handelshaus First Standard Financial. „Für einen Markt, der wohl einen Grund für eine Verschnaufpause sucht, ist es nicht unvernünftig, den heutigen Anstieg der Renditen als Auslöser zu nutzen“, sagte Anlagestratege Art Hogan von der Investmentbank B. Riley FBR.

Der Finanzmarkt-Beobachter Bill Blain drückt die mögliche Trendwende folgendermaßen aus: „Wir sind nun wieder in einer Anleihen-Umwelt, in der die Grundsätze der wirtschaftlichen Aktivität wieder gelten: Inflation, Volkswirtschaft, Arbeitsplatzwachstum und Lohnwachstum, ökonomische Aktivität, Angebot und Nachfrageprobleme, Engpässe in der Produktion, Infrastruktur und all die anderen Kräfte im Markt. Diese werden nun immer mehr gegenüber den Zentralbanken und der Regulierungsmentalität, ultraexpansiver Geldpolitik, Quantitative Easing und den teuflischen Derivaten an Gewicht gewinnen, welche die Märkte in den vergangenen 10 Jahren verzerrt haben.“

Die Renditen zehnjähriger US-Papiere waren in fünf der sechs vergangenen Handelstage gestiegen. Die Rendite deutscher zehnjähriger Anleihen lag bei 0,54 Prozent und damit so hoch wie zuletzt im Juli 2017. Selbst die Renditen japanischer Anleihen – welche ebenso wie europäische Papiere durch Käufe der Zentralbanken gedrückt werden – stiegen in der laufenden Woche deutlich an.

Die gestiegenen Risikoaufschläge sind aus Sicht des Anleiheexperten Jeffrey Gundlach eine Folge der Erwartung von Händlern, dass die großen Zentralbanken ihre Geldpolitik in den kommenden Jahren schrittweise normalisieren werden. Die Folgen einer solchen Normalisierung auf die Finanzmärkte sind derzeit nicht absehbar, weil diese sich in den vergangenen zehn Jahren an die dauerhafte Unterstützung durch die Notenbanken gewöhnt hatten.

Gundlach erkennt in der Ankündigung der japanischen Notenbank, die Käufe lang laufender japanischer Staatsanleihen einzuschränken, ein Zeichen für eine „Ära der quantitativen Verengung“. Die Bilanz der Bank of Japan war kürzlich zum ersten Mal seit vielen Jahren leicht geschrumpft. Die EZB kauft seit Januar Anleihen im Umfang von monatlich etwa 30 Milliarden Euro und hat bislang kein formales Ende der Maßnahmen verkündet – den Umfang der Käufe jedoch verglichen mit dem Jahr 2017 halbiert.

Gundlach zufolge wäre ein Überschreiten der Rendite-Marke von 2,63 Prozent bei US-Anleihen „eine große Sache“, weil dadurch aus seiner Sicht ein technisches Niveau gebrochen und ein Abverkauf in dem Segment ermöglicht werde.

In den vergangenen 30 Jahren sanken die Anleihe-Renditen der großen Industrienationen tendenziell – im Gegenzug stiegen die Kurse der Papiere. Insbesondere die massive Manipulation auf den Märkten im Zuge der Ankaufprogramme der Zentralbanken hatte dieser Entwicklung seit der Finanzkrise neuen Schub gegeben. Gundlach und Gross erwarten, dass dieser Trend im laufenden Jahr durch den geldpolitischen Rückzug der Zentralbanken umgekehrt werden könnte.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Marktbericht
Marktbericht Mit digitalem Gold auf Erfolgskurs

Die Vervielfachung der Geldmenge hat enorme Auswirkungen. Die Inflation ist nicht mehr aufzuhalten. Auf der anderen Seite zeichnet sich...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der Ausverkauf geht weiter: Nächster deutscher Hightech-Konzern wird vom Ausland übernommen

Trotz ständigen Bekundungen der Bundesregierung, strategisch wichtige Unternehmen vor Übernahmen aus dem Ausland zu schützen, geht der...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Zwischen Russland und Saudi-Arabien bahnt sich ein neuer Ölpreis-Krieg an

Im März findet das nächste Treffen der OPEC + statt. Während Saudi-Arabien die Öl-Produktion weiter drosseln will, plädiert Russland...

DWN
Politik
Politik Jetzt bahnt sich auch ein digitaler EU-Impfpass an

Am 25. und 26. Februar werden die Mitglieder des Europäischen Rates zusammenkommen, um über die Einführung von digitalen Impfpässen zu...

DWN
Deutschland
Deutschland Plötzlich üben die Medien Kritik an Spahn, doch es ist zu spät

Die Medienlandschaft hat sich dazu durchgerungen, Jens Spahn zu kritisieren. Doch es ist zu spät, obwohl die Deutschen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundesbank warnt vor überhöhten Immobilienpreisen

Im vergangenen Jahr haben die „markanten Preisübertreibungen“ auf dem Wohnungsmarkt zugenommen, so die Bundesbank. Teilweise liegen...

DWN
Finanzen
Finanzen Digitale Zentralbankwährungen für den Großhandel und Einzelhandel bahnen sich an

In einem aktuellen Bericht plädiert die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich für die Einführung von digitalen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bargeld-Nutzung in den USA ist während der Pandemie gestiegen

In den USA ist nach Angaben eines Unternehmens für Sicherheitsdienste und Werttransporte die Bargeldnutzung gestiegen.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Schwab hatte es „vermutet“: Großunternehmen werden größer, während Kleinunternehmen ganz verschwinden

Der Gründer des Weltwirtschaftsforums Klaus Schwab schreibt in seinem Buch „Covid-19: Der Grosse Umbruch“, das im Juli 2020 erschienen...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundeskabinett beschließt Einführung des digitalen Impfpasses

Das Bundeskabinett hat am Montag die Einführung eines digitalen Impfpasses beschlossen, damit Geimpfte Restaurants und Konzerte besuchen...

DWN
Politik
Politik Blackwater-Gründer Prince spielte zentrale Rolle im Libyen-Krieg

Einem UN-Bericht zufolge spielte der Blackwater-Gründer Erik Prince eine wichtige Rolle im Libyen-Konflikt. Dass die UN erst jetzt auf...

DWN
Finanzen
Finanzen BÖRSE AKTUELL: Heftige Korrektur bei Bitcoin - jetzt wird der Einstieg vollends zum Vabanque-Spiel

Gestern vermeldeten wir den rapiden Kursverfall der Kryptowährung "Bitcoin". Heute liefert unser Börsen-Experte Andreas Kubin, wie...

DWN
Finanzen
Finanzen Dax: Anleger hoffen nach Powells Rede weiter auf Riesen-Konjunkturpaket aus den USA

Die Börsen entwickeln sich langsam weiter. Heute Nachmittag warten die Anleger auf wichtige Konjunkturdaten.

DWN
Politik
Politik E-Patientenakte: Merkel und Spahn haben den Datenschutz ausgehebelt, doch keiner hat es bemerkt

Die Bundesregierung hat durch ein neues Patientenakten-Gesetz den Datenschutz ausgehebelt. In der Akte sollen alle relevanten...

DWN
Deutschland
Deutschland Geduld des Handels ist am Ende: Klagewelle gegen Lockdown rollt

Obi, Media Markt, Breuninger und Co. wollen nicht länger auf Zugeständnisse der Politik warten. Immer mehr Händler versuchen, vor...