Spekulanten wetten gegen US-Staatsanleihen

Die Renditen von US-Staatsanleihen sind in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen. Spekulanten hoffen einen Trend.

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Die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen sind in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen. Wie die Financial Times berichtet, erkennen einige Marktbeobachter inzwischen eine Trendwende.

„Der Bärenmarkt bei Anleihen ist bestätigt. Ein 25-jähriger langfristiger Trend wurden bei Papieren mit Laufzeiten von 5 und 10 Jahren gebrochen“, schrieb der Anleihenexperte Bill Gross am Dienstag auf Twitter, nachdem die Renditen von US-Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit um 7 Basispunkte gestiegen waren und die Marke von 2,5 Prozent überschritten hatten. Auch am Mittwoch hielten sich die Papiere mit etwa 2,59 Prozent deutlich über dieser Marke und rentierten so hoch wie zuletzt im März 2017.

Unter Druck gerieten die Kurse am Mittwoch auch aufgrund von Nachrichten aus China. Wie Bloomberg berichtet, sollen hochrangige Beamte dort der Regierung empfohlen haben, die Käufe von US-Staatsanleihen zu verlangsamen oder sogar zu stoppen. China gehört zu den wichtigsten Käufern der Papiere und ist der größte Gläubiger der USA.

Allerdings ist von einem Abverkauf aus China noch nichts zu bemerken. Wie der Finanzblog Zerohedge analysiert hat, hat China im Jahr 2017 seine Bestände an Treasuries stabil gehalten und trotz verschiedener Ankündigungen nicht damit begonnen, die Papiere abzustoßen.

Hegdefonds könnten die Spekulationen lanciert haben, um die Renditen in die Höhe zu treiben. Tatsächlich ist der Spread zwischen Treasuries und Bunds weiter geworden.

Der Börsenhandel an der Wall Street war am Mittwoch erstmals in diesem Jahr mit Kursverlusten in den Handel gestartet. Anleger fürchten, dass der US-Staatsanleihenmarkt ins Taumeln geraten könnte, sagte Analyst Peter Cardillo vom Handelshaus First Standard Financial. „Für einen Markt, der wohl einen Grund für eine Verschnaufpause sucht, ist es nicht unvernünftig, den heutigen Anstieg der Renditen als Auslöser zu nutzen“, sagte Anlagestratege Art Hogan von der Investmentbank B. Riley FBR.

Der Finanzmarkt-Beobachter Bill Blain drückt die mögliche Trendwende folgendermaßen aus: „Wir sind nun wieder in einer Anleihen-Umwelt, in der die Grundsätze der wirtschaftlichen Aktivität wieder gelten: Inflation, Volkswirtschaft, Arbeitsplatzwachstum und Lohnwachstum, ökonomische Aktivität, Angebot und Nachfrageprobleme, Engpässe in der Produktion, Infrastruktur und all die anderen Kräfte im Markt. Diese werden nun immer mehr gegenüber den Zentralbanken und der Regulierungsmentalität, ultraexpansiver Geldpolitik, Quantitative Easing und den teuflischen Derivaten an Gewicht gewinnen, welche die Märkte in den vergangenen 10 Jahren verzerrt haben.“

Die Renditen zehnjähriger US-Papiere waren in fünf der sechs vergangenen Handelstage gestiegen. Die Rendite deutscher zehnjähriger Anleihen lag bei 0,54 Prozent und damit so hoch wie zuletzt im Juli 2017. Selbst die Renditen japanischer Anleihen – welche ebenso wie europäische Papiere durch Käufe der Zentralbanken gedrückt werden – stiegen in der laufenden Woche deutlich an.

Die gestiegenen Risikoaufschläge sind aus Sicht des Anleiheexperten Jeffrey Gundlach eine Folge der Erwartung von Händlern, dass die großen Zentralbanken ihre Geldpolitik in den kommenden Jahren schrittweise normalisieren werden. Die Folgen einer solchen Normalisierung auf die Finanzmärkte sind derzeit nicht absehbar, weil diese sich in den vergangenen zehn Jahren an die dauerhafte Unterstützung durch die Notenbanken gewöhnt hatten.

Gundlach erkennt in der Ankündigung der japanischen Notenbank, die Käufe lang laufender japanischer Staatsanleihen einzuschränken, ein Zeichen für eine „Ära der quantitativen Verengung“. Die Bilanz der Bank of Japan war kürzlich zum ersten Mal seit vielen Jahren leicht geschrumpft. Die EZB kauft seit Januar Anleihen im Umfang von monatlich etwa 30 Milliarden Euro und hat bislang kein formales Ende der Maßnahmen verkündet – den Umfang der Käufe jedoch verglichen mit dem Jahr 2017 halbiert.

Gundlach zufolge wäre ein Überschreiten der Rendite-Marke von 2,63 Prozent bei US-Anleihen „eine große Sache“, weil dadurch aus seiner Sicht ein technisches Niveau gebrochen und ein Abverkauf in dem Segment ermöglicht werde.

In den vergangenen 30 Jahren sanken die Anleihe-Renditen der großen Industrienationen tendenziell – im Gegenzug stiegen die Kurse der Papiere. Insbesondere die massive Manipulation auf den Märkten im Zuge der Ankaufprogramme der Zentralbanken hatte dieser Entwicklung seit der Finanzkrise neuen Schub gegeben. Gundlach und Gross erwarten, dass dieser Trend im laufenden Jahr durch den geldpolitischen Rückzug der Zentralbanken umgekehrt werden könnte.