Human Rights Watch: Türkei schießt an der Grenze auf Flüchtlinge aus Syrien

Human Rights Watch gibt an, dass türkische Grenzsoldaten auf aus Syrien flüchtende Menschen schießen.

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Der türkische Präsident Recep Erdogan wird von Human Rights Watch angezeigt. (Foto: dpa)

Der türkische Präsident Recep Erdogan. (Foto: dpa)

Türkische Sicherheitskräfte schießen nach Angaben von Human Rights Watch an der syrischen Grenze willkürlich auf Flüchtlinge, die in der Türkei Asyl suchen wollen. „Syrer, die auf der Suche nach Sicherheit und Asyl zur türkischen Grenze fliehen, werden mit Kugeln und Beschimpfungen zur Umkehr gezwungen“, kritisierte die stellvertretende Direktorin von Human Rights Watch (HRW) im Nahen Osten, Lama Fakih, am Samstag laut Reuters. Allein zwischen Mitte Dezember und Mitte Januar hätten nach UN-Angaben knapp 250.000 weitere Menschen Zuflucht im Grenzgebiet gesucht.

Der Sprecher des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sagte auf die Vorwürfe angesprochen, die türkischen Soldaten beschützten die Flüchtlinge. Außerdem verfolge die Türkei seit Beginn des Konflikts in Syrien 2011 eine „Politik der offenen Tür“. „Wir fragen niemals, ob jemand Kurde, Araber, Muslim oder Christ ist, ob er aus dieser oder jener Region stammt“, sagte der Sprecher. Die Türkei hat rund 3,5 Millionen Syrer aufgenommen, mehr als jedes andere Land. Ein ranghoher Regierungsvertreter sagte der Nachrichtenagentur Reuters später, es habe absolut keinen einzigen Fall gegeben, wo an der Grenze auf Zivilisten geschossen worden sei.

Die syrische Armee rückt seit Monaten in die weitgehend von Söldnern kontrollierte Provinz Idlib vor. Die Türkei wiederum startete im Januar eine Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG in der nahe gelegenen Region Afrin.

„Während die Kämpfe in Idlib und Afrin Tausende weitere Menschen vertreiben, dürfte die Zahl der Syrer weiter wachsen, die an der Grenze in der Falle sitzen und bereit sind, ihr Leben aufs Spiel zu setzen, um in die Türkei zu gelangen“, sagte Fakih. Sie forderte den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auf, den Grenzschützern klare Anweisungen zu erteilen, dass tödliche Gewalt gegen Flüchtlinge ebenso wie Misshandlungen verboten seien. Die Tatsache, dass die Türkei so viele syrische Flüchtlinge aufgenommen habe, entbinde sie nicht von ihrer Verantwortung, den Schutzsuchenden an ihrer Grenze zu helfen.

Ob sich auch Söldner unter die Flüchtenden gemischt haben, um aus Syrien zu entkommen, ist unklar. Im Krieg in Syrien haben Söldner immer wieder Menschen missbraucht, in dem sie Zivilisten als menschliche Schutzschilder verwendeten.