Politik

Früherer russischer Botschafter Valentin Falin ist tot

Lesezeit: 1 min
23.02.2018 23:59
Der frühere russische Botschafter Valentin Falin ist tot.
Früherer russischer Botschafter Valentin Falin ist tot

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der russische Diplomat und Publizist Valentin Falin galt über Jahrzehnte als bester Deutschlandkenner des Kremls. An vielen Stellen hat er als sowjetischer Funktionär die Geschichte der Beziehungen zu Deutschland mitgeschrieben. Im Alter von 91 Jahren ist Falin am Donnerstag in Moskau gestorben. «Für uns alle, die ihn kannten, war er der Patriarch der Deutschlandkunde und ein Vorbild als Wissenschaftler-Diplomat», sagte Wladimir Miljutenko, Falins früherer Stellvertreter bei der staatlichen Nachrichtenagentur APN.

Schon in der Ostpolitik unter Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) war Falin ein wichtiger Ansprechpartner. Mit Bundesminister Egon Bahr (SPD) handelte der Diplomat 1970 den deutsch-sowjetischen Moskauer Vertrag aus. Ein Jahr später wurde er Botschafter in Bonn. Ab dann kannte das deutsche Fernsehpublikum sein gutes Deutsch und seine sonore Stimme.

Unter den Spitzenfunktionären der sowjetischen Staatspartei KPdSU galt Falin als Liberaler. Er setzte sich auch für die Reformen unter Parteichef Michail Gorbatschow in den 80er Jahren ein. 1988 wurde er leitender Außenpolitiker im Zentralkomitee, er sah die Instabilität der DDR voraus.

Falin beriet Gorbatschow in den Verhandlungen mit Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) über die deutsche Einheit. Später kritisierte er, Gorbatschow habe zu große Zugeständnisse gemacht. Die Chance darauf, die Konfrontation zwischen der Nato und Russland grundsätzlich zu beenden, sei vor 25 Jahren vertan worden, sagte er 2016: «Wir sind für die Idee eines gemeinsamen europäischen Hauses eingetreten, in dem alle Nationen, alle Staaten gleiche Rechte haben.»

Das Interesse an der deutschen Sprache entwickelte der Bauernsohn, geboren am 3. April 1926 in Leningrad (heute wieder St. Petersburg), schon als Kind. Im Lauf seiner Karriere arbeitete Falin auch als Journalist bei der Zeitung «Iswestija» und bei der Agentur APN. Nach dem Zerfall der Sowjetunion lehrte Falin kurze Zeit am Institut für Friedensforschung der Universität Hamburg.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen EZB rettet Italien und Griechenland mit Erlösen aus deutschen Anleihen

Mit Erlösen aus den Anleihen der Nordländer wird die EZB Anleihen der Südländer kaufen. Damit bricht sie ganz offen die eigenen Regeln....

DWN
Technologie
Technologie US-Sanktionen kurbeln Chinas Chip-Industrie kräftig an

Die US-Sanktionen gegen China scheinen ihren Zweck zu verfehlen. Ex-Google-Chef Eric Schmidt warnt sogar: "Amerika steht kurz davor, den...

DWN
Politik
Politik USA forcieren größte militärische Expansion in Europa seit dem Kalten Krieg

Die USA stationieren deutlich mehr Truppen in Deutschland und den anderen Nato-Partnerstaaten in Europa. Der Kalte Krieg scheint mit aller...

DWN
Technologie
Technologie Norwegische Forscher testen „automatische Küstenwache“

Die neue Technologie könne in naher Zukunft zu neuen Industrien, Wertschöpfung und neuen Arbeitsplätzen in Norwegen führen, so die...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Schweizer Wertarbeit: 125 Jahre Taschenmesser

Einige Fakten zum Schweizer Sackmesser, einem eidgenössischen Exportschlager.

DWN
Politik
Politik Existenzängste: Bauernaufstand in den Niederlanden

Nach Beschluss über existenzbedrohende Düngeregeln: Bauern leeren Güllefass vor dem Wohnhaus der niederländischen Umweltministerin. Die...

DWN
Finanzen
Finanzen Japans Notenbank droht Crash der globalen Finanzmärkte auszulösen

Namhafte Spekulanten wetten massiv auf einen Zinsanstieg in Japan, da die Notenbank keine andere Wahl zu haben scheint. Doch die globalen...

DWN
Politik
Politik Botschafter Melnyk wegen Verteidigung von Nationalistenführer in der Kritik

Nachdem der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk den Nationalistenführer Stepan Bandera verteidigt hat, distanziert sich das ukrainische...