Deutsche Autobauer kündigen hohe Investitionen in China an

Die Autokonzerne VW und Daimler bauen ihre Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern deutlich aus. Auch neue Produktionsanlagen werden in China entstehen.

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Volkswagen will in China künftig zwei Nutzfahrzeug-Modelle bauen lassen. „Wir glauben, dass die Zeit für uns jetzt reif ist, in China durchzustarten und die Angebotspalette des Konzerns um Nutzfahrzeuge zu ergänzen“, sagte VW-Nutzfahrzeug-Vorstand Jörn Hasenfuß der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, wie Reuters berichtet. Die Sparte exportiert der Zeitung zufolge bisher nur wenige Tausend Multivans pro Jahr nach China. Durch eine Produktion am Ort könne man die Fahrzeuge deutlich günstiger anbieten, sagte Hasenfuß.

Die Sparte strebe ein Joint Venture mit dem chinesischen Hersteller JAC für gemeinsame Entwicklung und Vertrieb an. „Am Anfang wollen wir zwei unserer Fahrzeuge sowie zwei Fahrzeuge von JAC optimieren“, sagte Hasenfuß. „Wir übernehmen nun erstmals chinesische Modelle, optimieren sie und können uns auch vorstellen, sie mit VW-Logo zu verkaufen.“

Die Produktion solle JAC als Lizenzfertiger komplett übernehmen. „Wir wollen bei den Investitionen sehr vorsichtig sein und größere Einmalaufwendungen vermeiden“, sagte Hasenfuß. Zu den geplanten Stückzahlen machte er der Zeitung zufolge keine Angaben. Beginnen könne die Fertigung 2020 oder 2021.

Auch Daimler baut die Zusammenarbeit mit seinen chinesischen Partnern aus. Daimler und sein langjähriger Partner BAIC bauen zusammen ein neues Werk zur Produktion von Hybrid- und Elektroautos in der Volksrepublik. Die Investition solle 11,9 Milliarden Yuan (1,52 Milliarden Euro) betragen, heißt es in einer Mitteilung an die Börse vom Sonntag. Das Werk werde verschiedene Modelle der Marke Mercedes produzieren.

Daimler arbeitet bereits seit 2003 mit BAIC zusammen, im November 2013 stieg der Konzern mit zwölf Prozent bei BAIC (Beijing Automotiv Group) ein. Zudem kooperiert der Stuttgarter Konzern bei der Produktion von Elektroautos mit dem chinesischen E-Autobauer BYD (Build Your Dreams).

China schreibt ab 2019 Quoten für Autos mit Elektro- oder Hybridantrieb vor. Dann müssen die Hersteller im Land zehn Prozent ihrer Verkäufe mit sauberen Fahrzeugen machen. Berechnet wird die Quote mit einem komplexen Punktesystem.

Am Freitag erst war bekannt geworden, dass der chinesische Autobauer Geely mit fast zehn Prozent zu Daimlers neuem Großaktionär aufgestiegen ist. Geely-Chef Li Shufu erklärte, er wolle Daimler auf dem Weg zu einem der weltweit führenden Anbieter von Elektromobilität begleiten.

Mit kräftigen Kursaufschlägen von bis zu 8,8 Prozent für die Geely-Aktie haben Anleger am Montag an der Hongkonger Börse auf den Einstieg reagiert. Die Geely-Aktie wurde zeitweise mit 26 Hongkong-Dollar gehandelt.

Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen erkennt im Engagement von Geely einen Gewinn für Daimler. Dudenhöffer sagte den Deutschen Wirtschafts Nachrichten:

Für Daimler ist Li Shufu, der Besitzer und Chairman der Zheijing Geely Holding, oder kurz Chairman Li, wie er von seinen Mitarbeitern genannt wird, ein langfristiger, gut berechenbarer und wichtiger Anker-Investor. Daimler gewinnt mit Geely.  Geely ist für Daimler fast so etwas wie eine Familie Quandt bei BMW oder Porsche-Piëch bei VW.

Li ist ein blendender Strategie und Investor, der dabei ist, einen der wichtigsten Weltkonzerne für Mobilität aufzubauen. Das Muster seiner Strategie ist sehr gut an Volvo car abzulesen. Unter Ford war Volvo zum Sanierungsfall geworden. Man wollte Ford-Fahrzeuge bauen, die den Namen Volvo trugen. Unter Li Shufu baut man Volvos und transformiert das große Know-How der Schweden auf Geely. Deshalb hat Geely im letzten Jahr mit den neuen Volvo-Plattformen einen so großen Markterfolg und konnte seine Verkäufe um 60 Prozent steigern.

Insofern ist Li Shufu eher mit Piëch statt mit „old GM“ oder Ford zu vergleichen. So wie Audi-Technologie bis zu Skoda transformiert wurde, macht es Chairman Li mit Volvo. Volvo kann sich dabei entfalten und blüht auf wie nie zuvor. Dieses Muster wendet Li auch auf die Akquisitionen London Taxi und Lotus an und wird mit Proton, das ebenfalls in der Geely Holding ist, dabei die Technologie-Gewinne auf Volumenfahrzeuge in Asien umlegen.

Aber Li ist mehr als Piëch. Li ist sehr offen für die Welt der neuen Mobilität, und das ist deutlich mehr als das Auto. Daher hat er 50 Prozent der Saxo-Bank übernommen, baut das Ride-Hailing System seiner neuen Mobilitätsmarke CaoCao aus und bringt eine völlig neue Marke „Lynk &Co“, die das Vertriebssystem revolutioniert, an den Start. Und kauft Terrafugia, einen Silicon Valley Start-up, der sich mit fliegenden Autos beschäftigt oder 15 prozent von Volvo Trucks. Die Geschwindigkeit von Li und der Geely Holding ist atemberaubend. Genau das ist auch das große Plus für Daimler.

Unternehmen, die „stand alone“ sind, so wie etwa BMW könnten sich in der neuen Welt der Mobilität sehr schwer tun gegenüber Google, Apple, Amazon, die alle mit Macht in das Mobilitätsgeschäft drängen. Daimler hat mit Geely einen Partner, der eine Technologiemacht den Silicon Valley Konzernen gegenstellt. Daher ist der Einstieg von Geely eine sehr gute Sache für Daimler. Daimler wird dadurch stärker und noch innovativer. Die Blaupause Volvo zeigt den Weg.