Vor der Wahl: Italien malt ein rosiges Bild seiner Banken

Das Problem der faulen Kredite der italienischen Banken ist nicht gelöst. Vor der Parlamentswahl versucht die Regierung, ein rosiges Bild zu zeichnen.

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Italiens notleidende Kredite werden zu einem beliebten Investitionsobjekt von Investoren. Die Banken bekommen dadurch mehr Freiraum für profitables Geschäft und können wieder mehr Kredite vergeben.

Italiens Banken führen europaweit die meisten notleidenden Kredite (non-performing loans oder NPLs) in ihren Bilanzen. Doch in den letzten zwei Jahren werden mehr und mehr dieser Kredite von Investoren aufgekauft. Fabrizio Pagani, der Stabschef des italienischen Ministeriums für Wirtschaft und Finanzen sagte zu Bloomberg, dass die Zeit der faulen Kredite in Italien vorbei sei.

Mit 224 Milliarden Euro trugen Italiens Banken fast genauso viele NPLs in ihren Bilanzen wie die Banken im Vereinigte Königreich, in Deutschland, in den Niederlanden, in Portugal und in Irland zusammen (siehe Abbildung 1). Im Jahr 2017 hat sich der Bestand an NPLs in Italien jedoch um mehr als 120 Milliarden Euro reduziert. Italien ist damit laut einer Studie von Deloitte der aktivste Markt für NPLs.

Die schlechte wirtschaftliche Lage führte zu Kreditausfällen

Kredite werden als notleidend bezeichnet, wenn die Schuldner ihren Verpflichtungen ganz oder teilweise nicht mehr nachkommen können. Dies ist der Fall, wenn 1) der Schuldner bankrott ist, 2) die Bank die Rückzahlung als unwahrscheinlich einschätzt oder 3) die Zahlungen seit mehr als 90 Tagen überfällig sind. Eine Rückzahlung ist also nicht in jedem Fall ausgeschlossen, für die Banken bedeutet es aber mehr Aufwand, die Forderungen einzutreiben.

Der Anteil der NPLs stieg in Italien nach der weltweiten Finanzkrise 2008 deutlich an (siehe Abbildung 2). Die schlechte wirtschaftliche Lage in den Folgejahren führte dazu, dass mehr Kreditnehmer zahlungsunfähig wurden und so ihren Verpflichtungen gegenüber den Kreditgebern nicht mehr nachkommen konnten.

Für Banken sind faule Kredite jedoch eines der Hauptrisiken. Steigt die Menge der faulen Kredite in den Bilanzen, steigen die Kosten und es werden weniger Kredite an Unternehmen und private Haushalte vergeben. Das wirkte sich wiederrum negativ auf die sowieso schon schlechte Wirtschaftslage aus.

Investoren kaufen notleidende Kredite im großen Stil

Dieser negative Kreislauf scheint nun durchbrochen. In der ersten Jahreshälfte 2017 konnten italienische Banken laut Deloitte die meisten Abschlüsse beim Verkauf von NPLs verzeichnen. Die wichtigsten Käufer waren der italienisch Bankenrettungsfonds Atlante II, die Banca IFIS und der Hedgefonds Christofferson, Robb & Company (siehe Abbildung 3).

Auch in der zweiten Jahreshälfte 2017 ging es so weiter: UniCredit verkaufte beispielsweise im Juli 2017 faule Kredite in Höhe von 17,7 Milliarden Euro an Pimco und Fortress. Im Januar 2018 kaufte der Investmentfonds Quaestio Capital Fund ein großes NPL Paket der italienischen Bank Monte dei Paschi: Für 800 Millionen Euro bekam Quaestio etwa 95 Prozent eines NPL Pakets mit faulen Krediten im Wert von 25 Milliarden Euro.

Neue faule Kredite und ein hoher Preis für die Banken

Italiens Wirtschaft profitiert von dem Rückgang der notleidenden Kredite. Banken können mehr Kredite an Unternehmen und private Haushalte vergeben. Das fördert das Wirtschaftswachstum: Seit 2014 wächst Italiens Wirtschaft, zuletzt mit 1,51 Prozent im Jahr 2017.

Die Menge der neuen NPLs pro Quartal liegt noch über dem Niveau vor der Krise (siehe Abbildung 4). Im dritten Quartal 2017 kamen beispielsweise 5,84 Milliarden neue NPLs hinzu. Der Trend entwickelte sich positiv in den letzten Jahren, aber der Zufluss schwankt immer noch sehr stark zwischen den Quartalen. Die Neubelastung durch NPLs für Banken ist somit immer noch sehr hoch.

Der Verkauf der NPLs ist für Banken auch eine teure Lösung. Beispiel der Quaestio-Deal mit Monte dei Paschi: Der Verkaufspreis des NPL-Pakets lag bei drei Prozent des ursprünglichen Wertes der Kredite. Die Differenz muss die Bank abschreiben. Das bereinigt zwar die Bilanz von risikobehafteten Krediten, bedeutet aber auch Verluste. Monte die Paschi erwirtschaftete in den letzten zwei Jahren einen Verlust von 6,7 Milliarden Euro und wurde im Zuge der Bankenrettung der italienischen Regierung mit frischem Kapital ausgestattet.

Fabrizio Pagani sagte zu Bloomberg weiter, dass der italienische Bankenmarkt vor einer Konsolidierung stünde, es gäbe zu viele Banken. Monte die Paschi wird seiner Meinung nach eine wichtige Rolle dabei spielen. Der Abbau der NPLs macht die Banken attraktiver für potenzielle Käufer.

Am Sonntag sind außerdem Parlamentswahlen in Italien. Ein Ende der Bankenkrise ist ein gutes Wahlkampfargument für die jetzige Regierung. Gelöst ist das Problem aber erst, wenn der Bestand an NPLs deutlich abgebaut ist, weniger neue NPLs nachfließen und die Banken profitabel arbeiten.