Konkurrenz für die Bahn: Flixbus steigt in den Zugverkehr ein

Der Fernbus-Anbieter Flixbus steigt in den Schienenverkehr ein.

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Der Fernbusanbieter Flixbus macht ab Ende dieses Monats der Deutschen Bahn Konkurrenz. Am 24. März eröffnet das Münchener Unternehmen die Fernzugstrecke Hamburg – Essen – Düsseldorf – Köln. Mitte April wird die Strecke Stuttgart – Frankfurt – Hannover – Berlin folgen. Auf beiden Strecken wird jeweils ein Zug unterwegs sein, auf der Strecke Stuttgart – Berlin sollen es ab Sommer zwei Züge sein. Die Züge fahren morgens los und im Laufe des Nachmittags beziehungsweise des Abends wieder zurück. Der genaue Fahrplan wird noch bekannt gegeben.

Flixbus betreibt die Strecken mit zwei Partnern: dem Bahn-Touristik-Express aus Nürnberg auf der Verbindung Hamburg-Köln und dem tschechischen Eisenbahn-Unternehmen Leo Express auf der Strecke Stuttgart-Berlin. Die Münchener werden für den kaufmännischen Bereich zuständig sein, inklusive Marketing, Vertrieb, Kundenservice, Preisgestaltung, Netzplanung und zentrale Betriebssteuerung. Ihre Partner werden den operativen Schienenbetrieb verantworten. Leo Express hatte im August 2017 die Aktiva aus der Insolvenz des Fernverkehrzug-Betreibers Locomore übernommen, der bis Mai 2017 die Strecke Stuttgart-Berlin bedient hatte.

„Wir denken durchaus darüber nach, das Geschäft mit Fernzügen weiter auszubauen“, sagte Flixbus-Chef André Schwämmlein in einem Interview, wie AFP berichtet. Welche Strecken das sein werden, kann das Unternehmen allerdings erst zum Fahrplanwechsel im Dezember bekannt geben. Der Betrieb jedes Zuges muss nämlich erst bei der DB Netz beantragt werden, die prüft, ob auf der fraglichen Strecke ausreichend Kapazitäten zur Verfügung stehen, was angesichts der bereits bestehenden Auslastung nicht immer der Fall sein wird. Die DB Netz ist zwar eine Tochterfirma der Bahn, darf jedoch Wettbewerber nicht benachteiligen, was von der Bundesnetzagentur überwacht wird.

Ein Sprecher von Flixbus kündigte an, die Preise der Bahn auf allen Strecken zu unterbieten. Die Reisezeiten sollen die des ICE nicht überschreiten. Die Ankunftszeiten der Züge an den einzelnen Bahnhöfen sollen mit den Abfahrtzeiten der Fernbusse abgestimmt werden: „Auf diese Weise kann man dann praktisch jeden größeren Ort im Land schnell und bequem erreichen.“

Für die Bahn ergibt sich durch Flixbus´ Ankündigung eine neue Situation. Zwar herrscht seit der Liberalisierung im Jahr 1994 („Bahnreform“) im Personen-Nahverkehr rege Konkurrenz, im Personen-Fernverkehr hält die Bahn jedoch nach wie vor quasi ein Monopol. „Die Bahn begrüßt grundsätzlich den Wettbewerb im Schienenverkehr“, so ein DB-Sprecher. Als Stärken der Bahn nennt er „das flächendeckende Netz, den Ein-Stunden-Takt im ICE-Verkehr, die kurze Fahrzeit sowie den hohen Reisekomfort“. Herausgefordert hat Flixbus die Bahn schon einmal – mit Erfolg. 2016 stellte das Milliarden-Unternehmen seinen „Berlin Linien Bus“, der über 40 innerdeutsche Strecken befuhr, wegen Erfolgslosigkeit ein.

Flixbus wurde 2013 gegründet und deckt 93 Prozent des deutschen Fernbusmarkts ab. Die Münchener betreiben Linien in 27 europäischen Ländern und fahren mit insgesamt 1500 eigenen sowie Partner-Bussen rund 1400 Zielstädte an. Seit seiner Gründung hat das Unternehmen rund 100 Millionen Passagiere befördert.