Handelskrieg: Deutliche Verluste an Europas Aktienmärkten

Die erneute Eskalation im Handelskrieg zwischen den USA und China hat zu Verlusten an den Aktienmärkten geführt.

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Die Angst vor einem Handelskrieg hat am Mittwoch die Aktienbörsen weltweit wieder eingeholt. Der Dax verlor bis zum Nachmittag 1,4 Prozent auf 12.428 Punkte, der EuroStoxx50 büßte 1,2 Prozent auf 3430 Zähler ein. Vor allem in China gerieten die Kurse ins Taumeln. Die USA verschärften ihren Handelskonflikt mit der Volksrepublik und kündigten zusätzliche Zölle auf Produkte im Wert von 200 Milliarden Dollar an. „Für die Märkte wird der Zollstreit jetzt realer, das lässt sich schwer wegdiskutieren“, sagte Marktanalyst Ken Odeluga vom Onlinebroker City Index. Auch die Wall Street dürfte schwächer eröffnen.

Sollten die USA ihre angedrohten Zölle im geplanten Umfang umsetzen, würde das bedeuten, dass rund die Hälfte der in die USA ausgeführten chinesischen Güter davon betroffen sei, sagte Ökonom Rajiv Biswas vom Forschungsinstitut IHS Markit. „Chinas Exportsektor wird dadurch im US-Geschäft einen großen Wettbewerbsnachteil im Vergleich zu Herstellern anderer Schwellenländer haben.“

Anleger in China warfen neben Aktien auch die Landeswährung aus ihren Depots. Der Yuan, der allerdings nicht frei handelbar ist, wertete zum Dollar um mehr als ein halbes Prozent ab. Viele Anleger in Europa gingen ebenfalls auf Nummer sicher und kauften Dollar. Der Euro gab die Gewinne vom Vorabend ab und rutschte auf ein Tagestief von 1,1696 Dollar.

An den Rohstoffmärkten rauschten die Preise für Rohöl und Kupfer in den Keller: Die führende Nordseesorte Brent verlor bis zu 2,7 Prozent auf 76,76 Dollar je Fass. Bei den Industriemetallen verbilligte sich Kupfer um bis zu vier Prozent und markierte bei 6081 Dollar je Tonne ein Jahrestief.

Am Dax-Ende standen die Aktien von Thyssenkrupp wieder, die über drei Prozent verloren. Anlegern missfiel die offensichtliche Führungskrise des Mischkonzerns: Einem Zeitungsbericht zufolge will der Aufsichtsrat zwar noch in dieser Woche einen Nachfolger für den zurückgetretenen Konzernchef Heinrich Hiesinger finden. Finanzchef Guido Kerkhoff solle übergangsweise einspringen, berichtete das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Unternehmenskreise. Zugleich platzte Aufsichtsratschef Ulrich Lehner der Kragen. In einem Interview kritisierte er einzelne Investoren scharf und schloss eine Zerschlagung des Konzerns aus.

Unter Druck waren zudem erneut die Autowerte. Die Aktien von Daimler, VW und BMW büßten je etwa zwei Prozent ein. „Die Anleger fürchten offenbar, dass auch den Autobauern Zölle drohen könnten“, sagte ein Händler. Zuletzt war spekuliert worden, US-Präsident Donald Trump könnte darauf verzichten. Auch Aktien von Zulieferern wie Leoni oder Schaeffler verloren im MDax je über drei Prozent.

Im hohen Bogen warfen die Anleger in London die Aktien von Micro Focus aus ihren Depots. Die britische Softwareschmiede enttäuschte mit ihren Zahlen zum ersten Geschäftshalbjahr. Die Papiere sausten um mehr als 13 Prozent in die Tiefe und an das „Footsie“-Ende.

Anleger kehrten auch Burberry den Rücken: Investoren bemängelten, dass das erste Quartal des britischen Luxus-Bekleidungsherstellers keine positiven Überraschungen gebracht habe. Burberry-Titel fielen in London um bis zu fünf Prozent. Auch Aktien von Wettbewerbern wie Kering und Hermes verloren im Sog dessen je etwa zwei Prozent.