Landwirtschaft erwartet massive Ernte-Ausfälle

 

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24.07.2018 11:42
Die extreme Trockenheit hat zu schweren Verwerfungen in der Landwirtschaft Nord- und Ostdeutschlands geführt.
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Bauernpräsident Joachim Rukwied rechnet wegen der anhaltenden Hitzewelle mit massiven Ernteausfällen. „Wir erwarten Schäden in Milliardenhöhe“, sagte Rukwied der Passauer Neuen Presse. Allein beim Getreide sei mit sieben bis acht Millionen Tonnen weniger Ernte als im Durchschnitt zu rechnen. „Allein das wäre ein Schaden von rund 1,4 Milliarden Euro.“

Dazu kämen Trockenschäden bei den Herbstkulturen wie Mais, Zuckerrübe oder Kartoffeln, sagte Rukwied. Er verwies auf „Regionen, in denen der Mais gerade mal kniehoch steht“. Normalerweise habe er im Juli eine Höhe von 2,50 Meter.

Rukwied forderte Hilfe von der Politik: „Wichtig ist, dass die Politik die Notstandssituation ausruft, damit dort, wo die Trockenheit extrem zugeschlagen hat, die Landwirte direkt mit Liquiditätshilfen unterstützt werden können.“ In Regionen, in denen es seit Wochen nicht geregnet habe, stünden einige Betriebe ohne Unterstützung vor dem existenziellen Aus.

Die enorme Hitze und Trockenheit in Teilen Deutschlands heizen die Debatte um eine nachhaltige Landwirtschaft an. Die Dürre lässt nicht nur die Getreideernte geringer als sonst ausfallen. Auch das Tierfutter etwa für Rinder droht knapp zu werden, weil auf den Wiesen nicht ausreichend Gras wächst. Grünen-Chef Robert Habeck forderte, Prämien für Landwirte daran zu koppeln, dass eine bestimmte Viehzahl pro Hektar Land nicht überschritten wird. „Passiert das nicht, wird es zu sehr radikalen Schritten kommen müssen, nämlich einer Obergrenze der Viehhaltung“, sagte der schleswig-holsteinische Agrarminister, etwa zwei Rinder pro Hektar Land.

Widerspruch kam vom Bauernverband. „Diesen Vorschlag halten wir für nicht zielführend“, sagte Präsident Rukwied der Deutschen Presse-Agentur. Entscheidend sei, dass die Zahl der Tiere zur Region passt und die Nährstoffkreisläufe stimmten - damit ist etwa die Entsorgung der Gülle gemeint. „Im Übrigen setzt die neue Düngeverordnung dem Tierbestand bereits seine Grenzen“, fügte Ruckwied hinzu. Deutschland hat Ärger mit der EU, weil die Nitratwerte im Grundwasser zu hoch sind - eine Folge von Überdüngung in der Landwirtschaft. Umweltschützer bewerten auch die verschärften Regeln, die seit 2017 in Kraft sind, als zu lasch.

Berichte über Höfe, die Rinder wegen Futtermangels vorzeitig schlachten, kommentierte der Verband der Fleischwirtschaft eher zurückhaltend. Dies könne bei Rindern vorkommen, deren wesentliche Futtergrundlage aus Raufutter wie Stroh oder Heu bestehe. „Bei Kühen scheint dies seit einigen Wochen der Fall zu sein. Die wöchentlichen Schlachtzahlen für Kühe liegen seit Anfang Juni über den Vergleichswerten des Vorjahres“, teilte der Verband mit.

Wegen der Trockenheit wuchs vor allem im Norden und Osten deutlich weniger Grünfutter für Rindvieh, wie es vom Bauernverband hieß. Der stellvertretende Generalsekretär des Verbandes, Udo Hemmerling, sagte: „Die Viehhalter müssen jetzt entweder auf Futtervorräte vom Vorjahr zurückgreifen, Futter zu hohen Kosten zukaufen oder den Viehbestand durch vorgezogene Schlachtungen reduzieren.“ Er betonte auch: „Die Landwirte müssen sehr schwierige Krisenentscheidungen treffen. Der Begriff ‚Notschlachtungen‘ ist jedoch nicht passend, weil gesunde und genährte Tiere geschlachtet werden, dies aber früher als geplant.“

Wegen der Dürre in vielen Teilen Deutschlands rechnet der Bauernverband mit deutlichen Einbußen bei der Getreideernte - allerdings mit großen regionalen Unterschieden. Über Hilfen für die betroffenen Bauern wollen Bund und Länder im August entscheiden, ein erstes Treffen soll es aber schon Ende Juli geben.

Das Wetter macht aber nicht nur Viehhaltern und Getreidebauern zu schaffen. So blicken viele Gemüsebauern mit Sorge auf ihre Bewässerungssysteme. „Es fehlt an Regen. Aber es ist für den gewerbsmäßigen Gemüseanbau noch nicht bedrohlich“, sagte der Geschäftsführer der Bundesfachgruppe Gemüseanbau im Zentralverband Gartenbau, Jochen Winkhoff. Für die Bewässerung ihrer Gewächshäuser nutzten Anbauer riesige Regenwassersammelbecken, die sich wegen des fehlenden Niederschlags leerten. Auch im Freilandgemüsebau sei die Lage vielerorts angespannt, weil das Wasser auch aus Flüssen entnommen wird und dort die Pegelstände sinken.


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