Fed erhöht Leitzins, kündigt weitere Schritte an

Die US-Notenbank hat den Leitzins erneut erhöht.

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US-Notenbank : Chef der US-Notenbank, Jerome Powell am 21.3.2018 in Washington. (Foto: dpa)

Fed-Chef Jerome Powell am 21.3.2018 in Washington. (Foto: dpa)

Angesichts des Wirtschaftsbooms erhöht die US-Notenbank Fed den Leitzins erneut und will bis Ende 2019 noch vier Mal nachlegen. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld stieg um einen Viertelpunkt auf die neue Spanne von 2,0 bis 2,25 Prozent, wie die US-Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell am Mittwoch mitteilten. Es war bereits der dritte Schritt nach oben in diesem Jahr. Wahrscheinlich wird noch ein vierter gegen Jahresende hinzukommen, wie aus dem aktualisierten Zinsausblick hervorgeht. Nächstes Jahr hat die Fed noch drei Anhebungen auf dem Zettel. Wegen des zusehends strafferen Kurses strich die Notenbank die Formulierung, dass die Geldpolitik die Konjunktur weiterhin anschiebe.

Mit den Zinserhöhungen kann die Fed einer Überhitzung der Wirtschaft vorbeugen, die von US-Präsident Donald Trumps radikaler Steuerreform zusätzlich befeuert wird. „Die Notenbank musste jetzt handeln. Denn der heiß gelaufene Jobmarkt mit dem starken Arbeitsplatzaufbau macht eine Straffung derzeit nötig“, sagte Ökonom Nathan Sheets vom Vermögensverwalter PGIM. Doch im Weißen Haus herrscht eine andere Meinung vor: Der auf möglichst hohe Wachstumsraten fixierte Trump hatte im Sommer die Zinserhöhungen ungewöhnlich offen attackiert.

Ökonom Friedrich Heinemann vom Mannheimer Forschungsinstitut ZEW sieht allerdings den von Trump angezettelten Zollkonflikt als einen der Gründe dafür, dass die Notenbank die Zügel strafft: „Der amerikanische Präsident darf sich jetzt nicht über eine Beschleunigung der Zinserhöhungen beschweren. Seine Zollpolitik ist eine der Ursachen für die rasche Gangart der US-Notenbank.“ Denn die US-Sonderzölle auf chinesische Importe dürften für zusätzlichen Inflationsdruck sorgen. Seit Anfang Juli haben sich beiden größten Wirtschaftsmächte der Welt mit Straf- und Vergeltungszöllen überzogen.

Experten hatten mit der Erhöhung gerechnet. Reutere bringt erste Reaktionen:

MARCEL FRATZSCHER, DIW-PRÄSIDENT:

„Das wichtigste Signal ist, dass die Fed dem Druck von US-Präsident Trump standhält und sich nicht von ihrem Kurs abbringen lässt. Genauso notwendig wie eine Abkühlung der amerikanischen Wirtschaft durch das graduelle Anziehen der geldpolitischen Zügel ist, dass die Fed ihre Unabhängigkeit gegenüber der Politik wahrt und somit auch ihre Glaubwürdigkeit schützt. Das hat sie mit dieser Entscheidung getan.

Die Sorge um eine Überhitzung der US-Wirtschaft bleibt trotz der Zinserhöhung bestehen – und damit auch eine erhebliche Wahrscheinlichkeit, dass sich die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten in ein bis zwei Jahren deutlich abschwächt. Ich erwarte mindestens vier weitere Erhöhungen des amerikanischen Leitzinses bis Ende 2019. Dies ist auch dahingehend wichtig, dass die amerikanische Notenbank wieder mehr Spielraum für Zinssenkungen in der nächsten Rezession gewinnt, die früher kommen könnte als von vielen erwartet.

Die höheren Zinsen in den USA könnten die Arbeit der EZB erschweren, denn dies wird den Druck hin zu höheren Zinsen im Euro-Raum erhöhen, wodurch die europäische Wirtschaft weniger stark unterstützt würde als es zur Zeit noch notwendig ist.“

FRIEDRICH HEINEMANN, ZEW:

„Die Entschlossenheit der Fed, den expansiven geldpolitischen Kurs zu beenden, reflektiert nicht nur die kräftige Binnenkonjunktur und den boomenden US-Arbeitsmarkt. Hinzu kommt, dass die umfassenden neuen US-Zölle auf chinesische Importe einen zusätzlichen Inflationsdruck ausüben werden. Es sind die US-Verbraucher, die die ökonomische Last von Donald Trumps Strafzöllen in Form höherer Konsumentenpreise auf chinesische Güter werden tragen müssen. Der amerikanische Präsident darf sich jetzt nicht über eine Beschleunigung der Zinserhöhungen beschweren. Seine Zollpolitik ist eine der Ursachen für die rasche Gangart der US-Notenbank.“

OTMAR LANG, CHEFVOLKSWIRT TARGOBANK:

„Seit rund drei Jahren steht die amerikanische Notenbank für eine Geldpolitik, die zaghaft und bedächtig in Richtung Zinsnormalisierung führt. Davon scheint sie heute ein wenig abzurücken, denn sie hat erstmals seit 2015 den Begriff ‚accomodative‘ aus ihrer geldpolitischen Strategiebeschreibung gestrichen. Ist die Fed also von der starken US-Wirtschaft überzeugt genug, um insgesamt etwas mutiger zu werden? Wir sagen nein. Es könnte der erste Hinweis darauf sein, dass die Zinsanhebungen in 2019 zu Ende gehen. Dazu passt auch, dass die Fed für 2021 von einem schwächeren Wachstum für die US-Wirtschaft ausgeht.“

UWE BURKERT, LBBW-CHEFVOLKSWIRT:

„Die erneute Anhebung ist keine Überraschung, denn die Fed hatte diesen Schritt sorgfältig vorbereitet. Spannender war die Frage nach den neuen Leitzinsprojektionen, und hier haben die FOMC-Teilnehmer ebenfalls auf Kontinuität gesetzt, denn sie signalisieren weiterhin insgesamt vier Zinsschritte für das laufende Jahr – es steht mithin ein weiterer Schritt im Dezember zu erwarten – sowie drei Zinsschritte für das Jahr 2019.

Die Median-Schätzung für den neutralen Leitzins steigt geringfügig an auf 3,0 Prozent (bisher: 2,9 Prozent), zudem wurde die BIP-Wachstumsprojektion für dieses und das nächste Jahr moderat angehoben. Auf der anderen Seite schätzt die Fed die Ausrichtung ihrer Geldpolitik nicht mehr als akkomodierend, also konjunkturfördernd ein, sondern als neutral, was die Notwendigkeit weiterer Zinsschritte etwas herunterstuft. In der Summe ergibt sich ein ausgewogenes Bild. Wir erwarten, dass die Fed auf dem etablierten Pfad einer graduellen Straffung der Geldpolitik einstweilen weiter voranschreitet.“

NATHAN SHEETS, PGIM ASSET MANAGEMENT:

„Die Notenbank ist auf einem sehr guten Weg, die Zinsen weiter auf ein in etwa neutrales Niveau zu schrauben, das die Wirtschaft weder ankurbelt noch bremst. Sie musste jetzt handeln. Denn der heiß gelaufene Jobmarkt mit dem starken Arbeitsplatzaufbau macht eine Straffung derzeit nötig, auch wenn es von der Inflation und dem Lohnwachstum her weniger zwingende Gründe gibt. Dass die Fed auch gegen Kritik von US-Präsident Donald Trump ihren Kurs durchzieht, zeigt, dass die unabhängige Notenbank nur ihrem Mandat verpflichtet ist und nicht auf den Präsidenten hört.“

BASTIAN HEPPERLE, BANKHAUS LAMPE:

„Nach 200 Basispunkten Leitzinsanhebung seit Ende 2015 war es überfällig, den geldpolitischen Kurs als nicht mehr ‚akkommodierend‘ zu bewerten. Das Ende des Zinserhöhungszyklus rückt etwas näher. Vorerst hält die Fed jedoch an ihrem Vorhaben fest, den Leitzins 2019 und 2020 über drei Prozent und damit in den restriktiven Bereich anzuheben. Doch zunehmende Abwärtsrisiken für Konjunktur und Finanzmärkte dürften dazu führen, dass der Zinsgipfel wohl schon Mitte 2019 bei drei Prozent erreicht wird.“