Bundesamt probt Zusammenbruch der Gasversorgung

In Süddeutschland hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe eine Großübung eingeleitet.

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Groß-Übung: Mitarbeiter sitzen an Monitoren in der Leitstelle im Bundesamt für Katastrophenhilfe und Bevölkerungsschutz. (Foto: dpa)

Mitarbeiter sitzen an Monitoren in der Leitstelle im Bundesamt für Katastrophenhilfe und Bevölkerungsschutz. (Foto: dpa)

Seit Wochen herrscht strenger Winter in Deutschland, die Temperatur sinkt auf minus 25 Grad, langsam wird das Gas knapp – ein solches Szenario probt Ende dieses Monats das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), wie die dpa berichtet.

Die Übung mit 2.500 bis 3.000 Beteiligten in der ganzen Bundesrepublik dient dazu, Bund, Länder und Privatunternehmen auf einen solchen denkbaren Ernstfall vorzubereiten. Mit gestellten Tagesschau-Sendungen werden die Teilnehmer in die fiktive Situation eingeführt. Besonders intensiv sind Bayern und Baden-Württemberg in das Training eingebunden.

Hauptübungstage sind der 28. und 29. November. Die zentrale Steuerung agiert von der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz in Bad Neuenahr-Ahrweiler in Rheinland-Pfalz aus. Die Teilnehmer der Übung bleiben an ihren normalen Standorten. „Über das Internet sind wir mit den beteiligten Ministerien, Behörden und Unternehmen verbunden“, erläuterte Unger. So sei es im echten Katastrophenfall auch.

Im Fall einer Gasknappheit würden Energieunternehmen und schließlich der Staat entscheiden, welche Betriebe noch versorgt würden und welche nicht. „Irgendwann käme der Punkt, an dem man die Gasversorgung in ganzen Regionen abschalten müsste. Da stellt sich dann zum Beispiel die Frage: Was mache ich jetzt mit großen Kliniken und Krankenhäusern? Und wie helfe ich der Bevölkerung?“

Der Vize-Präsident der Bundesnetzagentur, Peter Franke, sagte, die Erdgasversorgung in Deutschland sei sicher und zuverlässig. Gleichzeitig sei es sinnvoll, auch für unwahrscheinliche Ernstfälle gut vorbereitet zu sein.

Auch bei einem längeren und großräumigen Stromausfall könnte es in Deutschland nach Berechnungen des BBK gravierende Versorgungsmängel geben. Die Auswirkungen wären „katastrophal“, heißt es in einem internen BBK-Positionspapier, das den Zeitungen der Funke Mediengruppe am Dienstag vorliegt.

Die Bonner Behörde sieht bei einem großen Stromausfall ein „erhebliches Verteilungsproblem für wichtige, teils lebenswichtige Güter“ in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen. So fehlten etwa Notfallpläne zur Verteilung von Kraftstoff, Lebensmitteln und Medikamenten, insbesondere auf Landes- und kommunaler Ebene.

Dem Papier zufolge ist Deutschlands Stromversorgung aber „grundsätzlich sehr sicher“ und hat weltweit mit die kürzesten Ausfallzeiten. Das BBK lobt die wachsende IT-Sicherheit und die steigende Zahl an Notstromaggregaten. Auch habe es in den vergangenen Jahren zahlreiche Übungen zu Strom- oder Energieausfällen gegeben. Dennoch könne es auch hierzulande zu langanhaltenden und großräumigen Stromausfällen kommen – bei schweren Naturkatastrophen, Cyberangriffen und physischen Angriffen auf die Stromversorgung.

Für solche Fälle warnt das BBK beispielsweise: „Die meisten Tankstellen könnten keinen Treibstoff mehr herausgeben. Innerhalb von Stunden könnten Telefone und Internet nicht mehr genutzt werden. An Bargeld würde man nicht mehr herankommen.“ Auch die medizinische Versorgung würde demnach nur für kurze Zeit aufrechterhalten werden können. Kritische Infrastrukturen sind etwa die Versorgung mit Energie, Ernährung und Wasser sowie die Bereiche Verkehr, Telekommunikation, Finanzwesen und Medien.