Deutschland

Hunderte Flugverbindungen wegen Streiks gestrichen

Lesezeit: 2 min
10.01.2019 09:26
Die Streiks an den Flughäfen Düsseldorf, Stuttgart und Köln/Bonn haben den Flugverkehr in Deutschland am Donnerstag erheblich gestört.
Hunderte Flugverbindungen wegen Streiks gestrichen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Ein Warnstreik an drei großen deutschen Airports hat zu Hunderten Flugausfällen geführt. Die meisten Sicherheitsleute an den Standorten Düsseldorf, Köln/Bonn und Stuttgart folgten am Donnerstag dem Aufruf der Gewerkschaft Verdi zu einer ganztägigen Arbeitsniederlegung. Damit untermauerten sie ihre Forderung nach einer deutlich besseren Bezahlung. Mehr als 600 Starts und Landungen fielen aus - in Düsseldorf waren es 370 von 580, in Köln/Bonn 131 von 199 und in Stuttgart 131 von 199. Verdi zeigte sich zufrieden - die Beteiligung an der Arbeitsniederlegung sei sehr hoch gewesen.

Ursprünglich waren an den drei Airports am Donnerstag insgesamt rund 110 000 Passagiere erwartet worden - viele von ihnen hatten sich aber vorab informiert und den Weg zum Flieger gar nicht erst angetreten. Auswirkungen gab es auch an anderen Flughäfen, wo Maschinen aus den drei Arbeitskampf-Standorten erwartet wurden oder dorthin geschickt werden sollten - an den Berliner Flughäfen gab es rund 100 Absagen. Etwa gleich viele waren es in München, dort teilweise aber auch witterungsbedingt.

Am Düsseldorfer Flughafen demonstrierten in den frühen Morgenstunden Hunderte Warnstreikende lautstark mit Trillerpfeifen und Plakaten. Auf einem war etwa zu lesen: «Mehr Lohn? Mit Sicherheit!» Anzeigentafeln zeigten zahlreiche annullierte Flüge. Die zuständige Verdi-Fachbereichsleiterin Andrea Becker zog eine positive Zwischenbilanz, die Beteiligung habe beim Düsseldorfer Sicherheitspersonal bei 70 bis 80 Prozent gelegen. «Die Beschäftigten stehen hinter der Forderung und haben das Signal an die Arbeitgeber gesendet, jetzt ist Schluss mit dem Spiel auf Zeit.» Der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen wertete den ganztägigen Warnstreik als «völlig überzogen».

Im Gegensatz zu anderen Standorten gibt es in Köln/Bonn kein Nachtflugverbot. Nachts ist der rheinische Airport besonders für die Frachtflieger von DHL, UPS und Fedex wichtig. Auch sie betrifft der Warnstreik - ihre Piloten und Ladungen müssen ebenfalls durch die Sicherheitschecks. Die Arbeitnehmer blockierten kurz nach Mitternacht ein Zufahrtstor für Lastwagen mit Fracht an Bord, woraufhin es einen Rückstau bis zur Autobahn gab. Später entspannte sich die Lage.

Der Warnstreik traf auch den Stuttgarter Flughafern. Die Schlangen seien länger als sonst, sagte ein Verdi-Sprecher. «Aufgrund der vielen Annullierungen sind allerdings auch weniger Passagiere erschienen», sagte er.

Verdi fordert für die 23 000 Kontrolleure von Passagieren, Fracht, Waren und Flughafen-Beschäftigten eine bundesweit einheitliche Bezahlung von 20 Euro pro Stunde. Das wäre ein Plus im teilweise hohen zweistelligen Prozentbereich - derzeit ist die Bezahlung je nach Region und Tätigkeit unterschiedlich. Die Arbeitgeber halten das für unrealistisch, sie bieten nach eigener Darstellung ein Plus von bis zu 6,4 Prozent.

Für Verdi ist das zu wenig - nach Berechnung der Gewerkschaft wäre das nur ein Plus von 2 Prozent für das Gros der Beschäftigten. Bereits zu Wochenbeginn hatte Verdi Warnstreiks an den Berliner Flughäfen ausgerufen, die Folgen dieser nur wenige Stunden dauernden Arbeitsniederlegung waren aber deutlich schwächer als am Donnerstag.

Am 23. Januar treffen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmervertreter zur nächsten Verhandlungsrunde. «Wenn dann der Knoten nicht durchgehauen wird, sind die Beschäftigten bereit für eine weitere Auseinandersetzung», sagte Verdi-Fachbereichsleiterin Becker. Soll heißen: Dann könnte es zu weiteren Arbeitsniederlegungen und dadurch bedingten Flugausfällen kommen. Bis dahin also kein Arbeitskampf? Auch Warnstreiks in den nächsten zwei Wochen seien «nicht ausgeschlossen», so Becker. Reisende müssen sich also wohl auf weitere Turbulenzen im Flugplan einstellen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Politik
Politik Paul-Ehrlich-Institut: Fast 50.000 aus Deutschland gemeldete Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen stehen im zeitlichen Zusammenhang mit Impfungen

Das Paul-Ehrlich-Institut führt in einem Sicherheitsbericht aus, dass vom 27.12.2020 bis zum 30.04.2021 „über 49.961 aus Deutschland...

DWN
Politik
Politik Das ist die Rede von Bundespräsident Steinmeier zum 76. Jahrestag des Kriegsendes

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat anlässlich des 76. Jahrestags des Kriegsendes eine bewegende Rede gehalten.

DWN
Finanzen
Finanzen Wann werden die Zentralbanken endlich abgeschafft?

All die vielen monetären Anstrengungen der letzten Jahrzehnte waren anscheinend umsonst. Die Zentralbanken verfehlen ständig ihre Ziele...

DWN
Finanzen
Finanzen Alzheimer: So bewahren Sie Freiheit, Finanzen und Lebensqualität trotz Diagnose

Betroffene und Angehörige reagieren zuerst geschockt auf die Diagnose von Alzheimer oder anderen Demenzerkrankungen. Doch gerade in diesen...

DWN
Deutschland
Deutschland Einmalige Vermögensabgabe durch Super-Reiche könnte dem Bund 310 Milliarden Euro bescheren

Durch eine einmalige Vermögensabgabe durch Multimillionäre in Deutschland könnte der Bund 310 Milliarden Euro einnehmen, um die...

DWN
Politik
Politik Der Klimaschutz entwickelt sich zur Seifenoper: Die Aktivisten ergehen sich in hohlen Phrasen - statt tatkräftig anzupacken

DWN-Kolumnist Ronald Barazon glaubt, dass Klimaschutz notwendig ist. Aber Ergebnisse seien nicht mit Protest und Phrasendrescherei zu...

DWN
Politik
Politik Putin gedenkt Weltkriegs-Ende: Es gibt keine Vergebung für diejenigen, die „wieder aggressive Pläne pflegen“

Anlässlich des 76. Jahrestags des Sieges der Sowjetunion über Nazideutschland hat Russlands Präsident Wladimir Putin gesagt, dass es...

DWN
Politik
Politik US-Marine fängt Schiff mit Tausenden Waffen im Arabischen Meer ab

Die US-Marine hat im Arabischen Meer ein staatenloses Segelschiff mit Tausenden Waffen abgefangen.