Deutschland

Industrie: Kohle-Ausstieg führt zu steigenden Strompreisen

Die deutsche Industrie erwartet deutlich steigende Strompreise, falls es zu einem Ausstieg aus der Kohleverstromung kommen sollte.
22.01.2019 17:35
Lesezeit: 2 min

Die deutsche Industrie knüpft eine Zustimmung zum von der Bundesregierung geplanten Ausstieg aus der Kohle an Entlastungen beim Strompreis. "Eine Kompensation der zu erwartenden Stromkostensteigerungen ist für uns Voraussetzung für die Zustimmung zu einem politischen Ausstieg aus der Kohleverstromung", erklärten am Dienstag gemeinsam die Spitzen der Verbände BDI, DIHK und BDA.

Eine Studie im Auftrag der drei Spitzen-Organisationen kommt zu dem Schluss, dass ein beschleunigter Ausstieg aus der Kohle bis 2030 zu Mehrkosten für Industrie und Verbraucher durch höhere Strompreise zwischen 14 und 54 Milliarden Euro führen würde. Die Industrie verlangt daher unter anderem eine jährliche Entlastung bei den Stromnetz-Gebühren von zwei Milliarden Euro. Wirtschaftsminister Peter Altmaier zeigte Verständnis für die Sorgen der Wirtschaft und stellte zumindest teilweise Entlastungen in Aussicht.

BDI-Präsident Dieter Kempf, DIHK-Chef Eric Schweitzer und Arbeitgeberpräsident (BDA) Steffen Kampeter sind alle Mitglieder der Kohlekommission. Das Gremium will am Freitag über Empfehlungen zu einem Ausstieg aus der Kohleverstromung einschließlich eines Enddatums für den letzten Meiler beraten. Zudem soll es für die besonders betroffenen Braunkohle-Regionen milliardenschwere Hilfen geben. Ohne eine Zustimmung der Industrievertreter würde der angestrebte Konsens mit Gewerkschaften, Wissenschaft und Umweltgruppen in der Kommission nicht zustande kommen.

Die Industrie-Verbände dringen zudem darauf, dass ein Kohle-Ausstieg im Jahr 2023 und 2026 noch einmal überprüft wird. Ab 2023 werden auch keine Atomkraftwerke mehr am Netz sein. Die Auswirkungen auf die Strompreise sind hier noch unklar. Die Verbände räumen ein, dass es eine enorme Bandbreite der in ihrer Studie genannten Strompreiseffekte gibt, da die Rohstoffpreise schwer vorherzusagen seien. "Mit der Festlegung eines starren Abschaltplans für Kohlekraftwerke würde die Politik die deutsche Wirtschaft einem massiven Risiko aussetzen", warnten die Verbände.

Altmaier sagte, er sehe die Gefahr für das Industrieland Deutschland durchaus. Großverbraucher der Industrie wolle man daher von Kosten der CO2-Verschmutzungsrechte im Strompreis auch nach 2020 entlasten, sagte der CDU-Politiker bei einer Energiekonferenz in Berlin. "Für mich ist klar, dass wir diese Strompreiskompensation fortführen müssen." Das hatten auch die Verbände verlangt, da die bisherigen Regelungen 2020 auslaufen. Altmaier sagte, man müsse auch darüber nachdenken, wie man auch kleinere Betriebe, die davon nicht profitieren, vor zu hohen Strompreiskosten schützen könne.

Zuletzt wurden knapp 300 Millionen Euro im Jahr im Zuge der Strompreis-Kompensation erstattet, mit denen energieintensive Betriebe im weltweiten Wettbewerb entlastet wurden. Da die CO2-Preise zuletzt aber drastisch gestiegen waren, wird künftig von weit höheren Beträgen ausgegangen. Eine Verlängerung der Kompensationen muss von der EU gebilligt werden, was in diesem Fall als wahrscheinlich gilt.

Schon heute müssen die deutschen Bürger aufgrund der sogenannten Energiewende die höchsten Strompreise in der EU bezahlen.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.
E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und erkläre mich einverstanden.
Ich habe die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Finanzen
Finanzen Deutsche Bank-Aktie bricht ein: US-Zölle belasten - sollten Anleger jetzt die Deutsche Bank-Aktie verkaufen?
04.04.2025

Ein schwarzer Tag für europäische Banken: Die Deutsche Bank-Aktie hat am Freitag zeitweise mehr als sieben Prozent an Wert verloren und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gegenzölle? Wie Europa auf die Trump-Zölle reagieren kann und will
04.04.2025

Die von Donald Trump geplanten Trump-Zölle als Teil eines umfangreichen Zollpakets dürften nicht unbeantwortet bleiben. Welche konkreten...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wirtschaftsweise Malmendier warnt vor "Inflationsschock" in den USA
04.04.2025

Ökonominnen und Ökonomen sehen klar: Trumps Zölle treiben die Preise nach oben. Die Entwicklung könnte für den Präsidenten politische...

DWN
Politik
Politik Nato-Treffen: Ukrainischer Außenminister Sybiha fordert von Nato mehr Druck auf Russland
04.04.2025

Das Treffen der Außenminister der Nato-Staaten in Brüssel geht zu Ende. Im Fokus stehen Gespräche über die Ukraine. Kiew fordert dabei...

DWN
Panorama
Panorama Kalifornien: Mehr Elektro-Ladestationen als Tankstellen
04.04.2025

Während sich die USA unter der Regierung von Donald Trump zunehmend von Klimaschutzmaßnahmen entfernen, verzeichnet Kalifornien einen...

DWN
Politik
Politik Elon Musk: Rücktritt aus US-Regierung? Der Milliardär dementiert
04.04.2025

Elon Musk hat Berichte des US-Nachrichtenportals Politico zurückgewiesen, wonach er in den kommenden Wochen aus seiner Position als Leiter...

DWN
Politik
Politik „Machen Sie sich auf die Auswirkungen gefasst“: EU kündigt weitere Gegenmaßnahmen zu US-Zöllen an
03.04.2025

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat die Bürger der EU auf die bevorstehenden wirtschaftlichen Folgen...

DWN
Politik
Politik US-Finanzminister warnt vor Vergeltungszöllen: Eskalation könnte die Lage verschärfen
03.04.2025

US-Finanzminister Scott Bessent hat betroffene Länder vor einer schnellen Reaktion auf die jüngste Ankündigung von Präsident Donald...