Gemischtes

Opel: Ingenieure erhalten Geld, wenn sie gehen

Lesezeit: 2 min
20.03.2019 16:59
Opel wird künftig die Technik des Mutterkonzerns PSA verwenden. Hunderte Mitarbeiter des Entwicklungszentrums sollen Abfindungen erhalten.

Mehr zum Thema:  
Auto >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Auto  

Der Autobauer Opel startet ein weiteres Abfindungsprogramm, um sein Entwicklungszentrum in Rüsselsheim zu verkleinern. Der ursprüngliche Plan, 2000 Leute an den französischen Ingenieurdienstleister Segula abzugeben, ist letztlich am Widerstand der Arbeitnehmer gescheitert. In einer sogenannten Einigungsstelle vereinbarten Betriebsrat und Unternehmen nun, den Opel-Ingenieuren zuvor erweiterte Abfindungsangebote zu unterbreiten. Dies teilten beide Seiten am Mittwoch mit.

Die frühere General-Motors-Tochter Opel war im August 2017 vom französischen PSA-Konzern übernommen worden und hatte im vergangenen Jahr mit 859 Millionen Euro den ersten operativen Gewinn seit fast 20 Jahren ausgewiesen, in dem allerdings die Sanierungskosten nicht berücksichtigt sind. Die neue Mutter PSA drängte auf weitere Einschnitte, so dass Opel mit Segula einen Teilverkauf des Rüsselsheimer Entwicklungszentrums und des Testgeländes in Rodgau-Dudenhofen vereinbarte. Der Deal soll noch in diesem Sommer vollzogen werden.

Der Plan stieß auf den erbitterten Widerstand der IG Metall, die das Segula-Geschäftsmodell trotz erheblicher Ausgleichszahlungen von Opel nicht für tragfähig erachtete. Betriebsrat und Gewerkschaft verlangten unter anderem ein Rückkehrrecht zu Opel und einen Kündigungsschutz bis zum Sommer 2023, wie er auch bei einem Verbleib im Unternehmen gegolten hätte. PSA-Chef Carlos Tavares hatte der IG Metall daraufhin vorgeworfen, die Sicherung von 2000 Arbeitsplätzen zu gefährden.

Nach der nun erzielten Einigung können die Beschäftigten wie bereits beim vorangegangenen Sanierungsprogramm «Pace» je nach individuellen Voraussetzungen mit einfachen Bar-Abfindungen gehen oder sich in den Vorruhestand und Altersteilzeit verabschieden. Für die beiden letzten Möglichkeiten wurde der Kreis der Berechtigten um drei Geburtsjahrgänge bis einschließlich 1963 erweitert. Zudem wurde die unbefristete Übernahme der aktuell fertig ausgebildeten Lehrlinge vereinbart.

Die Höhe der Zahlungen entspreche denen der ersten Abfindungsrunde, hieß es im Unternehmen. 2018 waren Abfindungen mit Grundbeträgen bis zu 275 000 Euro gezahlt worden. Damals hatten 3700 Leute das Unternehmen verlassen.

Es bleibt damit zunächst unklar, wie viele der aktuell noch rund 6400 Beschäftigten des Opel-Entwicklungszentrums tatsächlich zu Segula wechseln werden. An seinen Plänen eines eigenen Engineering-Campus in Rüsselsheim hält der Dienstleister fest. Der Weg zur erfolgreichen Umsetzung sei jetzt frei, sagte Deutschland-Chef Martin Lange am Mittwoch und verwies auf großes Interesse externer Kunden. Man wolle 2000 Mitarbeitern eine langfristige Perspektive bieten. Selbstverständlich könnten sich auch Opel-Ingenieure bewerben, die zuvor die Abfindung gewählt hätten, sagte eine Sprecherin.

«Solche Abfindungsprogramme haben das Risiko, dass die Spitzenkräfte die Abfindungen nehmen und dann zu den Wettbewerbern wechseln», sagte der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer in einer ersten Einschätzung. Aus seiner Sicht seien Arbeitsplätze bei anderen Herstellern oder großen Zulieferern für die meisten Ingenieure attraktiver als ständig wechselnde Auftragsarbeiten. Im Rhein-Main-Gebiet wie auch im nahen Mannheim und Stuttgart seien viele potenzielle Arbeitgeber vorhanden.

Mit dem Schritt werde auch immer klarer, dass die grundlegende Opel-Technik in Zukunft von PSA kommen werde, während in Rüsselsheim nur noch wenige Aufgaben verblieben, meinte der Leiter des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen. Opel hatte stets darauf verwiesen, dass man das komplette Design der Opel-Autos sowie zusätzliche zentrale Aufgaben im PSA-Konzern wie beispielsweise die leichten Nutzfahrzeuge und die Brennstoffzellen-Technologie übernehme.


Mehr zum Thema:  
Auto >

DWN
Politik
Politik Stunde der Wahrheit für Ursula von der Leyen: Wiederwahl auf Messers Schneide
17.07.2024

Ursula von der Leyen hofft auf Wiederwahl als Präsidentin der EU-Kommission. Am Donnerstag schlägt in Brüssel ihre Stunde der Wahrheit....

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Seltene Erden aus Monazit: Hoffnungsträger für die Versorgung mit Schlüsselmetallen
17.07.2024

Die deutsche Rohstoffbehörde BGR weist in einer neuen Studie auf das Potenzial von Monazit für die Versorgung mit den chronisch knappen...

DWN
Politik
Politik Covid-Impfstoff: EU-Kommission hielt wichtige Informationen zurück
17.07.2024

Die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen hat laut einem Urteil des EU-Gerichts gegen das EU-Recht verstoßen, indem sie Informationen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundeshaushalt 2025: Wofür die Ampel im nächsten Jahr Geld ausgeben will
17.07.2024

Lange wurde verhandelt, jetzt ist der Bundestag am Zug. Die meisten Ministerien bekommen mehr Geld, als der Finanzminister geben wollte....

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilien: Warum Investoren abwarten
17.07.2024

Niedrige Zinsen haben die Investoren in den vergangenen Jahren vermehrt dazu bewegt, in Wohnimmobilien zu investieren statt in...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutscher Mittelstand sieht erhebliche Kostensteigerungen
17.07.2024

KfW-Befragung: Deutschlands Mittelstand erwartet höhere Kosten: 80 Prozent der mittelständischen Unternehmen rechnen mit Mehrbelastungen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hackerangriffe nehmen zu: Deutsche unterschätzen Cyberkriminalität!
17.07.2024

Trotz alarmierender Bedrohungslage im Cyberraum und einer Zunahme von Hackerangriffen steigt die Unbesorgtheit der Deutschen – laut...

DWN
Politik
Politik Landwirtschaftssubventionen unter der Lupe: Wohin fließen die Milliarden?
17.07.2024

Ende 2023 und Anfang 2024 waren die Bauerproteste ein Topthema in Deutschland. Der Grund, wie so oft, war Geld, genauer gesagt...