Südamerika-Abenteuer vorbei: Uniper trennt sich von Brasilien-Geschäft

Lesezeit: 1 min
05.04.2019 13:24
Mit einer Milliarden-Beteiligung an einem brasilianischen Energie-Versorger wollte E.ON das große Geld machen. Jetzt, sieben Jahre später, verkauft der aus E.ON hervorgegangene Energie-Konzern "Uniper" die Anteile - für gerade einmal 75 Millionen Euro.
Südamerika-Abenteuer vorbei: Uniper trennt sich von Brasilien-Geschäft

Der Energieversorger „Uniper“ zieht einen Schlussstrich unter das von der früheren Konzernmutter E.ON aufgebaute Brasilien-Geschäft. Uniper veräußere seinen verbliebenen Anteil in Höhe von rund sechs Prozent an den brasilianischen Versorger „Eneva“, teilte das Unternehmen mit Sitz in Düsseldorfer heute Morgen mit. Der Verkauf geschehe im Rahmen einer Zweitplatzierung von Aktienpositionen mehrerer Eneva-Aktionäre. Uniper erwartet einen Erlös von rund 75 Millionen Euro. Nach dem Verkauf hat Uniper keine Geschäfte mehr in Brasilien.

Uniper (circa 12.000 Mitarbeiter/ rund 72 Milliarden Umsatz) entstand 2016 durch die Abspaltung der Energie-Erzeugung-Sparten Wasser, Kohle und Gas der E.ON SE. Die Beteiligung an „Eneva“ wurde damals automatisch Teil des neugegründeten Konzerns. An die „Eneva“-Anteile war E.ON gekommen, nachdem Vorstands-Chef Johannes Teyssen nach dem Beschluss der Bundesregierung für einen beschleunigten Atomausstieg im Jahr 2011 international auf die Suche nach neuen Wachstumsmärkten gegangen war. Teyssen wurde in Brasilien fündig, wo sich der von ihm geführte Konzern 2012 an „MPX“ (später in „Eneva“ umbenannt) beteiligte und sich dabei mit dem brasilianischen Milliardär Eike Batista zusammentat. Zusammen hatten „MPX“ (beziehungsweise „Eneva“) und E.ON große Pläne. Sie wollten in Brasilien und Chile Kraftwerke mit einer Leistung von 20.000 Megawatt betreiben.

Die Pläne entwickelten sich zum teuren Rohrkrepierer. Bereits 2013 musste E.ON seine Beteiligung aufstocken, da Batista in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Der Dax-Konzern pumpte mehr als eine Milliarde Euro in das Geschäft, ehe man es faktisch schon vor Jahren als reine Finanzbeteiligung zu den Akten legte. „Der Einstieg in Brasilien war ein Flop. Das war eine Fehlentscheidung", räumte Teyssen später ein.

Batista (62), der einen Teil seiner Jugend in Deutschland verbrachte, machte in den darauffolgenden Jahren weiter Schlagzeilen. Der Unternehmer, der Anfang 2012 laut Forbes mit einem auf 30 Milliarden Dollar geschätzten Vermögen der siebtreichste Mensch der Welt war, verlor innerhalb von eineinhalb Jahren fast sein ganzes Vermögen. Im Juli 2018 wurde er wegen Bestechung eines Politikers zu einer Freiheitsstrafe von 30 Jahren verurteilt.


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