Studie: Deutschland profitiert am stärksten vom EU-Binnenmarkt

 

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19.05.2019 07:41
Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass Deutschland von allen europäischen Ländern am stärksten vom Binnenmarkt profitiert.
Studie: Deutschland profitiert am stärksten vom EU-Binnenmarkt
Jährliche Pro-Kopf-Einkommensgewinne durch den EU-Binnenmarkt (Grafik: Bertelsmann Stiftung)

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Der EU-Binnenmarkt wirkt sich durchweg positiv auf die Einkommen der Bürger in den 28 Mitgliedsstaaten aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bertelsmann Stiftung, die in der letzten Woche veröffentlicht wurde.

Der Studie zufolge steigert der größte Wirtschaftsraum der Welt die Pro-Kopf-Einkommen in Deutschland pro Jahr um geschätzte 1.046 Euro. Für die Bürger aller 28 EU-Staaten seien es im Durchschnitt rund 840 Euro.

"Nicht jeder profitiert gleichermaßen, aber alle gewinnen", sagte Stiftungsvorstand Aart de Geus. Der Binnenmarkt sei der "größte Treiber für unseren Wohlstand". Grundsätzlich gehörten vor allem Länder und Regionen mit hoher Exportorientierung und starker Industrie zu den Gewinnern.

Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass EU-weit durch den 1993 eingeführten Binnenmarkt jährlich insgesamt rund 420 Milliarden Euro Einkommenszuwächse erzielt werden. Auf Deutschland entfalle mit etwa 86 Milliarden Euro das größte Plus.

Die Analyse stellt zudem fest, dass ausgerechnet die Schweiz - Nicht-EU-Mitglied, aber über bilaterale Verträge mit dem europäischen Binnenmarkt besonders verbunden - mit 2.914 Euro Einkommensplus pro Kopf und Jahr am stärksten profitiert.

Es folgen Luxemburg (2.834 Euro) und Irland (1.894 Euro). Unter den besonderen Gewinnern sind auch Belgien, Österreich, die Niederlande. Frankreich (1074 Euro) und Deutschland (1.046 Euro) gehören noch zu den Top-Ten-Profiteuren.

Niedriger seien Zuwächse bei Staaten mit geringerer Wettbewerbsfähigkeit, etwa Spanien, Portugal oder Griechenland mit rund 600 bis 400 Euro pro Person und Jahr. Dasselbe gilt für die eher strukturschwachen Regionen Deutschlands.

Pro-Kopf-Einkommensgewinne der deutschen Regionen

  • Oberbayern +1.489 Euro
  • Hamburg +1.478 Euro
  • Stuttgart +1.304 Euro
  • Darmstadt +1.269 Euro
  • Bremen +1.247 Euro
  • Tübingen +1.188 Euro
  • Köln +1.172 Euro
  • Freiburg +1.150 Euro
  • Düsseldorf + 1.143 Euro
  • Karlsruhe +1.137 Euro
  • Mittelfranken +1.089 Euro
  • Oberpfalz +1.072 Euro
  • Schwaben +1.063 Euro
  • Saarland +1.062 Euro
  • Niederbayern +1.030 Euro
  • Rheinhessen-Pfalz +1.018 Euro
  • Unterfranken +988 Euro
  • Detmold +947 Euro
  • Braunschweig +944 Euro
  • Weser-Ems +936 Euro
  • Oberfranken +930 Euro
  • Hannover +926 Euro
  • Koblenz +926 Euro
  • Kassel +914 Euro
  • Trier +904 Euro
  • Münster +897 Euro
  • Arnsberg +895 Euro
  • Schleswig-Holstein +853 Euro
  • Gießen +849 Euro
  • Berlin +848 Euro
  • Leipzig +808 Euro
  • Dresden +802 Euro
  • Thüringen +739 Euro
  • Chemnitz +729 Euro
  • Lüneburg +714 Euro
  • Mecklenburg-Vorpommern +699 Euro
  • Sachsen-Anhalt +692 Euro
  • Brandenburg +672 Euro

Zwar fallen die Pro-Kopf-Einkommensgewinne in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg relativ niedrig aus. Doch für diese einkommensschwachen Länder bedeutet dies durchaus hohe relative Gewinne, wie die folgende Grafik zeigt.

Bertelsmann Stiftung nennt Gründe für die Einkommensgewinne

Das Wegfallen von Zöllen und anderen Hemmnissen lässt den Handel wachsen, schreiben die Autoren. Es gebe mehr Wettbewerb, was sich positiv auf Produktion und Preise auswirke. Die Handelskosten würden gesenkt. Der Binnenmarkt berge noch viel Potenzial für weitere Wohlstandsgewinne - vor allem beim Handel mit Dienstleistungen, so die Stiftung in Gütersloh.

Zum anstehenden Brexit prognostiziert Studien-Mitautor Dominic Ponattu, ein vollständiger Austritt der Briten aus dem Binnenmarkt würde das Land hart treffen. Das gelte besonders für den Großraum London und die Bewohner in den industrie- und innovationsstarken Süd-Regionen.


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