Protestanten gegen Katholiken: Die Nordirland-Frage

 

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19.05.2019 14:00
Im Ringen um den Austritt Großbritanniens aus der EU stellt die Zukunft Nordirlands das größte Verhandlungsproblem dar. Die Gründe dafür sind historisch bedingt.
Protestanten gegen Katholiken: Die Nordirland-Frage

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Ein Hauptgrund für die Ablehnung des von der britischen Premierminister Theresa May ausgehandelten Brexit-Vertrages durch das Parlament in London war die Frage, wie die Beziehungen zwischen Nordirland und der Republik Irland künftig geregelt werden sollen.

Diese in den Medien als „Backstop“ bezeichnete Regel im bisher ausgehandelten EU-Austrittsabkommen mit Großbritannien sollte garantieren, dass es nach dem Brexit keine Grenzkontrollen zwischen dem britischen Nordirland und dem EU-Mitglied Irland gibt. Demnach bleibt das ganze Königreich zunächst in der Zollunion und Nordirland in Teilen des Binnenmarkts, bis London und Brüssel eine bessere Lösung gefunden haben. Die EU hat zugesagt, dass der Backstop nicht als Dauerlösung gedacht ist. Brexit-Hardliner jedoch fordern ein einseitiges Kündigungsrecht.

Die Gründe dafür, dass das Thema besonders sensibel für alle Beteiligten ist, finden sich in der Geschichte. Seit Anfang des 17. Jahrhunderts siedelte der englische König und schottische Kolonisten in Ulster, der Nordost-Provinz Irlands, an. Die protestantischen Neusiedler sollten die englische Herrschaft im katholischen Irland stabilisieren helfen.

1641 kam es deswegen zu einem breiten Aufstand des katholischen Irlands, welcher sich zunächst vor allem gegen die protestantischen Siedler richtete, von denen tausende getötet wurden. Die Massaker dienten Großbritannien 1649 dazu, gegen Irland einen brutalen Vergeltungsfeldzug zu führen. Endgültig etablierte sich die britisch-protestantische Herrschaft über Irland 1690.

Eine staatsrechtliche Anbindung Irlands an Großbritannien wurde dann einseitig im Jahr 1801 vollzogen. Gegen die fortlaufende Diskriminierung der irisch-katholischen Bevölkerungsmehrheit wandten sich in der Folge verschiedene Gruppierungen, welche ihr Ziel – eine Loslösung von Großbritannien – sowohl mit gewaltlosen als auch mit gewalttätigen Mitteln erreichen wollten. Dazu gehörten die „Catholic-“ und die „Repeal“-Bewegung, die „Home-Rule“-Organisation und die „Irish Republican Brotherhood“.

Die Konfrontation spitzte sich gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu. Aus Furcht, in einem unabhängigen Irland unterdrückt zu werden, verstärkten die Unionisten in der Nordprovinz Ulster ihre Organisationen und rüsteten auf – auch mit Hilfe der englischen Konservativen. Die Unionisten gründeten eine Bürgerkriegsarmee, der auf irisch-katholischer Seite die „Irish Volunteers“ gegenüberstanden.

1921 wurde der überwiegende Teil Irlands von London in die Selbstständigkeit entlassen. Die mehrheitlich protestantischen Grafschaften im Norden der Insel hingegen verblieben mit eingeschränkter Autonomie in Großbritannien.

1972 wurde die Autonomie von Ulster aufgehoben. Die dort ansässige katholische Minderheit sah sich in dieser Zeit zahlreichen rechtlichen, sozialen und wirtschaftlichen Repressionen ausgesetzt. Als Reaktion darauf wurde 1967 die „Northern Ireland Civil Rights Association“ (NICRA) gegründet, eine Dachorganisation verschiedener katholischer Bürgerrechtsverbände. Deren Demonstrationen wurden sowohl von den britischen Sicherheitsorganen als auch von protestantischen Radikalen attackiert, was die Gewaltspirale verschärfte.

Seit 1969 eskalierte die Gewalt. Die britische Regierung entsandte die Armee nach Nordirland, welche die streitenden Parteien trennen sollten. Am sogenannten Blutsonntag (30. 01. 1972) eröffneten britische Fallschirmjäger das Feuer auf Katholiken in Londonderry und töteten 14 von ihnen. Danach versank Nordirland in einen Bürgerkrieg zwischen irischen meist katholischen Nationalisten und protestantischen irisch-britischen Unionisten. Auch die britische Armee wurde Ziel von zahlreichen Angriffen. Der Bürgerkrieg kostete über 3.300 Menschen das Leben, über 42.000 wurden verwundet.

Seit dem Jahr 1991 führte die britische Regierung Friedensgespräche mit den wichtigsten Kriegsparteien in Nordirland. Diese stockten in vielen Fällen, weil die katholische Untergrundorganisation IRA weiterhin Bombenanschläge verübte und sich weigerte, ihre Waffen abzuliefern. 1997 erklärte sie jedoch eine unbefristete Waffenruhe, sodass Sinn Féin zu den Verhandlungen zugelassen wurde. Unter dem starken Druck aus Dublin, London und Washington unterzeichneten die Feinde 1998 ein Friedensabkommen.

Nach schwierigen Verhandlungen konnte 1999 eine Koalitionsregierung gebildet werden, welche Unionisten und Nationalisten umfasste. Irland verzichtete daraufhin auf den in der Verfassung verankerten Anspruch auf Nordirland. Großbritannien hob im Gegenzug die Teilung Irlands formal auf. Nach zahlreichen Debatten und Zusammenbrüchen der Regierungskoalitionen erklärte die IRA 2005 das Ende des bewaffneten Kampfes. Nach den Wahlen im Jahr 2007 wurde eine Regierungskoalition bestehend aus der katholisch-irischen Sinn Féin-Partei und der protestantischen Democratic Unionist Party gebildet.

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