Politik

Frankreich entsendet Truppen nach Zypern

Lesezeit: 2 min
24.05.2019 07:00
Frankreich entsendet Truppen in den griechischen Teil von Zypern. Diese sollen künftig einen Luftwaffenstützpunkt und einen Marinestützpunkt nutzen. Damit will das Land offenbar mit Blick auf die Aktivitäten der Türkei seine Erdgasbohrungen in der Region sichern.
Frankreich entsendet Truppen nach Zypern
​Das östliche Mittelmeer steht im Fokus der Großmächte. (Grafik: Syria Live Map)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inmitten der Spannungen um die Förderung der unterseeischen Erdgasvorkommen bei Zypern baut Frankreich seine militärische Zusammenarbeit mit dem griechischen Teil von Zypern aus. In der vergangenen Woche hatten der zyprische Verteidigungsminister Savvas Angelides und seine französische Amtskollegin Florence Parly ein Abkommen unterzeichnet, wonach das französische Militär den militärischen Teil des Flughafens der westzyprischen Stadt Paphos sowie einen Marinestützpunkt nahe Larnaka nutzen wird.

“Frankreich betritt einen Bereich mit traditionellem britischen Einfluss, der viel über die Ablenkung Großbritanniens aufgrund des Brexits aussagt - Großbritannien war einst eine führende Stimme in Europa und ist es nicht mehr”, zitiert die Cyprus Mail Angelos Chryssogelos vom Chatham House.

Als Grund für die erhöhte französische Militärpräsenz im östlichen Mittelmeer gilt - neben der Krise im Nahen Osten - die Entdeckung unterseeischer Erdgasvorkommen südlich von Zypern. Französische Unternehmen sind an den Bohrungen beteiligt. Diese Erdgasvorkommen haben zu Spannungen zwischen Ankara und Nikosia geführt. Auch Großbritannien hat zwei große Militärstützpunkte auf der Insel.

Der britische Außenminister Sir Alan Duncan hatte in der vergangenen Woche gesagt, dass Großbritannien die Bohrungsarbeiten der Türkei unterstütze. Allerdings nicht in den umstrittenen Gewässerzonen der Insel. Die Aussagen Duncans lösten in Nikosia eine Welle der Empörung aus. Griechisch-Zyperns Präsident Nicos Anastasiades nannte die Erklärung von Sir Alan “inakzeptabel, insbesondere angesichts der starken Unterstützung, die Zypern Großbritannien bei den Brexit-Gesprächen gewährte”.

Hintergrund zum Konflikt - Worum es wirklich geht

Nach einem Bericht der türkischen Zeitung Birgün gibt es direkt vor den südlichen Gewässern von Zypern zwölf Gas-Blöcke, die ausgebeutet werden können. Die Gas-Blöcke  2, 3, 8, 9, 13 und 12 seien komplett zwischen der Türkei und Zypern umstritten. Die Gas-Blöcke 1, 7 und 11 seien teilweise umstritten. Obwohl der Gas-Block 12 umstritten ist, betreibt dort der US-Energiekonzern Noble Energy bereits Bohrarbeiten. Noble Energy bohrt auch gemeinsam mit der israelischen Energie-Firma Delek Energy am Gas-Feld Leviathan nach Gas. Weitere potenzielle Gas-Felder befinden sich direkt vor der türkischen Küste, auf die die Türkei ein Anrecht hat.

Birgün argumentiert, dass der aktuelle Streit zwischen der Türkei auf der einen Seite und Zypern und Griechenland auf der anderen Seite eine internationale Dimension habe. Der eigentliche Kampf tobe zwischen internationalen Energie-Konzernen: “Die Energiekartelle aus Italien, Frankreich und Russland haben ein großes Interesse daran, die Gas-Ressourcen im östlichen Mittelmeer auszubeuten. Der internationale Verteilungskampf lässt sich daran sehen, dass Eni, Total, Novatek und Noble Energy jeweils verschiedene Verträge mit Zypern, dem Libanon, Israel und Ägypten geschlossen haben. Neben der EU seien auch die USA und Russland an den Ressourcen im östlichen Mittelmeer interessiert.

Es gibt zwar viele Diskussionen darüber, wie die Ressourcen ausgebeutet und exportiert werden sollen. Doch die verschiedenen Seiten sind bisher noch zu keiner Einigung gekommen. Die EU hat bereits begonnen, einen Energiekorridor vom östlichen Mittelmeer nach Südosteuropa zu schaffen. Die EU hat mit der Aufnahme Süd-Zyperns in die EU einen erheblichen Einfluss im östlichen Mittelmeer gewonnen und ist zu einem Akteur geworden. Da die EU ihre Energieabhängigkeit von Russland reduzieren möchte, unterstützen sie die Regierung in Nikosia (...) Die Türkei beharrt darauf, dass die südzypriotische Regierung keine Bohrungen vornehmen könne, ohne das Einverständnis der Regierung der Türkischen Republik Nordzypern einzuholen”.

Zypern ist seit 1974 in einen international nicht anerkannten türkischen Nordteil und die griechisch-zyprisch geprägte Republik Zypern mit Nikosia als Hauptstadt geteilt. Die Republik Zypern ist EU-Mitglied, wird aber von der Türkei nicht anerkannt. Ankara lehnt die Ausbeutung der Erdgasvorkommen vor einer Lösung der Zypernfrage und ohne die Zustimmung der türkischen Zyprer ab, so die dpa.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Goldgeld

Eine Goldwährung, welche digital genutzt werden kann und bei welcher die Werte zu 100% mit physischem Gold gedeckt sind, bietet folgende...

DWN
Politik
Politik Bundestagswahl 2021: Deutschland drohen Planwirtschaft und De-Industrialisierung

Die EU setzt mit ihrem „Green Deal“ alles auf eine Karte. Für Europa brechen schwierige Zeiten an - ohne, dass dem Weltklima wirklich...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Plattform-Monopolisten: Der Großangriff auf den Mittelstand hat gerade erst begonnen

Große Tech-Monopolisten saugen den Mittelstand aus - solange, bis dieser zusammengebrochen ist. Ernst Wolff schildert die drastische...

DWN
Finanzen
Finanzen Marc Friedrich: Wir stehen am Ende zweier großer Zyklen, jetzt kommt der globale Schuldenschnitt

Der Finanzautor Marc Friedrich sieht die Welt am Ende zweier bedeutender langfristiger Zyklen angekommen.

DWN
Finanzen
Finanzen Immobiliengigant in Schwierigkeiten: Sorge vor einem Crash in China

Der Immobiliengigant Evergrande steht unter großem Finanzdruck. Der Konzern spricht selber von „beispiellosen Schwierigkeiten“. Wie...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft DWN räumt mit Fehlinformationen auf: Rohstoff-Vorkommen in Afghanistan können nicht erschlossen werden

Alle Welt spekuliert über die Rohstoffe in Afghanistan. Nicht so die DWN: Die führt ein Interview mit einer ausgewiesenen Expertin - und...

DWN
Panorama
Panorama Digitalisierung: Wird der Mensch zum Roboter mit DNA?

Bernd Liske beschreibt die den neuartigen Technologien innewohnenden Risiken und was zu tun ist, um auf eine menschenwürdige Zukunft...

DWN
Politik
Politik China nicht mehr größtes Land der Welt: Regierung gerät in Panik, fälscht Volkszählung

China hat viel weniger Einwohner als offiziell behauptet - ein schwerer Rückschlag im Kampf um die weltweite politische und...

DWN
Deutschland
Deutschland Uschi Obermaier wird 75 – „Ich habe nichts verpasst“

Ex-Model Uschi Obermaier hat in ihrem Leben viel gefeiert und die Welt gesehen. Abenteuerlustig ist sie auch noch mit 75 Jahren - und wagt...