Gewinn und Aktienkurs brechen ein: Lufthansa geht schweren Zeiten entgegen

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 3 min
30.07.2019 14:49
Der Umsatz steigt, aber der Gewinn bricht ein: Die Konkurrenz der Billigflieger und die abflauende Konjunktur haben der Lufthansa im zweiten Jahresquartal einen Sturzflug beschert. Das Unternehmen geht unruhigen Zeiten entgegen.
Gewinn und Aktienkurs brechen ein: Lufthansa geht schweren Zeiten entgegen
Die Umsätze der Lufthansa brechen ein. (Foto: dpa)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Durch den Konkurrenzkampf unter den Billigfliegern in Europa und die abflauende Konjunktur rechnet die Lufthansa noch länger mit Gegenwind. Der operative Gewinn des Dax-Konzerns brach im zweiten Quartal um 25 Prozent auf 754 Millionen Euro ein, weil außerdem noch die Kosten für Kerosin und Wartung stiegen. Und das, obwohl mit mehr Fluggästen der Umsatz von April bis Juni um vier Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 9,6 Milliarden Euro kletterte. Finanzvorstand Ulrik Svensson sagte am heutigen Dienstag, die Lufthansa werde auf ihren besonders hart umkämpften Heimatmärkten Deutschland und Österreich mit ihrer Tochter ´Eurowings´ den Billigfliegern ´Ryanair´ und ´Easyjet´ Paroli bieten. Der Niedrigpreis-Kampf um die Passagiere werde noch das gesamte Jahr und womöglich auch 2020 noch weitergehen. „Wir müssen sicherstellen, dass wir sie bekämpfen", sagte der sonst eher zurückhaltend kommunizierende Schwede mit Blick auf die Konkurrenz aus Irland und Großbritannien.

Der Luftfahrtexperte Cord Schellenberg (Hamburg) sagte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten: „Für eine klassische Fluggesellschaft ist es nicht einfach, eine Billigfluglinie zu betreiben. Eurowings schleppt viel Übergepäck eines großen Unternehmens mit sich herum. Unter anderem die Ansprüche der Passagiere und der Mitarbeiter, die natürlich deutlich höher sind als bei Ryanair und bei Easyjet.

Eine Vorhersage zu treffen, ob Eurowings sich durchsetzt, ist schwierig - viel mehr als abwarten und die Situation beobachten, kann man nicht. Ich schätze die Chancen auf 50 zu 50. Wenn es nicht klappt, wird die Lufthansa zu viele Flugzeuge und zu viele Mitarbeiter haben. Der Konzern wird dann mit der Gewerkschaft Verhandlungen aufnehmen müssen.

Die Lufthansa ist vor ein paar Jahren schon einmal gescheitert. Damals allerdings nicht mit einem Billig-Anbieter, sondern dem genauen Gegenteil, nämlich einer Tochter im Highcost-Sektor. In der ´Lufthansa Italia´ wurde der Wein nicht im Pappbecher gereicht, sondern im Glas - heute existiert die Gesellschaft nicht mehr.

Die Lufthansa ist gezwungen, ein System zu finden und zu entwickeln, um Eurowings profitabel werden zu lassen. Sie muss einen Weg finden, die Gesellschaft in den Konzern zu integrieren.“

Die Lufthansa hatte erst Mitte Juni wegen des schwachen Geschäftsverlaufs ihre Jahresprognose gekappt und erwartet seither einen Rückgang des bereinigten Betriebsgewinns um gut 14 bis 28 Prozent auf 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro gegenüber 2018. Im ersten Halbjahr machte der Dax-Konzern unter dem Strich einen Verlust von 116 Millionen Euro.

Beim Erzrivalen Ryanair war das Ergebnis im zweiten Quartal um ein Fünftel gesunken. Lufthansa und Ryanair werfen sich gegenseitig vor, Flüge zu Dumpingpreisen in den Markt zu drücken.

Der düstere Ausblick nach den schwachen Zahlen schickte den Aktienkurs des Dax-Konzerns auf Talfahrt, die Papiere verbilligten sich um mehr als sieben Prozent auf 14 Euro - den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren.

HÖHERE RISIKEN

In der letzten Zeit seien die Risiken durch den Handelskonflikt und die globale Konjunkturabkühlung noch gewachsen, erklärte Svensson. Die Lufthansa stemme sich mit einem Katalog von rund 400 Maßnahmen gegen den Druck am Markt - zum Beispiel, indem die Frachtsparte Lufthansa Cargo einige Maschinen auf dem Boden lässt. Bei der Billigtochter Eurowings beginne der im Juni angekündigte Sparplan zu greifen. Im ersten Halbjahr lagen die Kosten bei Eurowings sechs Prozent unter Vorjahr. Der Dax-Konzern setzt nun darauf, dass die Geschäftsreisebuchungen im September wieder anspringen und die Luftfrachtnachfrage im Schlussquartal anzieht.

Die Netzwerk-Airlines Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines konnten das schwache Europa-Geschäft zum Teil durch profitablere Langstreckenflüge ausgleichen. Doch ihr Gewinn brach im ersten Halbjahr um 43 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein. Die Billigflugtochter Eurowings schrieb mit 273 Millionen Euro rund 50 Millionen Euro mehr Verlust als in den ersten sechs Monaten 2018. Das Lufthansa-Management will die stark gewachsene Direktflugtochter mit Einsparungen von 15 Prozent in zwei Jahren über die Gewinnschwelle hieven. Dabei solle auch Personal in der Verwaltung abgebaut werden, nicht aber im Flugbetrieb, erklärte ein Sprecher.

Die weltweite Konjunkturabkühlung und der Handelskonflikt zwischen den USA und China machten sich stark im Frachtgeschäft der Sparte Lufthansa Cargo bemerkbar. Das Betriebsergebnis im ersten Halbjahr belief sich auf gerade noch 15 Millionen Euro nach 127 Millionen Euro vor Jahresfrist.

MATRIX ODER HOLDING?

Zu einem Bericht des ´Handelsblatt´, wonach in Vorstand und Aufsichtsrat über einen Konzernumbau hin zu einer Holding diskutiert wird, erklärte Svensson, eine grundlegende Änderung der Konzernstruktur sei nicht geplant. Die Lufthansa sei mit der vor einigen Jahren eingeführten Matrix-Organisation, die eine zentrale allgemeine Konzernsteuerung mit einer dezentralen Führung der Airline-Marken verbindet, sehr zufrieden: „Es gibt keine Ideen oder Pläne, das zu ändern." Er schränkte jedoch ein, dass diese Struktur auch mit der einer Holding, die den Marken noch mehr Freiheit lässt, verbunden werden kann. Dies sei eine rein rechtliche Frage. Das Grundgerüst einer Matrix-Struktur solle aber bestehen bleiben.

Das ´Handelsblatt´ hatte berichtet, in Vorstand und Aufsichtsrat werde über eine Änderung der Konzernstruktur hin zu einer Holding diskutiert. So sollten die einzelnen Airline-Marken eigenständiger arbeiten und mehr verdienen können. In Unternehmenskreisen hieß es dazu, es gebe solche Gedankenspiele, es sei aber noch nichts spruchreif.


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland Schreckgespenst „zweite Welle“: Robert Koch-Institut schüchtert die Bürger mit löchrigem Zahlenwerk ein

Seit zwei Wochen schlägt das Robert Koch-Institut Daueralarm, weil die „Fallzahlen steigen.“ Was das Institut nicht sagt: Die Zahl der...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft USA beschlagnahmen Rekordmenge an iranischem Öl auf Tankern

Die US-Behörden melden eine Rekord-Beschlagnahme von iranischem Öl auf vier Tankschiffen. Laut einer Erklärung beförderten die vier...

DWN
Politik
Politik Gegen China: Deal zwischen Israel und VAE bildet Startschuss für „arabische Nato“

Das jüngste Friedensabkommen zwischen Jerusalem und Abu Dhabi zielt offenbar darauf ab, eine „arabische NATO“ gegen den Iran, aber...

DWN
Finanzen
Finanzen Apple auf dem Weg zum 2-Billionen-Dollar-Konzern

In der Corona-Krise ist es Apple gelungen, sich zum teuersten Börsen-Unternehmen der Welt aufzuschwingen. Zuletzt wurde der Kurs auch...

DWN
Politik
Politik Spahn und sein Ehemann kaufen Villa für 4,2 Millionen Euro

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke haben sich eine Villa für 4,2 Millionen Euro gekauft. Als Abgeordneter...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft USA: kleine Unternehmen leiden besonders unter Coronakrise

Kleine und mittelgroße US-Unternehmen rutschen im zweiten Quartal in die Verlustzone. Währenddessen stehen die großen Firmen den...

DWN
Deutschland
Deutschland Experten: Wertschätzung der Bundesregierung für Pfleger und Krankenschwestern war reine „Show-Veranstaltung“

Experten üben scharfe Kritik am Zustand des deutschen Gesundheitssystems. Die symbolische Wertschätzung der Bundesregierung für Pfleger...

DWN
Politik
Politik Lukaschenko lässt Gefangene frei, doch Proteste in Belarus gehen weiter

Trotz der Freilassung Hunderter Demonstranten in Belarus reißen die Proteste gegen Präsident Alexander Lukaschenko nicht ab. Merkel...

DWN
Politik
Politik Merkel verurteilt Festnahme von Demonstranten in Weissrussland

Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilt, dass in Weissrussland Demonstranten wegen der Teilnahme an Demonstrationen festgenommen wurden.

DWN
Politik
Politik Finanz-Spekulanten wollen Türkei aus dem östlichen Mittelmeer vertreiben

Die türkische Lira ist einer alljährlichen Spekulanten-Attacke, die auf den Monat August fällt, ausgesetzt. Doch diesmal geht es nicht...

DWN
Politik
Politik Was bringt die Rettung des Bargelds, wenn es seinen Wert verliert?

Politiker aller politischen Richtungen bemühen sich darum, die scheinbar unaufhaltsam voranschreitende Abschaffung des Bargelds noch...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft „Das Kartenhaus ist zusammengebrochen“: Corona deckt die Verwüstungen auf, die ein entfesselter Finanzkapitalismus hinterlassen hat

Die Corona-Krise ist nicht nur eine Krise der Gesundheitssysteme oder der Wirtschaft – sie deckt in nahezu allen Bereichen des...

DWN
Politik
Politik Wie das Jahr 1944: Corona-Pandemie wird die Weltordnung für immer verändern

Der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger hatte zu Beginn der Corona-Pandemie gesagt, dass die Menschen sich nach der Pandemie auf...

DWN
Deutschland
Deutschland IfW: Corona-Paket der Bundesregierung schadet der Wirtschaft

Ein erheblicher Teil des Konjunkturpakets der Bundesregierung gegen die Corona-Krise verursacht mehr Schaden als Nutzen, so das Kieler...

celtra_fin_Interscroller