Deutschland
Gegenseitige Vorwürfe

Neue Seidenstraße: Duisburg und Hamburg konkurrieren um Chinas Gunst

Der Hamburger Hafen will das europäische Drehkreuz der chinesischen Neuen Seidenstraße werden. Diesen Anspruch erhebt auch der Duisburger Hafen. Die Fronten zwischen beiden Handelsknotenpunkten sind verhärtet.
04.08.2019 07:56
Lesezeit: 2 min

Die Häfen von Hamburg und Duisburg konkurrieren um die Integration in das chinesische Infrastruktur-Projekt der Neuen Seidenstraße. Wie verhärtet die Fronten sind, lässt sich nach einem Bericht der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (Waz) am neuen Magazin des Hamburger Hafens (“Port of Hamburg Magazine”), das von der zuständigen Marketing-Abteilung herausgegeben wird, erkennen. 

In dem Magazin findet sich eine Karte mit dem Seeweg und dem Landweg von China aus nach Deutschland. Doch sowohl der Land- als auch der Seeweg enden beide in Hamburg. Die Häfen von Duisburg und Rotterdam sind auf der Karte nicht zu finden, obwohl auch diese beiden Häfen ein Teil der Neuen Seidenstraße werden wollen und sollen. Über der Karte lässt sich der Waz zufolge folgende Überschrift finden: “Hamburg – Das europäische Drehkreuz der Neuen Seidenstraße.” Damit erhebt der Hamburger Hafen einen alleinigen Anspruch auf die Neue Seidenstraße. 

Der Pressesprecher von Hafen Hamburg Marketing (HHM), Bengt van Beuningen, sagte gegenüber der Zeitung: “Wenn Mercedes Werbung für seine Produkte macht, dann zeigen die ja auch keinen BMW. Hamburg ist halt der führende China-Hafen, da kommt Duisburg ohnehin nicht heran.”

HHM-Vorstand Ingo Egloff findet noch schärfere Worte, die sich direkt gegen den Hafen von Duisburg richten. Erich Staake, Chef der Duisburger Hafen AG würde selbst Zusammenhänge zum eigenen Vorteil verzerrt darstellen, so der HHM-Vorstand im Gespräch mit der Waz. Egloff wörtlich: “Erich Staake präsentiert regelmäßig übertriebene Umschlagszahlen, weil er als einziger anders rechnet als alle anderen.”

Staake wiederum meint, dass Duisburg das wichtigste europäische Drehkreuz der Neuen Seidenstraße sein wird. „Duisburg ist mit Abstand der wichtigste europäische Dreh- und Angelpunkt für chinesische Züge (...). Auf jeder Karte, die man in China sieht, sind zwei Städte für Deutschland abgebildet: Berlin und Duisburg – sehr oft ist Duisburg ein bisschen größer gedruckt”, zitiert Politico Staake. 

Wöchentlich passieren rund 25 chinesische Züge den Bahnhof Duisport – beladen mit Konsumgütern aus Städten wie dem Elektronik-Zentrum Chongqing oder Yiwu, wo schätzungsweise zwei Drittel aller Weihnachtsdekorationen der Welt hergestellt werden.

Einige fahren weiter nach London oder Madrid, während andere in Duisburg entladen werden. Der 2,1 Millionen Quadratmeter große Warehouse-Komplex von Duisburg bietet Logistikunternehmen die Möglichkeit, Waren für die Distribution zu lagern. Die Deutsche Bahn fährt viele der China-Züge quer durch Europa und schätzt, dass 2016 40.000 Container entlang der Seidenstraße transportiert wurden. Bis 2020 sollen es 100.000 werden. Das ist immer noch ein Bruchteil des Seeverkehrs – wo ein einzelnes großes Schiff ungefähr 20.000 Container transportieren kann.

Doch genau an dieser Argumentation setzt Egloff seine Kritik an. In Hamburg werde ausschließlich das bilanziert, was über den Seeweg nach Hamburg gelangt. Das entspreche den internationalen Standards. Staake hingegen lasse auch die Containertransporte über den Landweg in seine Rechnung einfließen. “Da werden Äpfel mit Birnen verglichen, aber auch das ist halt Marketing.”

Die Duisburger Hafen AG will sich hingegen zu den Vorwürfen aus Hamburg nicht äußern. Ihr Sprecher meint nur: “Wir nehmen nur zu seriösen Fakten Stellung.”

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Technologie
Technologie KI-Einsatz in Unternehmen: Warum die Wirtschaft bislang nur punktuell profitiert
15.02.2026

Künstliche Intelligenz gilt als möglicher Hebel für höhere Produktivität in Unternehmen und Volkswirtschaften, doch ihr...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Eurozonen-Wirtschaft: Übergang in einen neuen Konjunkturzyklus
15.02.2026

Die Eurozonen-Wirtschaft tritt laut Prognosen der Bank Citadele in einen neuen Konjunkturzyklus ein, getragen von sinkenden Zinsen und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mittelstand unter Druck: Datev-Analyse belegt beunruhigende Zahlen
15.02.2026

Die wirtschaftliche Lage im deutschen Mittelstand spitzt sich weiter zu: Kleine und mittelgroße Unternehmen stehen immer stärker unter...

DWN
Finanzen
Finanzen Investitionsstrategien im KI-Zeitalter: Kriterien für langfristige Wertschöpfung
15.02.2026

Künstliche Intelligenz prägt Investitionsentscheidungen und verändert die Bewertungsmaßstäbe an den Finanzmärkten. Wie lassen sich im...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Schlüsselindustrien im Umbruch: Deutschlands Rolle am europäischen Markt
15.02.2026

Deutschland steht vor neuen wirtschaftlichen Weichenstellungen in einem sich wandelnden europäischen Umfeld. Wie lässt sich unter diesen...

DWN
Politik
Politik Grenzwerte: Umweltbundesamt bestätigt ausreichende Luftqualität in Deutschland
15.02.2026

Die Europäische Union gibt Grenzwerte vor, die in den Ländern eingehalten werden müssen. Die Luftqualität in Deutschland hat im...

DWN
Technologie
Technologie Elektronische Patientenakte spärlich genutzt: Gesundheitsministerin will ePA attraktiver machen
15.02.2026

Gesundheitsministerin Nina Warken weiß, dass bisher nur ein Bruchteil der gesetzlich Versicherten die sogenannte ePA aktiv nutzen. Sie...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EZB setzt auf strikte Regeln für Banken: Kapital als Stabilitätsanker
15.02.2026

Die EZB hält trotz politischen Drucks an strikten Kapitalregeln für Banken fest und warnt vor Risiken für die Finanzstabilität. Welche...