Gemischtes
Appelle der Politik sind lächerlich

Lasst die Polizei sich selbst "Respekt" verschaffen

Appelle seitens der Politik, der Polizei mehr Respekt entgegen zu bringen, sind überflüssig. Der Polizei muss die Möglichkeit gegeben werden, sich mit den notwendigen Mitteln Respekt zu verschaffen.
05.08.2019 17:19
Lesezeit: 2 min

Wer in Deutschland als „Hurensohn“ bezeichnet wird, hat die Möglichkeit, Anzeige zu erstatten. Das Strafgesetzbuch sieht für den Tatbestand der Beleidigung eine Geldstrafe und in schweren Fällen sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr vor.

Erzählen Sie das mal einem Streifenpolizisten. Anzeige erstatten wegen Beleidigung? Der Uniformträger wird Sie auslachen. „Hurensohn“. „Nazi.“ „Halt´s Maul, Kartoffel“: Sich solcherart titulieren zu lassen, gehört zum Polizistenberuf heutzutage dazu. Kein Vorgesetzter, kein Amtsrichter hätte auch nur im Geringsten Verständnis für einen Beamten, der sich wegen einer solchen „Lappalie“ beschwert.

Ein Streifenpolizist hat im Übrigen auch ganz andere Sorgen, als sich darum zu kümmern, welche Schimpfwörter man ihm an den Kopf wirft. Sein Augenmerk gilt vor allem seiner körperlichen Unversehrtheit. Selbst ein Routineeinsatz, beispielsweise eine Verkehrskontrolle, schlägt heute immer wieder in eine Situation um, in der sich eine zweiköpfige Peterwagen-Besatzung urplötzlich einem wütenden Mob gegenübersieht. Der angehaltene Fahrer ruft per Handy die Familie zur Hilfe, und innerhalb kürzester Zeit sehen sich die Beamten von tobenden Männern, Frauen und Kindern umringt. Wenn die Staatsdiener versuchen, sich zu wehren, werden ihnen nicht selten von herbeigeilten Passanten „faschistische Methoden“ und „Polizeigewalt“ vorgeworfen. „Nazis, Nazis“, erschallen dann die Sprechchöre der realitätsfernen Weltverbesserer.

Die Reaktion von Politikern? Bis vor kurzer Zeit häufig keine. Wobei man zugeben muss: Es hat sich etwas geändert. Die Verhältnisse haben sich mittlerweile so dramatisch zugespitzt, dass selbst die im Elfenbeinturm sitzenden Volksvertreter keine reine Beschwichtigungspolitik mehr betreiben können. Daher fordern Sie jetzt etwas: Und zwar Respekt.

Wirklich? Mal abgesehen davon, dass diese Forderung schätzungsweise zehn Jahre zu spät kommt, fragt man sich doch, was ihr Sinngehalt ist. Ist es nicht völlig natürlich, seinem Gegenüber mit Respekt zu begegnen? Vor allem dann, wenn es sich um ein Gegenüber handelt, das zum Schutz der Gesellschaft jeden Tag wieder seine Gesundheit, notfalls sogar sein Leben riskiert?

Nun, offenbar ist solcher Respekt nicht natürlich. Vor allem diejenigen, die ihn immer wieder für sich selbst einfordern, die ihre und die „Ehre“ ihrer Familie gar nicht vehement genug verteidigen können, sind nicht bereit, anderen Respekt entgegenzubringen.

Also machen unsere Politiker es richtig, wenn sie zum Schutz unserer Polizisten immer wieder „mehr Respekt“ einfordern?

Nein, das tun sie nicht. Denn diese Forderungen sind schon viel zu häufig gestellt - und ganz offensichtlich überhört worden. Und daher kann es nur eine Konsequenz geben: Die Polizei muss sich diesen Respekt wieder verschaffen. Und zwar mit allen Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen. Und das sind - glücklicherweise - eine ganze Menge. Politik und Justiz dürfen nur nicht mit Wort und Tat verhindern (wie bislang so oft geschehen), dass diese Mittel, dann, wenn die Umstände es notwendig machen, auch eingesetzt werden dürfen.

Noch eine Frage drängt sich an dieser Stelle auf: Ist es nicht einfach nur lächerlich, dass sich Politiker eines Staates bemüßigt sehen, darum zu bitten - und um nichts anderes als Bitten handelt es sich - dass man die Ordnungsmacht dieses Staates mit Respekt behandeln und ihr nicht weh tun möge? Man stelle sich vor, das würde in Russland geschehen oder in den USA. Ein russischer Innenpolitiker bittet seine Mitbürger darum, die OMON pfleglich zu behandeln? Ein amerikanischer Bürgermeister wünscht sich einen schonenderen Umgang mit den Cops? Unvorstellbar. Jedenfalls dort - in Deutschland offensichtlich nicht.

Die deutsche Polizei muss wieder als das agieren dürfen, was sie ist. Also als Freund und Helfer, aber eben auch als staatliche Ordnungsmacht, deren Aufgabe es ist, den Gesetzen Geltung zu verschaffen. Oder - um es etwas deutlicher auszudrücken - Recht und Ordnung durchzusetzen beziehungsweise wiederherzustellen. Wenn notwendig, muss sie dafür Zwang und polizeigewaltliche Mittel einsetzen. Und zwar konsequent und rigoros. Wer ihr dieses Recht abspricht, der kann gleich ihre Abschaffung fordern. Und den Zustand der Anarchie ausrufen, wo das Recht des Stärkeren herrscht. Aber das wird wohl selbst der gutmeinendste, toleranteste Idealist nicht wollen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Expo 2035 in Berlin-Brandenburg: Ost-Wirtschaft fordert Weltausstellung
09.02.2026

Die ostdeutsche Wirtschaft macht mobil: 15 Industrie- und Handelskammern fordern die Ausrichtung der Expo 2035 in der Hauptstadtregion. Ein...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Markenstreit eskaliert: Ritter Sport kämpft weiter um das Schoko-Quadrat
09.02.2026

Der Schokoladenhersteller Ritter Sport setzt den juristischen Feldzug gegen einen quadratischen Haferriegel aus Mannheim fort und zieht vor...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mittelstand setzt auf „Made in Germany“: Rückzug vom US-Geschäft:
09.02.2026

Angesichts drohender US-Zölle forcieren deutsche Mittelständler eine Rückbesinnung auf den heimischen Markt und europäische...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Netzpaket 2026: Heftige Kritik an Reiches Ökostrom-Reform
09.02.2026

Wirtschaftsministerin Reiche will den Netzausbau und die Erneuerbaren Energien synchronisieren, um Kosten zu senken. Doch die Pläne...

DWN
Politik
Politik MSC-Sicherheitsreport 2026: Experten warnen vor „Politik mit der Abrissbirne“
09.02.2026

Kurz vor dem Start der 62. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) zeichnet der neue Sicherheitsbericht ein düsteres Bild der Weltlage....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Playmobil schließt Werk in Deutschland: Mit Stellenabbau aus der Krise?
09.02.2026

Nach Jahren der Krise sieht Playmobil eine Trendumkehr: Sprechende Figuren, Fußball, Wrestling und Barbie – sollen neue Zielgruppen...

DWN
Politik
Politik Grundrente im Kampf gegen Altersarmut: Über eine Million Deutsche betroffen
09.02.2026

Ein kleiner Betrag mit großer Wirkung: Rund 1,1 Millionen Menschen in Deutschland profitieren aktuell von der Grundrente. Eine neue...

DWN
Finanzen
Finanzen Unicredit-Aktie auf Rekordkurs: Milliardengewinne und Mega-Dividenden bis 2028
09.02.2026

Die italienische Großbank Unicredit setzt ihren rasanten Wachstumskurs fort. Mit ambitionierten Gewinnzielen bis 2028 und Versprechen...