Finanzen
Daten zeigen historisches Halbjahr

Zentralbanken kaufen Rekordmengen Gold

Die Zentralbanken der Welt haben ihre Goldreserven im ersten Halbjahr 2019 in historischem Umfang erhöht, wie die Daten des World Gold Council zeigen.
05.08.2019 17:08
Lesezeit: 2 min

Die vom World Gold Council am Donnerstag veröffentlichten Daten zeigen, dass die Zentralbanken im ersten Halbjahr netto insgesamt 374,1 Tonnen Gold gekauft haben. Das ist der größte Nettoanstieg der globalen Goldreserven in einem ersten Halbjahr seit Beginn der Datenerhebung vor 19 Jahren.

Zentralbanken machten in der ersten Jahreshälfte fast ein Sechstel der gesamten globalen Goldnachfrage aus. Die Käufe verteilten sich erneut auf eine Vielzahl von Ländern, darunter vor allem Schwellenländer. Die größten Goldkäufer waren Polen, China und Russland.

Die Veränderung der Einstellung zu Gold seit der Finanzkrise zeigte sich auch in der letzten Woche, als 21 Zentralbanken Europas mitteilten, dass sie ihr Goldabkommen zum 26. September auslaufen lassen werden. Dessen offizieller Zweck war die Koordinierung ihrer Goldverkäufe, die jedoch in den letzten Jahren kaum noch stattfanden.

Insgesamt stieg die globale Nachfrage nach Gold im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 8 Prozent auf 1.123 Tonnen. Neben den Zentralbanken trugen dazu vor allem private Anleger bei, die verstärkt in goldbesicherte börsengehandelte Fonds (ETFs) investierten.

Die von den Zentralbanken weltweit angekündigte lockere Geldpolitik, geopolitische Instabilität und steigende Goldpreise haben die Anleger offenbar zu einer Aufstockung veranlagt. In der Folge stiegen die Bestände der Gold-ETFs im zweiten Quartal um 67,2 Tonnen auf einen Sechsjahreshöchststand von 2.548 Tonnen.

Die Nachfrage im zweiten Quartal wurde durch die Erholung im indischen Schmuckmarkt gestützt, wo die Nachfrage im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozent auf 168,6 Tonnen stieg. Der Technologiesektor hingegen reduzierte seinen Goldverbrauch aufgrund der schwierigen globalen Bedingungen.

In Großbritannien notierte Fonds machten drei Viertel des Umsatzes der Gold-ETFs aus. Anleger wollten sich offenbar gegen die Unsicherheit im Hinblick auf den Führungsstreit in der konservativen Partei, gegen die möglichen Folgen eines ungeordneten EU-Austritt und gegen einen Wertverlust des Pfunds absichern.

Auch deutsche Privatanleger investierten nach Angaben des World Gold Council verstärkt in Gold-ETFs. Sie wollten sich möglicherweise neben anderen Faktoren auch gegen die möglichen negativen Folgen des Handelskriegs zwischen den USA und China für das verarbeitende Gewerbe absichern.

Laut Alistair Hewitt, dem Leiter der Marktforschung beim World Gold Council war die Wende der Fed zu einer lockereren Geldpolitik der wichtigste Treiber für den starken Anstieg des Goldpreises im Juni. Allerdings habe das erste Halbjahr den Grundstein dafür gelegt, da die Goldnachfrage ein Dreijahreshoch erreichte.

Die US-Notenbank Federal Reserve hat am Mittwoch ihre lockere Geldpolitik fortgesetzt und ihre erste Zinssenkung seit mehr als einem Jahrzehnt angekündigt. Sie begründete den Schritt mit einer unter dem Ziel liegenden Inflation.

Der World Gold Council erwartet eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik und der geopolitischen Unsicherheiten. Daher würden Zentralbanken ihre Goldreserven weiter aufbauen. Und auch Anleger würden laut WGC verstärkt in Gold-ETFs investieren, obwohl die höheren Preise die Nachfrage beeinträchtigen könnten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Warum Deon Markets in der Krypto-Landschaft herausragt

In der dynamischen Welt der Kryptowährungen hebt sich Deon Markets deutlich ab. Diese Plattform bietet mehr als nur den Handel mit...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis: Warum Anleger der Erholung nicht trauen sollten
08.07.2026

Gold hat sich Anfang Juli kurz zurückgemeldet, doch der Absturz sitzt tief: Höhere US-Zinsen, ein starker Dollar und nervöse ETF-Anleger...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Auto-Aktien: Warum Europas Autobauer plötzlich Ramschpreise haben
08.07.2026

Europas Autobauer galten lange als industrielle Machtzentren. Jetzt stürzen ihre Aktien auf Mehrjahrestiefs, China bricht weg, Margen...

DWN
Politik
Politik Ukraine-Krieg: Warum Putin jetzt die Kontrolle verliert
08.07.2026

Putin räumt erstmals öffentlich ein, dass der Ukraine-Krieg Russland schwer trifft. Doch hinter Benzinmangel, Drohnenangriffen und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Waffenruhe bröckelt: Angriffe und Sanktionen stellen Iran-Abkommen auf die Probe
08.07.2026

Washington macht Teheran für erneute Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus verantwortlich - und kontert mit Sanktionen und neuen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Vom öffentlichen in den privaten Sektor: Habeck wird Berater bei Investmentgesellschaft
08.07.2026

Ex-Vizekanzler Habeck wechselt in die Privatwirtschaft: Ab August nimmt der frühere Wirtschaftsminister einen lukrativen Beraterjob bei...

DWN
Politik
Politik AfD-Brandmauer: Ostdeutscher CDU-Verband fordern ein Ende der Abgrenzung
08.07.2026

Ein Antrag der Brandenburger Mittelstandsunion sorgt innerhalb der CDU für Diskussionen: Mitglieder des CDU-Verbandes fordern das Ende der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Allianz-Umfrage: Betriebsrente schlägt alle Job-Benefits
08.07.2026

Die Betriebsrente bleibt für Beschäftigte der wichtigste Zusatz im Job – und Unternehmen sehen das genauso. Doch ausgerechnet viele...

DWN
Finanzen
Finanzen Fed-Unabhängigkeit: Warum der Machtkampf um die Fed deutsche Anleger treffen kann
08.07.2026

Donald Trump ist vor dem Supreme Court abgeblitzt, doch sein Kampf um Einfluss auf die US-Notenbank geht weiter. Über...