Finanzen
Analysten erwarten starke Rallye

Warum der Silberpreis dem Goldpreis hinterher hinkt

In den letzten Jahren hat sich der Silberpreis deutlich schlechter entwickelt als der Goldpreis. Doch Analysten zufolge sind die Gründe für die relative Schwäche des Silbers nur vorübergehender Natur.
20.08.2019 16:08
Lesezeit: 4 min

Seit über zwei Jahren hinkt der Silberpreis dem Goldpreis hinterher. Die Gold-Silber-Ratio liegt mit derzeit rund 89 nahe ihrem bisherigen Allzeithoch aus dem Jahr 1991, als man mehr als 100 Unzen Silber für eine Unze Gold kaufen konnte. Doch im nächsten Aufwärtszyklus könnte Silber den Rückstand zum Gold aufholen. Denn die Gründe für seine relative Schwäche sind laut einer Analyse von Goldmoney Research nur vorübergehender Natur.

Normalerweise geht es mit dem Silberpreis in Bullenmärkten stärker nach oben als mit dem Goldpreis. In Bärenmärkten hingegen geht es mit Silber in der Regel stärker und schneller abwärts als mit Gold. Dafür gibt es zwei Gründe.

Zum einen ist der Wert der weltweiten Bestände an Silber viel geringer als der Wert der weltweiten Goldbestände. Daher hat ein Anstieg der monetären Nachfrage nach Silber eine überproportionale Auswirkung auf den Preis verglichen zu Gold. Mit anderen Worten: Wenn die Nachfrage nach Edelmetallen steigt, ist einfach weniger Silber vorrätig, welches Investoren kaufen können.

Zum anderen ist Silber lediglich ein Nebenprodukt anderer Bergbauaktivitäten wie der Kupferproduktion. Diese Produktionsmenge reicht in der Regel aus, um die industrielle Nachfrage sowie eine durchschnittliche monetäre Nachfrage von Privatanlegern nach Silber zu decken. Damit sich eine höhere Silberproduktion lohnt, müssten viel teurere reine Silberprojekte wirtschaftlich rentabel werden. Wenn also die Silbernachfrage stark steigt, so steigt der Preis tendenziell noch stärker.

Der Silberpreis erreichte Anfang 2011 mit fast 50 Dollar pro Unze seinen bisherigen Höhepunkt und fiel anschließend bis Ende 2015 allmählich auf ein Tief von 13,70 Dollar pro Unze - etwa zur gleichen Zeit, als auch der Goldpreis seinen Tiefpunkt erreichte. Grund für den Rückgang war, dass sich die monetäre Nachfrage nach Silber deutlich verlangsamte.

Der Rückgang des Goldpreises zwischen den Jahren 2011 und 2015 wurde durch höhere Energiepreise verschärft, was sich höchstwahrscheinlich auch negativ auf den Silberpreis auswirkte. Doch im Gegensatz zum Gold, das sich seitdem im Aufwärtstrend befindet und rund 40 Prozent über seinen Tiefstständen liegt, hat Silber seitdem weitgehend stagniert.

Warum der Silberpreis hinter dem Goldpreis hinterher hinkt

Die Analysten von Goldmoney Research machen für die gegenüber Gold schlechtere Kursentwicklung des Silbers in den vergangenen Jahren zwei Gründe aus. Erstens hat sich das Verhältnis zwischen der Silberproduktion und der industriellen Silbernachfrage in den letzten Jahren dramatisch verändert. Historisch hat die Fotobranche den Löwenanteil der industriellen Silbernachfrage ausgemacht. Doch diese Nachfrage ist inzwischen fast vollständig verschwunden.

Die Industrienachfrage ist ein entscheidender Unterschied zum Gold. Denn der Silberpreis wird sowohl von der monetären als auch von der industriellen Nachfrage getrieben. Der Goldpreis hingegen wird nur von der monetären Nachfrage getrieben, da die industrielle Goldnachfrage im Vergleich dazu gering und relativ stabil ist.

Im Jahr 2018 verbrauchte der Fotosektor knapp 40 Millionen Unzen Silber. Noch vor zwanzig Jahren waren es rund 200 Millionen Unzen - ein Drittel der gesamten Minenproduktion. Zwar hat starkes Wachstum in anderen Branchen (Elektronik, Legierungen, Ethylenoxid) die rückläufige Nachfrage aus der Fotobranche etwas kompensiert. Doch auch diese Nachfrage hat ihren Höhepunkt um das Jahr 2013 erreicht und ist seitdem leicht gesunken.

Heute schafft die Photovoltaik zunehmend eine Nachfrage für die Silberindustrie. Die Herstellung von Solarmodulen verbrauchte im vergangenen Jahr mehr als 80 Millionen Unzen. Das waren immerhin 10 Prozent des gesamten weltweiten Minenangebots.

Doch obwohl die Nachfrage aus der Photovoltaikindustrie rasch wächst, war sie in den letzten fünf Jahren nicht groß genug, um den Verlust der Fotonachfrage und die Abschwächung der industriellen Nachfrage vollständig auszugleichen. Somit ist die industrielle Nachfrage netto seit 2013 leicht rückläufig.

Die Analysten von Goldmoney Research gehen davon aus, dass die schwache industrielle Nachfrage in den letzten Jahren zu der schwachen Silberpreisentwicklung beigetragen hat und dass dies ein Teil der Erklärung ist, warum der Silberpreis hinter dem Goldpreis hinterher hinkt.

Für die Zukunft erwarten die Analysten nun aber, dass die schwache industrielle Nachfrage den Silberpreis nicht weiter belastet. Denn die Nachfrage aus der Fotobranche könne kaum noch weiter fallen, und die Nachfrage aus der Photovoltaikbranche werde voraussichtlich weiter steigen. Zudem kommt der industriellen Nachfrage nur eine zweitrangige Bedeutung zu, wenn die monetäre Nachfrage durch Anleger stärker wird.

Kryptowährungen als Konkurrenz zum Silber

Neben der Industrienachfrage könnte nach Ansicht der Goldmoney-Analysten auch die verstärkte Konkurrenz durch Kryptowährungen den Silberpreis gedrückt haben. Die monetäre Nachfrage nach Gold und Silber steigt, wenn die Realzinserwartungen sinken. Denn dann suchen die Menschen verstärkt nach Alternativen zu den Fiat-Währungen.

Für viele Sparer hat Silber gegenüber Gold den Vorteil, dass man es einfacher in kleineren Mengen kaufen kann und dass es in Bullenmärkten dazu tendiert, Gold zu  übertreffen. Bitcoin hat möglicherweise einen Teil dieses Marktanteils von Silber übernommen. Der Silbermarkt ist deutlich kleiner als der Goldmarkt. Daher ist der Silberpreis stärker negativ betroffen als der Goldpreis, wenn beide Edelmetalle das gleiche Volumen an monetärer Nachfrage an Kryptowährungen verlieren.

Die Analysten glauben aber nicht, dass sich Kryptowährungen in Zukunft weiter negativ auf Silber auswirken werden. Sie gehen davon aus, dass sich die monetäre Silbernachfrage weiter beschleunigen wird, während der aktuelle Bullenzyklus mit einem verstärkten Rückgang der Realzinserwartungen an Tempo gewinnt. In einem solchen Umfeld würden die bereits genannten zwei Faktoren entscheidend für den Silberpreis: die niedrigen oberirdischen Lagerbestände und die extrem hohen Kosten einer Produktionsausweitung.

Produktion aus Silberminen ist rückläufig

Nach Angaben des Silver Institute hat die aus Minen geförderte Silbermenge 2015/2016 ihren Höhepunkt erreicht. Zwar wird demnach auch Gold aufgrund einer langen Periode schwacher Investitionen in Minen künftig in eine Phase rückläufiger Produktion eintreten. Doch die Silberindustrie ist bei dieser Entwicklung weit voraus. Das Minenangebot ist bereits im letzten Jahr um 2 Prozent zurückgegangen und das Silver Institute prognostiziert für dieses Jahr einen erneuten Rückgang um 2 Prozent. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.

Und wenn die Minenproduktion für Basismetalle aufgrund einer wirtschaftlichen Rezession eine schwache Nachfrage verzeichnet, wird auch die Produktion von Silber sinken, da dies meist nur ein Nebenprodukt ist.

In den vergangenen Wochen konnte der Silberpreis etwas ausbrechen. Es stieg vorübergehend auf über 17 Dollar pro Unze - ein Anstieg um 21 Prozent gegenüber einem Preis von 14 Dollar pro Unze vom November vergangenenm Jahres. Allerdings entwickelte sich Silber in dem Zeitraum nur mehr oder weniger im Einklang mit Gold, das von 1.200 Dollar pro Unze auf aktuell rund 1.500 Dollar pro Unze angestiegen ist. Für die Zukunft erwarten die Analysten, dass Silber dem Gold davonlaufen wird.

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